Rom / Washington

US-Chefstratege Bannon kungelt mit Papst-Widersacher

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

Fr, 17. Februar 2017 um 00:00 Uhr

Ausland

US-Chefstratege Stephen Bannon versteht sich offenbar bestens mit dem US-Kardinal und Papstwidersacher Raymond Leo Burke. Schmieden die beiden eine ideologische Allianz?

Es waren Szenen einer Apokalypse, die Stephen Bannon im Juni 2014 im Vatikan skizzierte. Der heutige Chefberater von US-Präsident Donald Trump führte damals noch das ultrarechte Nachrichtenportal Breitbart News mit Sitz in Los Angeles. Über Skype war Bannon aus den USA in den Palazzo der Päpstlichen Akademie für Wissenschaften in den vatikanischen Gärten zugeschaltet. Eigentlich sollte der Gast über das Verhältnis zwischen Armut, Kapitalismus und Christentum referieren, stattdessen präsentierte Bannon im Schatten des Petersdoms eine Endzeitvision. Der Westen stehe "am Beginn eines sehr brutalen und blutigen Konflikts" gegen den "dschihadistisch-islamischen Faschismus". Eine "sehr sehr sehr aggressive Haltung" sei gegen den radikalen Islam und zur Verteidigung der jüdisch-christlichen Kultur notwendig. Das Nachrichtenportal buzzfeed.com veröffentlichte ein Protokoll seines Vortrags von 2014 im Internet.

Bannon gab zu verstehen, dass die katholische Kirche und die Werte, die sie seiner Vorstellung nach verkörpert, auch heutzutage als ideologisches Bollwerk gegen den Islam dienen sollten. Es sei an der Zeit, für den eigenen Glauben und "für unsere Überzeugungen und gegen die beginnende neue Barbarei zu kämpfen".

Heute, nur zweieinhalb Jahre später, sitzt der Mann im Weißen Haus. Als Chefstratege des US-Präsidenten ist Bannon an allen wichtigen Entscheidungen Trumps beteiligt. Manche halten ihn gar für den eigentlichen Machthaber in Washington. Der 63-Jährige hat zudem beste Kontakte in den Vatikan. In seiner bisher nur ideologischen Schlacht gegen den Islam und für die christliche Tradition kann er in Rom auf illustre Verbündete zählen, die den innerkirchlichen Widerstand gegen Papst Franziskus anführen.

Bereits zwei Monate vor seinem Vortrag in der Papst-Akademie war der Katholik Bannon nach Rom gereist. Im April 2014 berichtete er für Breitbart News von der Heiligsprechung Johannes Paul II. und knüpfte Kontakte. Die Begegnung, die auf ihn offenbar die größte Wirkung hatte, war die mit US-Kardinal Raymond Leo Burke, dem Anführer des innerkirchlichen Widerstands gegen Papst Franziskus. Miteinander bekannt gemacht hatte die beiden der Engländer Benjamin Harnwell, Gründer des Instituts Dignitatis Humanae, das den Vatikankongress zwei Monate später veranstaltete. Laut Harnwell blieben Bannon und Burke in Kontakt. Der New York Times sagte der konservative Netzwerker, beide seien prinzipientreue Männer, die ähnliche "Schlachten auf kulturellem Gebiet" schlagen.

Die Übereinstimmung der beiden katholischen Amerikaner überrascht nicht, gerade wenn man Burkes Rolle im Vatikan bedenkt. Der Kardinal zählt zum konservativsten Flügel in der katholischen Kirche, er kämpft kompromisslos gegen Abtreibung, die Homo-Ehe und für traditionelle christliche Werte wie die Unauflöslichkeit der Ehe. Mit seiner öffentlichen Kritik an Papst Franziskus manövrierte sich der Hardliner jedoch ins Abseits. Franziskus enthob Burke seiner wichtigsten Funktionen im Vatikan und schob ihn 2014 als Kardinalpatron zum Malteserorden ab. Höhepunkt seiner öffentlichen Kritik an Franziskus war jüngst die Veröffentlichung eines Briefes mit fünf "Zweifeln" am Lehramt des Papstes, den unter anderem auch der ehemalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner und der deutsche Kurienkardinal und ehemalige Augsburger Kirchenhistoriker Walter Brandmüller unterschrieben.

In ihrer Weltsicht sind sich der Anführer des Widerstands gegen den Papst und der Chefberater des US-Präsidenten einig. Auch Burke hält den Islam für eine Bedrohung. "Es ist klar, dass die Muslime letztendlich die Herrschaft über die Welt erobern wollen", sagte der Kardinal im Oktober in einem Interview mit der italienischen Zeitung Il Giornale. Während Burke in der katholischen Kirche einen Kampf um die Wiederherstellung einer orthodoxen christlichen Moral ausficht, dessen ideologische Grundlagen Bannon teilt, kann Bannon über Trump die Weltpolitik in seinem und auch in Burkes Sinne beeinflussen.

Auch der Papst vertritt erzkonservative Positionen

Diese Haltung deckt sich mit den Vorstellungen vieler rechtspopulistischer Parteien in Europa. Als Chef von Breitbart News knüpfte Bannon enge Kontakte zur britischen Independence Party (Ukip), aber auch zum französischen Front National. Wie es scheint, ist auch der Kardinal nicht untätig. Italienische Zeitungen berichteten, Burke habe erst vor Tagen Matteo Salvini, den Chef der italienischen Lega Nord zu einem Gespräch in seine Wohnung eingeladen. Salvini fiel in der Vergangenheit nicht nur durch fremdenfeindliche Sprüche auf. Er kritisierte mehrfach Papst Franziskus wegen dessen vermeintlich laxer Haltung zu Flüchtlingen. Bei einem Parteikongress posierte Salvini mit einem T-Shirt: "Mein Papst ist Benedikt", stand darauf geschrieben.

Die Schnittmengen zwischen US-Regierung, dem internationalen Rechtspopulismus und der Opposition gegen Franziskus sind erheblich. Der Papst taugt aber nur bedingt als Feindbild der Ultrarechten. Auch Franziskus lässt kaum eine Gelegenheit aus, Abtreibung und die "Gender-Theorie" zu verurteilen. Der größte Kontrast zur US-Regierung besteht in den Vorstellungen zum Umgang mit Flüchtlingen. Donald Trumps Forderung nach einem Mauerbau an der Grenze zwischen USA und Mexiko brandmarkte der Papst als "nicht christlich".