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20. September 2014

Nüchternheit und Eleganz

Ein poetisch geometrischer "Triolog", inszeniert in der Freiburger Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps.

Ein superbes Geschenk für den Künstler, Stifter und Kunstenthusiasten Roland Phleps nachträglich zum 90. Geburtstag. Antje Lechleiter hat in seiner Ausstellungshalle einen beschwingt poetischen "Triolog" dreier Freunde inszeniert, die auf sehr unterschiedliche, durchweg überzeugende Weise das komplexe Thema "Licht und raumgreifende Geometrie" variieren.

Der Tiroler Hellmut Bruch, ein erklärter Bewunderer des mittelalterlichen Mathematikers Leonardo Fibonacci und dessen dem Goldenen Schnitt huldigenden Zahlenreihen, lässt eine Edelstahlschlange in den formschönen Oberlichtraum wachsen. Eine elegante Schleife – eine gesprengte Kreisbahn: Dann läuft sie ruhig aus, so einfach wie wirkungsvoll. Der Bogenschwung scheint im metallischen Kreissegment auf dem blauen Quadrat zitiert, das Maßverhältnis entspricht den Längen der gestuften Rechteckplatten daneben. Spektakulärer gestalten sich – schon materialbedingt – die in fluoreszierendes Acrylglas gefrästen Figuren und Lineaturen oben auf der Galerie, die gleichfalls dem "natürlichen" Schönheitssinn entsprechen – und für den Künstler auf Unendlichkeit und Transzendenz verweisen.

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Solch einfaches Raffinement

Lichtfänger sind auch die blütengelben Wandplastiken des Ungarn István Haász: auf einer Fläche gegeneinander versetzte Pseudo-Kuben, die zwangsläufig architektonische Assoziationen wecken. Noch delikater in ihrer Stille und Verhaltenheit, die Pastelle auf der Galerie: kleehafte Farbraster mit Dreiecksschwellen, grau-schwarze Kompositionen, als geriete Malewitschs Schwarzes Quadrat in Verschiebung. Dazu die unterschiedliche Textur der mit dem Pinsel fein aufgelegten Farbflächen. Hier malt bei aller Strenge tiefes Gefühl. Die größte Freude aber bereiteten dem Schreiber die kinetischen Kunststücke und das einfache Raffinement der Faltobjekte des Österreichers Gerhard Frömel. Der Künstler, der sich den Nichtfarben Schwarz und Weiß verpflichtet weiß, macht auf elegante Weise den Betrachter zum Mitschöpfer: Eine winzige Wendung des Kopfes und die auf unterschiedlichen Raumebenen fixierte Figur verändert ihre Erscheinung: Flächen verschieben sich gegeneinander, eine Linie findet ihre Fortsetzung auf der Wand hinter der Skulptur, ein Dahinter des Bildes klappt auf oder das Auge ersetzt vermeintlich Fehlendes. Ein prinzipientreu poetisches Spiel mit Licht, Raum und Geometrie – oft gegen die Erwartung des Betrachters. Aufs Selbstverständlichste vereint: Nüchternheit, Eleganz und Lebendigkeit!
– Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 73, Freiburg-Zähringen. Bis 26. Okt., So 11–13.30 Uhr. Und nach Vereinbarung: Tel. 0761/5 41 21.

Autor: Stefan Tolksdorf