Tierhorn und Doppel-Helix

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Mi, 23. Dezember 2015

Ausstellungen

Die Stiftung für konkrete Kunst in Freiburg zeigt Werke von Roland Phleps.

Manchmal bedarf es des Beistands von Kollegen. Einem Schweizer Künstler schickte Stahlplastiker Roland Phleps das Foto einer hüfthohen Stele, bei der sich zwei vertikale Elemente aus geknickten und aneinander gefügten Rechtecken spiralförmig in die Höhe schrauben. Der Eidgenosse antwortete, diese Arbeit stelle er sich drei Meter hoch vor – für Phleps ein willkommenes und unschlagbares Argument gegenüber seiner Frau, die ihn gern der Gigantomanie zeiht.

Jetzt erhebt sich das Werk in doppelter Ausfertigung – in der kleinen wie der großen Variante – gleich am Beginn der Ausstellung mit neuen Arbeiten Phleps’ in der Skulpturenhalle in Zähringen. Die eingangs gegebene Beschreibung ist insofern nicht ganz korrekt, als sich die Rechtecke in dem Werk nicht aneinanderfügen. Die beiden in die Höhe strebenden Elemente werden vielmehr jeweils aus einem einzigen, schmalen Rechteck gebildet. Das wurde vom einen zum anderen Ende fortlaufend sechs Mal diagonal im rechten Winkel geknickt, so dass aus der flächigen Stahlplatte zuletzt ein räumlicher Körper entstand: eine Art Spirale, die eine Drehung um 360 Grad vollzieht. In der Doppelung zu zwei Spiralen ist das Werk eine Hommage an Crick und Watson, die Entdecker der Doppel-Helix-Struktur der DNA.

Das Werk ist exemplarisch für die ausgestellten Arbeiten der jüngeren Zeit. Durch Knicken und Falten sowie Wölben, auch durch Summierung von Elementen erobern Flächenformen den Raum. Als konkreter Künstler versucht Phleps die Strenge der Geometrie – seine Bausteine sind Rechteck und Quadrat, Kreis und Kugel – durch spielerische Leichtigkeit, Anmut und Schönheit der Form aufzulockern. Das gelingt nicht nur in der erwähnten Arbeit, sondern auch in zwei "Windrädern", die auf Stahlstangen über Kopf die Segel aus gewölbten Quadraten hissen, besonders schön aber in einem Calder’schen Mobile aus spitz zulaufenden gleichschenkligen Dreiecken.

Auf der Galerie finden die Raumerkundungen mittels geometrischer Grundformen ihre Fortsetzung. Aus diagonal geknickten und aneinander gesetzten Rechtecken entsteht ein Gebilde, dessen Silhouette an einen Davidstern erinnert, aus der Kombination von Rechtecken in einer Ebene Figuren des Tänzerischen oder traulicher Zuwendung. Aufgeschnittene Zylinderkorpusse verlassen durch Ausbiegungen die Röhrenform; aufgeschnittene Dreiecke werden plastisch und erobern den Raum. Gänzlich neuartig ist eine Folge geschlossener Skulpturen: angeschnittene Kugeln sowie Tetraeder aus gebogenen Flächen, die zwischen Tierhorn und Schiffsbug changieren.

Stiftung für konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 71-73, Freiburg. Bis 6.3., geöffnet nach Vereinbarung, Tel. 0761-54121.