Das Leben in skurrilen Facetten

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 14. Juni 2018

Ausstellungen

Das Weiler Stapflehus zeigt Arbeiten des aus Efringen-Kirchen stammenden Markgräfler Kunstpreisträgers Peter Bosshart.

Mehr als zehn Meter lang und 2,60 Meter hoch ist der liegende Pinocchio, den Peter Bosshart in Acryl direkt auf die Wand im ersten Stock im Weiler Stapflehus gemalt hat. Dieses monumentale Wandbild hat der mit dem Markgräfler Kunstpreis 2018 der Stiftung der Sparkasse Markgräflerland ausgezeichnete Maler speziell für die mit dem Preis verbundene Ausstellung in der Städtischen Galerie geschaffen. Das Motiv der aus einem Holzscheit geschnitzten Marionette, die plötzlich zum Leben erwacht, begleitet den Künstler schon seit seiner Jugendzeit und taucht immer wieder in seinem Bildkosmos auf.

Nun griff er diese Gestalt mit der hervorstechenden langen Nase, die mit einer metaphernreichen Symbolik verbunden ist, in dem vor Ort entstandenen Gemälde auf, das die gesamte Wand einnimmt. Bossharts monumentaler, wie aufgebahrt da liegender Pinocchio weckt vielfältige Assoziationen zwischen Kunstgeschöpf und menschlichem Wesen. Der für sein eigenwilliges und unkonventionelles Werk bekannte Maler aus Efringen-Kirchen zeigt noch eine zweite große Wandmalerei im Erdgeschoss, die ebenfalls direkt auf die Räumlichkeit und die Architektur vor Ort eingeht: "Glasbausteine", fünf Meter breit, in Acryl auf Folie. Auch diese gemalten Glasbausteine haben einen persönlichen Bezug, denn sie erinnern an eine Wand in Bossharts Elternhaus. Wie in einer Art Hinterglasmalerei hat er dieses Riesenbild auf der Folie gemalt, in einer besonderen Technik, die das Milchig-Durchscheinende, die Transparenz der Glasbausteine effektvoll zur Wirkung bringt. Das Folienbild greift optisch auch die Bodenkacheln im Stapflehus auf, setzt diese Formenmuster gleichsam im Bild fort.

Korrespondierend mit den zwei auffallenden Wandgemälden hat der Maler kleinere und größere Einzelbilder angebracht, Figuren, Gegenstände, einfache Dinge oft in fragmentarischen Ausschnitten, die hintergründige Geschichten aus dem Alltag erzählen. Im Erdgeschoss findet sich eine ganze Bilderwand bestückt mit kleineren Ölbildern, die sich in der Fantasie des Betrachters lose verknüpfen lassen. Ein umgestülpter Blumentopf, ein Vogel auf einem Zweig, ein Hinterkopf mit Haarkranz, rosa Strümpfe, zwei Hühner, eine Frau im Kleid, dessen Reißverschluss wie eine Wirbelsäule aussieht, zwei Hände mit aneinandergelegten Fingerspitzen, lauter Ausschnitte aus der Lebenswirklichkeit, die in Bossharts Malerei in sich wandelnder Form auftauchen. Zwei Rahmen, die sich schwerelos schwebend vor grauem Hintergrund überschneiden und berühren, aufeinanderstapelte Obstkisten oder eine silhouettenhafte Figur beim Fotografieren ("Im Bild") sind weitere Beispiele für Bossharts teils skurrile, rätselhaft vieldeutige Art, die Dinge im Leben zu sehen.

Dinge erhalten etwas von menschlicher Gestalt, Figuren werden mit Hintersinn und tieferem Ernst in Bossharts Stil transformiert. Reduziert auf schlichte, schnörkellose Formen. Wie stark der Maler auf den jeweiligen Raum reagiert, sieht man auch in dem Bild auf dem Pfeiler und in den Arbeiten im Dachgeschoss. Hier spielt der Maler in dem großformatigen Bild "Gebälk", auf dem eine schwarze Katze auf hölzernen Balken vor blauem Himmel klettert, auf die realen Holzbalken im Raum an. Auch das Bild einer "Liege", mit wenigen Strichen und Farben auf die Leinwand gebracht, passt wunderbar in diese Raumatmosphäre unterm Dach. "Nit nüt" hat der Maler seine Ausstellung anlässlich des Kunstpreises doppeldeutig und ein bisschen selbstironisch betitelt – "nicht nichts", eine Anspielung auf die scheinbar so einfachen und doch ganz und gar nicht banalen Dinge in Bossharts Bildwelt.

Info: Die Ausstellung ist bis 8. Juli zu sehen, Samstag 15-18, Sonntag 14-18 Uhr,