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05. Januar 2011

Rostfreie Liebe zur Geometrie

Roland Phleps’ Stahlskulpturen in der Stiftung für Konkrete Kunst: Werkschau 2010.

Immer wieder erstaunlich, dieser Elan, diese nie erlahmende Erfinderlust, mit der Roland Phleps nach drei Jahrzehnten nervenärztlicher Praxis seinem lang aufgeschobenen Jugendtraum nachgeht. Nicht nur hat er seinem Wohnort Freiburg-Zähringen 1998 ein formidables Stück Architektur geschenkt und in seiner Stiftung für Konkrete Kunst binnen einer Dekade dutzende Ausstellungen meist interessanter Künstler präsentiert – mit 86 Jahren ist auch seine eigene Schaffenskraft noch ganz und gar ungebrochen.

Nun zeigt der Junggebliebene wieder neueste Werke: stereometrische Stahlblechskulpturen aus den letzten zwölf Monaten, darunter Sinuskurven und Ellipsenbogen- und Kreisbogen-Segmente in teilweise raffinierter Kombination. Kleine, meist drehbare Objekte demonstrieren auf der umlaufenden Empore eine maximale Variationsbreite, spiralig geschnittene Stelen von nicht geringer Höhe scheinen wie für das lichte Raumgeviert geschaffen.

Sorgfältig schneidet der Stahlbildner seine Gestaltideen aus leicht biegbaren Alu-Bögen; ihre Umsetzung delegiert er dann an eine mit Computer-Laserschneidern und Spezialschweißgeräten ausgestattete Firma. Der Künstler als Formschöpfer, Planer und Konstrukteur. Perfekt in der Ausführung und von größtmöglicher Anmut wünscht sich Roland Phleps seine Skulpturen, von denen einige wie windbewegte Flügel oder Blütenblätter wirken. Sein entscheidendes Kriterium ist formale Einfachheit, was bedeutet: Gleich mit dem ersten optischen Zugriff müssen sie zu erfassen sein: "klar, rein" und frei von jeglicher Interpretation. Ein "Wechselspiel von Harmonie, Spannung, Kraft und Anmut". Hiervon sprechen auch die meisten der jüngsten Arbeiten: schlanke, gegenläufig gebogene Ellipsen mit zylindrischer Rundung, um ihre Achse rotierende Tetraeder und Oktaeder, in "chaotischer Bewegung" wippende Spiralreifen, konkave und konvexe Flächen im rhythmischen Wechselspiel, darunter sogar eine plastische Augentäuschung.

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Mattglänzende Leichtmetallflächen in harmonische, beinahe tänzerische Bewegung zu versetzen – dieser Wunsch nach Schönheit und Dynamik zeugt von einem beweglichen Geist. Geometrisches Kalkül, größtmögliche Neugier und eine kindliche Freude am schöpferischen Spiel wohnen bei Roland Phleps nahe beieinander. Er ist einer, der es versteht, sich Freude zu bereiten.
– Stiftung für Konkrete Kunst, Pochgasse 73, Freiburg. Die Ausstellung ist bis zum 13. März zu sehen. Einlass auf telefonische Anfrage: Tel. 0761/54121.

Autor: Stefan Tolksdorf