Der Alltag in Kunstform

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 07. Oktober 2017

Ausstellungen

Der Kunstraum Riehen zeigt Arbeiten von Künstler, die mit Materialien der Alltagskultur arbeiten.

Eine kleine Kamera, eine Straßenkarte, Zigarettenkippen in einem Aschenbecher, Streichhölzer, eine Tasse mit Kaffeesatz, Gläser mit Flüssigkeitsresten, Löffel, ein Spielzeugauto: Aus diesen Dingen, die auf eine Tischplatte montiert sind, hat Jan Kiefer ein Stillleben des modernen Alltags geschaffen. Das Wandobjekt mit dem Titel "Ständig Freiheit", das von der berühmten Eat-Art von Daniel Spoerri inspiriert ist, hängt in der neuen Ausstellung "Le charme indiscret" im Kunst Raum Riehen.

Vier Kunstschaffende aus der internationalen Kunstszene hat Kuratorin Kiki Seiler-Michalitsi in dieser wohltuend sparsam eingerichteten Schau zusammengebracht. Obwohl die Künstler in unterschiedlichen Medien, Werkstoffen und Ausdrucksformen arbeiten, lässt sich, wie es Seiler-Michalitsi beschreibt, ein gemeinsamer Nenner in den Arbeiten erkennen: "Konzeptuelles Denken, die Beschäftigung mit alltäglichen Materialien, Alltagskultur, Alltagsgewohnheiten und gesellschaftlichen Phänomen" verbindet die Künstler.

Einer von ihnen ist der in Basel lebende gebürtige Trierer Jan Kiefer, der mit verschiedenen Materialien, Gebrauchsgegenständen und Alltagsobjekten arbeitet. Im Zwischenraum ist sein überdimensionaler Kaktus aus leuchtkräftigem, farbigem Antikglas in Bleiglas-Technik zu sehen: Das stachelige Gewächs strahlt in dieser raumhohen Glas-Arbeit Licht, Transparenz und eine gewisse Jugendstil-Ästhetik aus. Ebenfalls Gebrauchsstücke aus dem Alltag verwendet der Künstler in einer Installation mit zwei wuchtigen alten Bauernkästen aus den Schweizer Bergen, deren Türen er durch farbige Acrylscheiben ersetzt hat. So werden die funktionalen ländlichen Schränke in Anschauungs-Objekte verwandelt, die aus ihrem Kontext herausgelöst werden und durch die Glaselemente mit Durch- und Einblicken und Reflexionen spielen.

Alltägliche Dinge greift auch Gina Folly aus Zürich auf. Ihr schwebt die Assoziation eines Marktplatzes vor, wenn sie im Gartensaal in einer Rauminstallation alte Metalltafeln aus einem Pariser Marktladen mit Angeboten und Preisen von exotischem Gemüse, Obst und Früchten von der Decke herabhängen lässt. Der Besucher läuft gleichsam durch einen Schilderwald, auf dem in bunten Werbetafeln mit Buchstaben, Zahlen und Bildchen "Nectarines", "Carottes", "Olives" oder "Avocat" angepriesen werden.

An zwei futuristische Palmen erinnern die Materialskulpturen der Genferin Vanessa Billy. Etwas Reales und zugleich Surreales haben die Dinge, die der aus Santiago de Chile stammende Francisco Sierra in hyperrealistischer Präzision in Öl auf Leinwand oder Holz malt. Von Sierra sieht man außerdem im kleinen Saal Objekte aus bemaltem, ungebranntem Ton, die etwas überraschend Poetisches haben.

Kunst Raum Riehen: bis 5. November, geöffnet Mittwoch bis Freitag 13-18, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr.