Ein Wurzelgeflecht zur Performance-Kunst

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 22. Februar 2018

Ausstellungen

Srinagar Biennale Basel baut Brücken zwischen Performance-Kunst aus der Schweiz und Indien / Haus für elektronische Künste als Knoten.

Wer etwas auf dem Markt platzieren will, sprich verkaufen, braucht griffige Formulierungen. Das gilt auch im Kulturbetrieb – zumal wenn es um Premieren geht wie die Srinagar Biennale Basel, ein Ableger der Srinagar Biennale international. Diese setzt sich global mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen auseinander und versteht sich "als ein Zeit und Raum übergreifender rhizomatischer Prozess mit 19 Knotenpunkten in verschiedenen Städten und Ländern", heißt es in einer Mitteilung. Rhizom ist eigentlich ein Begriff aus der Botanik und bezeichnet wurzelartige Geflechte, die an den Spitzen weiterwachsen – Spargel etwa. In Philosophie und Kulturwissenschaft sind vor allem die französischen Poststrukturalisten um Gilles Deleuze und Félix Guattari mit dem Begriff verbunden. Das Duo etablierte ihn in den 70er-Jahren als Sinnbild eines modernen Modells von Welterklärung und Wissensvermittlung.

Die Basler Spitze dieses Wurzelgeflechtes, die unter anderem von der Christoph Merian Stiftung gefördert wird, steht im März und im April im Zeichen von Performancekunst. Der von Janine Schmutz und Pravez Iman kuratierte Beitrag basiert auf einer intensiven Zusammenarbeit von acht Performance-Künstlern und -Künstlerinnen aus der Schweiz und Indien. Sie wurden durch zwei Komitees in der Schweiz und in Indien ausgewählt. Alle acht repräsentieren eine Vielzahl künstlerischer Möglichkeiten und Stile und sind aufgefordert, mit minimalem Material oder dem Körper zu arbeiten. Im Schweizer Part beteiligt sich unter anderem die in Reinach und Basel lebende Irene Maag (Jahrgang 1972); in der Region war zuletzt ihre Performance "Grenzgang", eine Plastik aus Pressballen und Putzlappen zu sehen, und zwar 2017 in der Gruppenausstellung "How to blur lines" im Kraftwerk Augst. Weitere Teilnehmer sind die in Zürich lebende Künstlerin und Tänzerin Dorothea Rust (Jahrgang 1955) sowie Pascal Lampert (Jahrgang 1972) und Lilian Frei (Jahrgang 1968). Die Beiträge der indischen Seite stammen von den in Delhi arbeitenden Inder Salim (Jahrgang 1958) und Manmeet Devgun (Jahrgang 1974), von Anupam Saikia (Jahrgang 1987) und dem zwischen Berlin und Kochi pendelnden Sajan Mani (Jahrgang 1982).

Das Basler Rhizom mündet konkret in zwei Spitzen, Früchte oder Episoden, wie es die Organisatoren nennen. Die Erste erkundet von Mitte März an den virtuellen Raum als Performance Plattform. Sie zeigt Performances, die simultan im Haus der elektronischen Künste (Hek) in Basel und im Swissnex in Bangalore stattfinden und digital übertragen werden. Die zweite Episode Anfang April bringt die Beteiligten real und leibhaftig nach Basel und mündet in ein Performance Arts Festival sowie ein Programm im Ausstellungsraum Klingental. Dazu gibt es Workshops, Podiumsdiskussionen – unter anderem mit Muda Mathis von der Frauenband La Reine Procheine oder der Co-Leiterin der Basler Kulturabteilung Katrin Grögel –, Fachbeiträge und eine Ausstellung mit Video- und Multimediaarbeiten unter anderem von Fazil NC und Shawn Sebastian. Die Podiumsdiskussionen fokussieren thematisch auf das Potenzial der Performancekünste und ihrer Relevanz in der heutigen Kunstszene.

Srinagar Biennale Basel: März und April diverse Schauplätze mit dem Haus für elektronische Künste als Knotenpunkt. Performance Arts Festival im öffentlichen Raum (12. April), Programm im Ausstellungsraum Klingental Basel (12. bis 15. April).

Details und weitere Informationen zum Programm finden sich auch unter: http://www.srinagarbiennalebasel.org