Der Archäologische Museum Colombischlössle

Freiburger Museum feiert Geburtstag

Volker Bauermeister

Von Volker Bauermeister

Do, 27. November 2008 um 17:57 Uhr

Ausstellungen

Das Colombischlössle illustriert Geschichte von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Seit genau 25 Jahren ist das Freiburger Archäologische Museum nun in der neugotischen Villa, dem "Schlössle". Und nie stand es so unangefochten da wie heute.

28. November 1983. Lothar Späth war nach Freiburg gekommen. Heute vor 25 Jahren eröffnete der Ministerpräsident im Colombischlössle ein Museum. Dieses Freiburger Museum für Ur- und Frühgeschichte war schließlich nicht nur eine Veranstaltung von kommunalem Belang. Ein Schaufenster der Archäologie für den ganzen Regierungsbezirk. Und ohne die Leihgaben des Landes so auch gar nicht denkbar. Fast als ein "südbadisches Landesmuseum" sieht es die heutige Leiterin, Helena Pastor.

Die feingliedrige Villa, die sich die Gräfin Colombi Mitte des 19. Jahrhunderts als Witwensitz hatte hinstellen lassen, war schon einmal Museum gewesen: städtische Altertümersammlung – vor der Eröffnung des Augustinermuseums. 1983 dann – das Haus war unterdessen badische Staatskanzlei und Sitz des Oberlandesgerichts gewesen – zog das Museum ein, das mit der Einrichtung des Völkerkundemuseums 1961 im Adelhauser Kloster seinen Platz verloren hatte. Freiburger Museumsschicksale. Heute ist die Völkerkunde nun wiederum "eingelagert" – während das Museum für Ur- und Frühgeschichte unter dem neuen, schöneren Namen Archäologisches Museum Colombischlössle (arco), der es auch fest mit dem Haus verknüpft, seinen 25. Geburtstag feiert.

Das erste Jubiläum unter wolkenlosem Himmel

An Dramatik waren diese Jahre nicht arm. Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach erinnert sich an "Schließungsdebatten wie aus dem Nichts". Mehrfach schien das Museum im Colombischlössle vor dem Aus zu stehen. Es ist heute das erste kleine Jubiläum, das man unter wolkenlosem Himmel feiert. "Man kann sagen: Das Museum ist gesichert", so Kirchbach. Hilde Hiller, als Direktorin Nachfolgerin von Gerd Biegel, der das Museum im Schlössle eingerichtet hatte und Freiburg 1986 verließ, musste bis zu ihrem Dienstschluss Ende 2004 nicht weniger als fünf Debatten um Sein oder Nichtsein durchstehen. Beim letzten runden Geburtstag vor fünf Jahren mochte für einen Fortbestand des Museums im Colombischlössle niemand die Hand ins Feuer legen. Von einem externen Gutachten erhoffte sich die Stadt eine Leitlinie für eine "Neuordnung" seiner Museen. Das Gutachten lag dann im Herbst 2005 vor – und brachte dem Museum nach dem ganzen Hin und Her das endlich erlösende Zeugnis : "sollte bestehen bleiben".

Dass das Museum "hervorragend in das Gebäude" passe, resümiert der Kulturbürgermeister heute. Hilde Hiller hatte die Schausammlung in ihrem neugotischen Palais ja auch auf einen ansehnlichen, in weiten Teilen zeitgemäßen Stand gebracht. Bei allen Attacken aus dem Rathaus hatte sie Überlebenswillen gezeigt. Und viele Neufunde und neue wissenschaftliche Einsichten machten die Revision der Schausammlung, wenn man denn an eine Zukunft des Hauses trotz allem denken wollte, geradezu zwingend. Auch war eine museumsdidaktische Aufarbeitung vonnöten. 1995 wurden die umgestalteten Abteilungen Stein- und Bronzezeit eröffnet. 1997 folgte die Sektion Eisenzeit, Zeit der Kelten, mit gewichtigen Neufundkomplexen. 2000 schloss sich die "Alamannenschatzkammer" im Tiefgeschoss an. Schließlich, 2002, konnte Hilde Hiller das vorgezogene Schlussstück "Frühes Mittelalter" eröffnen – knapp vor der letzten Schließungdebatte.

Ihre Nachfolgerin, Helena Pastor, betrachtet ihre bisherigen Museumsjahre hier in Freiburg nun rundweg als erfolgreich. Die Stellung des Hauses in der Stadt sieht sie gestärkt. Sie hat, wie sie sagt, "besucherfreundlich" agiert, gute Besucherzahlen geschrieben, je etwa 20 000 in den letzten beiden Jahren. An Ausstellungen wie "Zurück in die Steinzeit" fanden viele "Erstbesucher", Familien, junge Leute Gefallen. Nun will Helena Pastor den letzten, in den langen Leidensjahren liegen gebliebenen Sanierungsabschnitt der Sammlung angehen. Die drei betreffenden Räume sind schon zwecks Umbau geschlossen.

Im Freiburger Handlungskonzept "Kulturelles Erbe" ist die Umsetzung der Neukonzeption der Römerabteilung in der Rubrik "Haushaltsrelevante Maßnahmen" für 2009/2010 aufgeführt. 80 000 Euro sollen dafür vonseiten der Stadt zur Verfügung stehen, ein weiteres Drittel der Bausumme muss das Museum allerdings mit Sponsorenhilfe selbst aufbringen. Leicht wird das nicht, das weiß die Direktorin. Aber das raubt ihr den Optimismus nicht. Im Oktober 2009 soll Eröffnung sein. "Mit Volldampf" soll es vorangehen: So klingt ein Kulturbürgermeister, der am Gelingen nicht zweifelt.

Sperrangelweit geöffnet ist die Tür

Längst ausgearbeitet sind natürlich die Pläne. Keine bloße Objektschau wird da entstehen: eine Themenschau vielmehr, die für den Besucher spannende und nicht schon vielfach museal abgehandelte Aspekte der römischen Kultur aufgreift. Ein Kapitel ist der Technologie im römischen Altertum gewidmet, eines den sozialen Unterschieden, dem Nebeneinander von Reichtum und Armut im Alten Rom. Ein regionaler Aspekt ist die Frühzeit der römischen Eroberung, mit den Funden aus dem Lager Dangstetten, wo Varus mit seiner Legion stationiert war, bevor er in den Norden versetzt wurde und die nach ihm benannte Schlacht verlor. Was sie unter zeitgemäßer Vermittlungsarbeit versteht, will Helena Pastor auch am heutigen Jubiläumstag zeigen. Mit Museumstheater ("Die Keltenfürstin erzählt") und griechisch-römischer Modenschau. Geöffnet ist die Tür, wie in Gerd Biegels ehrgeiziger Anfangszeit, sperrangelweit von 9 bis 19 Uhr.