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03. Juni 2009

Figur mit Glasstirn

Johannes von Stumms Skulpturen in der Freiburger Stiftung für Konkrete Kunst

  1. Glas, Bronze, Muschelkalk und Edelstahl: „Prow“, 2009 Foto: schmeling

Was passiert, wenn Glas auf Stahl oder Stein trifft? Es könnte Scherben geben. Anders verhält sich das bei den Skulpturen von Johannes von Stumm, dem die Freiburger Stiftung für Konkrete Kunst, Roland Phleps, derzeit eine Einzelausstellung widmet. Der in England lebende Künstler, der kürzlich zum Präsidenten der Royal British Society of Sculptors gewählt wurde, hat in seiner Geburtsstadt München Bildhauerei studiert. Erst später lernte er die Technik der Heißglasbearbeitung und des Glasblasens. In seinen Objekten verbindet er Elemente aus Glas mit anderen aus Holz, Stein oder Metall. Oft sind diese Elemente wie die Teile eines Puzzles zusammengefügt. So entstehen segmentierte Radformen, Stelen und andere stereometrische Figuren. Das Glas nimmt dabei eine spannungsvolle Mittlerstellung zwischen luzidem Leerraum und gleißendem Verbindungselement ein. Von ihm können sich die opaken Materialen kontrastreich absetzen, ihre eigene Materialität stärker entfalten oder in Konkurrenz zur reflektierenden Oberfläche treten.

In "Two Columns" von 2006 werden zwei Granitstelen, die sich jeweils etwa auf der Grundfläche eines Pflastersteins erheben, vertikal durch zwei organisch rundlich geformte Glaselemente durchbrochen. Fast schwebend erscheinen die oberen Teile der beiden Steinpfeiler, ihre Statik ist außer Kraft gesetzt. Behält das ungeschliffene Glas in dieser Art von Skulptur seine bis ins Wässrige gehende optische Präsenz, so ist es die vollkommene Leerform, die in Skulpturen wie "Contemplation II (big Buddha)" von 2003 zum Tragen kommt. Hier konstituiert die Skulptur die gänzlich ausgesparte Innenform, die symbolhaft abstrakt einen in sich verschränkt sitzenden menschlichen Körper zeigt.

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"Prow" beispielsweise, eine Plastik von 2009, gemahnt an einen Bug von Wikingerschiffen. Das Kopfstück der mannshohen Plastik besitzt die Umrisse eines Quadrates mit konkav verformten Seiten. Hier gruppieren sich um eine runde Aussparung zu vier fast gleichen Teilen unterschiedliche Stofflichkeiten: Heller poröser Muschelkalk tritt in Kontrast zu dunkler massiver Bronze; kühler changierend polierter Edelstahl findet seine glanzvolle Entsprechung in der Glasstirn der Plastik, die wie ein reines zugleich auch eisiges Spitzlicht wirkt.

Es ist die "ureigene kunsthandwerkliche Qualität, die Verbindung zwischen Skulptur und Design, Architektur und Handwerk, die zusammen derartige Kunstwerke entstehen lassen", beschreibt der Galerist Robert Bowman von Stumms Werk. Und gerade für ihre formvollendete Perfektion und Reinheit, die die Sinne bannt, werden diese Arbeiten bewundert, beneidet – oder verdammt.


– Stiftung für Konkrete Kunst, Pochgasse 73, Freiburg. Bis 28. Juni, Sonntag 11.30–13.30 Uhr.  

Autor: Sören Schmeling