Veränderungen der ganz leisen Art

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 03. Februar 2009

Ausstellungen Rezensionen

Die gebürtige Argentinierin Gabriela Stellino stellt ihre "belebten Bilder" im Morat-Insitut aus.

Gabriela Stellino ist eine sensibel beobachtende Künstlerin, die mit großer Konsequenz und Beharrlichkeit arbeitet. Das zeigt die Ausstellung "Belebte Bilder" im Freiburger Morat-Institut. Zu sehen sind kleinformatige, konzeptionell ausgearbeitete Landschaftsaquarelle und Skizzenmappen. Die in sieben Werkgruppen gegliederten Aquarelle sind Teil eines Animationsprojektes. Das große Thema "Bild und Zeit" wird darin durch subtilste Veränderungen und im Zusammenklang mit einer Klaviermusik von Fernando Viani, die aus der Inspiration durch die Filmbilder entstanden ist, sichtbar gemacht. Dahinter steht die schlichte Beobachtung, dass Jahreszeit, Tageszeit und Wetter die Stimmung und den Eindruck von Landschaft verändern.

Stellino beginnt mit einer gezeichneten Skizze der zu aquarellierenden Landschaft. Darin vermerkt die gebürtige Argentinierin zukünftige Farben und etwaige Änderungen in den Linienverläufen. In einem zweiten Schritt stellt die Künstlerin eine Vorskizze bereits in Aquarelltechnik auf trockenem Papier her und erst in einem dritten Schritt entsteht dann treffsicher das Original. In dieser Weise sind je Werkgruppe etwa um die hundert Aquarelle in technischer Perfektion entstanden, die sich minimal unterscheiden.

Im ersten, 2002 entstandenen Zyklus "Grenzen der Sichtbarkeit" reicht zur Andeutung von Landschaft eine einzige Linie, darin einige markante Hügel, reduzierter geht es kaum. Den Rest besorgt eine Farbgebung, die fast keine ist, ebenso verhalten und reduziert. Diese fast immer gleiche Linie erscheint einmal in einen Farbstreifen getaucht, dann tritt sie aus dem Nebel hervor, ein drittes Mal wird sie eins mit ihrer Umgebung, in einer vierten Variante hebt sich der Himmel über ihr ab, der Gestaltungsmöglichkeiten sind unzählige. Die Beschränkung auf ein kleines Format ist pure Notwendigkeit.

Für den Film hat Stellino ungefähr 30 Aquarelle pro Werkgruppe, Zypressen, der Strand von Bahia in Brasilien, besagte Hügelkette im Schwarzwald, dicht stehende Bäume, eingescannt und trickfilmartig in Überblendungstechnik montiert. Es entstehen so viele Filmsequenzen wie Werkgruppen, die Belebung der Landschaft geschieht unmerklich, übergangslos subtil, bewusst kaum wahrnehmbar. Das Grundmuster innerhalb einer Werkgruppe bleibt gleich, während die farblichen Abstufungen für die Belebung und den Stimmungswechsel sorgen. Die Farben lassen die Konturen hervortreten oder verschwinden, Veränderungen der ganz leisen Art. Obwohl die von diesen Filmsequenzen inspirierte Klaviermusik keine laute ist, erscheint sie vor diesen Bildern laut, weil jedes Geräusch laut erscheinen muss. Kompositorisch greift Viani das verhaltene, durchstrukturierte bildnerische Prinzip auf, Klangfarben in dichten Akkorden, überhöht mit leichten wiederkehrenden Motiven, durch die Lagen wechselnd, Blau korrespondiert mit der Tiefe des Basses. Die Komposition stärkt die synästhetische Erfahrung. Hingehen, schauen, hören und staunen!

– Morat-Institut, Lörracher Str. 31, Freiburg. Bis 21. Februar, Samstag 11–18 Uhr. Film mit Live-Musik: Samstag, 7.2., und Sonntag, 15.2., jeweils 17.30 Uhr.