Ausstellung

Roland Phleps zeigt in seiner Freiburger Stiftung für konkrete Kunst Stahlskulpturen und -reliefe

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 24. November 2017

Ausstellungen

Als „Spielmaterial“ hat der Freiburger Stahlplastiker Roland Phleps den von ihm ausschließlich verwendeten Werkstoff einmal bezeichnet.

Die überraschende Äußerung lässt an einleitende Verse zu einer Gedichtsammlung von Conrad Ferdinand Meyer denken: "In diesen Liedern suche du / Nach keinem ernsten Ziel! / Ein wenig Schmerz, ein wenig Lust, / Und alles war ein Spiel." Als emblematische Umschreibung für das menschliche Dasein formuliert die Strophe zugleich eine gelöste, spielerische Einstellung zum Leben, wie man sie Phleps getrost unterstellen darf.

Auch deshalb ist die Strophe am Platz, weil Phleps von mehr als einer Muse geküsst ist und neben der Kunst einen starken Bezug zur Musik und Dichtkunst hat. So war die Vernissage seiner Ausstellung in der Halle der Stiftung für konkrete Kunst Roland Phleps in Freiburg-Zähringen verbunden mit einem Matineekonzert: Der Emmendinger Klarinettist Nicola Miorada und seine Söhne Manuel und David spielten Transkriptionen verschiedener Kompositionen für sein Instrument, darunter ein Stück von Béla Bartók. Der Hausherr selbst, 1924 in Siebenbürgen geboren und dort aufgewachsen, trug in eigener Übersetzung die rumänische Ballade "Mioritza" vor. Ein tieftrauriges und gleichzeitig tröstlich-heiteres Poem, weil es den Tod ins Bild des Aufgehens in die Natur und ins All fasst.

Und nicht zuletzt passt die Gedichtstrophe auch, weil wie in C. F. Meyers Verszeilen der Ernst des Lebens mit dem Spiel sich in Roland Phleps’ Kunst die Schwere des Materials mit Leichtigkeit und Heiterkeit verbindet. "Pas de deux" sind verschiedene seiner abstrakt-konkreten Bildungen in Stahl betitelt. Eine der jetzt ausgestellten "Kreis- und Kugelvariationen" (dies der schlichte Titel der Schau) ist so ein Neben- und Miteinander zweier geschlitzter, im tänzerischen Ausfallschritt harmonierender Kreisscheiben.

Eine andere Stahlskulptur hat Phleps nach Terpsichore, der griechischen Muse des Tanzes, benannt. Tänzerische Bewegtheit lässt sich vielen seiner Werke zuschreiben – nicht zuletzt den Arbeiten einer Serie von Stahlreliefs: Kompositionen aus je drei Kreisbögen von identischer Größe auf quadratischem Grund. Einige davon evozieren Marcel Duchamps Auffächerung von Bewegung ins Räumliche in dem berühmten "Akt, eine Treppe herabsteigend".

Ausdrucksstarke Bewegtheit kennzeichnet auch drei Skulpturen aus Kreisbögen, von denen die ersten beiden in der vertikalen Ausrichtung an Paartanz denken lassen, die letzte, wollte man ein figürliches Pendant bemühen, an Breakdance. Die gleiche Skulptur in vergrößertem Maßstab an der Stirnseite der Halle – ein in dieser Maßstäblichkeit wie in seiner Ausdruckskraft herausragendes Werk – wird nach der Ausstellung auf dem Gelände der Technischen Universität Dresden ihre Stätte finden. Eine Serie von ins Räumliche verformten Kreisscheiben und Kreisringe hat wie eine Serie von Kugelformen aus sinuskurvenförmigen Elementen etwas von floraler statischer Anmut. In dem Standmobile am Ende des Parcours gewinnt die formale Bewegtheit der Skulpturen buchstäblichen Sinn.

Stiftung für konkrete Kunst, Pochgasse 73, Freiburg. Bis 4. März, So 11–13.30 Uhr.