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19. August 2017

Die Kraft und der Glanz des Himmels

Die Ausstellung des Museums der Kulturen in Basel beleuchtet die Rolle, die die Menschen Sonne, Mond und Sternen zugestehen.

  1. Der indische Gott Hanuman verschlingt die Sonne. Foto: Omar Lemke

  2. Hier steht die Bu drin zu dieser schicken sonnenbrille. Foto: Martina David-Wenk

Ob im aktuellen Marketing oder als überirdische Hilfe für Despoten, ob als Qualitätssiegel für innovative Köche oder als Zeichen für fußballerische Extraklasse, die Gestirne haben von ihrer besonderen Bedeutung für die Menschen auch im 21. Jahrhundert nichts verloren. Die aktuelle Ausstellung des Museums der Kulturen in Basel beleuchtet die Rolle, die die Menschen Sonne, Mond und Sternen auf der Erde zugestehen. Dabei wagt das Museum den großen Spagat zwischen alten Mythen und modernem Alltag.

Sonne, Mond und Sterne klingt nach St. Martinsumzug und weniger nach Raumforschung. In der aktuellen Ausstellung des Basler ethnografischen Museums geht es um die Jahrtausende alte Beziehung der Menschen zu den Gestirnen. Die Ausstellung blickt auf die Erde und deren Bewohner. Im Vorraum erinnert der Durchgang an eine Weltraumkapsel, an Bord derer die Besucher einen Blick auf die Erde werfen. Nur wer über dieses Bild der Erde geht, dringt zu den Vorstellungen und Erklärungen der Menschen rund um den Erdball vor.

Diese können nur fragmentarisch erörtert werden, so Kurator Alexander Brust. Deshalb hängen die Kunstwerke aus aller Welt mit Vorstellungen über die Gestirne auch nicht an den sonst üblichen Stellwänden, das Museum der Kulturen hat spitze Zacken geschaffen, die an die Silhouette zerbrochener Spiegel erinnern, um der künstlerischen Auseinandersetzung der Künstler aus Indonesien, Polynesien, Mali oder Australien mit ihren Mythen Raum zu geben. Die Menschen haben zu allen Zeiten den Himmel beobachtet, die Daten gesammelt, daraus Schlüsse gezogen und Geschichten erfunden. Eine Mondfinsternis wird so zum Kampf zweier Götter, die Milchstraße entstammt der Zeit, in der Götter und Dämonen noch kooperierten, so dachte man im alten Indien. In Polynesien hat der Halbgott Maui gar die Sonne gefangen genommen, die Tage waren für das Tagwerk zu kurz, weshalb sie erst dann ihre Freiheit wiederbekam, als sie versprach, ihre tägliche Reise zu verlangsamen.

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Die Beobachtungen am Himmel dienten seit jeher den Menschen zur Orientierung auf Reisen und zur See, was zu verschiedenen Kalendern führte, zu Sonnenkalendern, reinen Mondkalendern oder Kombinationen von beiden. Alte Bauernkalender teils aus dem 18. Jahrhundertzeugen davon, wie wichtig die Mondphasen für die Landwirtschaft waren. Für den Hype, den die Mondkalender seit den 1990er Jahren auslösten, war wohl nicht der "richtige Zeitpunkt". Sie fehlen in der Ausstellung. Die Mondphasen sollen Böses bannen, Wirkungen verstärken; Amuletten in Sonnen- oder Mondgestalt wird Ähnliches zugesprochen.

320 000 Objekte hat die Sammlung des Museums der Kulturen. Museumsdirektorin Anna Schmid betrachtet es als ihre Pflicht der Bevölkerung gegenüber, Objekte aus dem eigenen Depot zu präsentieren. Was nicht heißt, ab und an auch aus fremden Museen Dinge auszustellen.

Amulette helfen nicht immer, vor allem helfen sie nicht gegen die Sonne. Irgendwann tun dies vielleicht nicht einmal mehr die Sonnenbrillen. Die große Fasnachtslaterne aus dem Jahr 2004 erinnert an den Sommer 2003. Die Sonne hier ist böse und schadet den Menschen. Wo sie früher für Glück und Frohmut stand, steht sie jetzt für Dürren und persönlichen Einschränkungen. So recht ins Bewusstsein scheint dies noch nicht gedrungen zu sein, die Menschen verbinden nach wie vor die Sonne strahlender Zukunft, wie die Hemden der FDJ aus der DDR zeigen, oder das Signet der SVP in der Schweiz, was deutlich jünger ist. Wenn sich der FCB mit zwei Meisterschaftsternen schmückt, die deutsche Fußballnationalmannschaft seit 2014 vier Sterne auf der Brust tragen darf, dann spiegelt sich hier der Glanz der Sterne.

Despoten, auch andere Politiker, sonnen sich gerne in der Symbolkraft der Himmelskörper. Die Auswahl an Konsumartikeln, die auf die Kraft und den Glanz des Himmels setzen, ist minimal, sie öffnet die Augen für die Ikonographie bei Alltagsdingen. Und für die Kinder gibt es wieder besondere Stationen immer in deren Höhe unter demselben Zeichen können Kinder vieles über Sonne, Mond und Sterne lernen.

Museum der Kulturen: Di bis So 10 bis 17 Uhr, Basel, Münsterplatz 20

Weitere Infos und zusätzliche Veranstaltungen unter: http://www.mkb.ch

Autor: Martina David Wenk