Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. August 2017

Delikatesse im Farblichen

BZ-SOMMERSERIE KUNSTGESCHICHTEN (3): Rudolf Großmanns "Garten in Langenargen".

Sommer, Sonne, Badespaß. Freiluftvergnügen gibt es derzeit zuhauf. Doch gerade an schwülen Tagen könnte eine Alternative der Besuch in den klimatisierten Räumen eines Museums sein. Mitarbeiter der Freiburger Museen möchten mit ausgewählten Exponaten dazu animieren: Im Gespräch mit der BZ erklären sie, warum ihre Wahl auf dieses Gemälde, diesen Gegenstand gefallen ist. Isabel Herda suchte Rudolf Großmanns Gemälde "Garten in Langenargen mit Hans Purrmann" im Museum für Neue Kunst aus.

Eine heitere, sommerliche Szene. In einem parkähnlichen Garten am See ist eine kleine Gruppe von Menschen versammelt. Vier der fünf Figuren sitzen auf Gartenstühlen an einem Tisch beisammen; eine hält sich etwas abseits. Wie es scheint, ist die Gestalt, ein Mann, in Gedanken versunken – oder in die Anschauung der Seelandschaft.

Der See in Rudolf Großmanns Ölbild "Garten in Langenargen mit Hans Purrmann" ist der Bodensee. 1922 war Großmann mit seiner Frau und dem Maler und Freund Hans Purrmann nach Italien gereist. Das Gemälde entstand im Jahr danach. Mag sein, dass Großmann mit seiner Frau vor der Rückreise nach Berlin noch einige Tage bei Purrmanns in Langenargen verbrachte. Das Gemälde hängt heute in einem Saal des Museums für Neue Kunst in Freiburg. Mit fünf weiteren Ölbildern Großmanns und je einer Malerei von Purrmann sowie Alexander Kanoldt bestückt es zwei Saalwände. Hinzu tritt der Torso eines steinernen Frauenakts von Wilhelm Gerstel.

Werbung


Ausgesucht hat die Werke aus den 20er Jahren Isabel Herda, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. Bewusst wählte sie von Großmann, der eigentlich mehr als Graphiker und Zeichner denn als Maler bekannt ist, Gemälde aus. Die neun Werke kommunizieren miteinander durch mannigfache Bezüge, in der Motivwahl oder der Farbgestaltung. Purrmann ist als Matisse-Schüler ein höchst kultivierter Vertreter der Peinture französischer Provenienz. Als Maler steht Großmann dieser Tradition nicht ganz fern.

Isabel Herda weist auf das Skizzenhafte in Bildanlage und Ausführung hin, das dem Gemälde seine duftige Légerté gibt. Die Figuren sind flüchtig in Körperumrissen oder Farbsetzungen angedeutet, die dem Betrachter zugewandten Gesichter der beiden Frauen gar bloße Farbflecke. Die Rasenflächen und das Laub der Bäume sind Ergebnis informeller Pinselstriche und -wische. So hat das gelöste Lebensgefühl, welches das Bild der im sommerlichen Garten sitzenden Menschen atmet, auf die Komposition und die malerische Ausführung abgefärbt. Wie die Bildanlage als ganze verströmt der Pinselstrich Leichtigkeit und Freiheit.

Isabel Herda weist auf den Kontrast zwischen der Skizzenhaftigkeit des Bildes auf der einen und der Sorgfalt und Delikatesse im Farblichen auf der anderen Seite hin. "Großmann lässt in dem Bild die gedeckten eher dunklen Farben, die er häufig verwendet hat, zurück. Im Zusammenklang von verschiedenen Lila-, Gelb- und Grüntönen entsteht hier im Garten von Purrmann das Bild eines heiteren Sommertages."

Die Lilatöne der wohl Purrmann darstellenden Figur mit Skizzenblock und Hut kehren teilweise in den Bäumen und im Sandboden des Vordergrunds wieder. Die Palette der verschiedenen Grüntöne der Rasenfläche reicht von Türkis über saftiges Grün bis ins Gelbliche – je nachdem ob die Graspartien in der Sonne oder im Schatten liegen.

Das Kontrastbild zu "Garten in Langenargen mit Purrmann" hängt in dem Museumsraum über Eck: Großmanns kurz darauf entstandenes Gemälde "Berlin, Lützowplatz" mit seiner Palette von abgetönten Farbtönen zwischen Grau und Grün. Für die malerische Erinnerung an einige unbeschwerte Tage am Bodensee, so scheint es, hat der Künstler in dem Sommerbild die für sein Werk so charakteristische satirische und zeitkritische Schärfe einmal auf sich beruhen lassen.

Die Serie wird in lockerer Folge fortgesetzt.

Autor: Hans-Dieter Fronz