BZ-Interview

Was bringt das Überholverbot an den A 5-Baustellen?

jja

Von jja

Do, 08. März 2012 um 19:48 Uhr

Südwest

Tempolimit, Überholverbot, versetztes Fahren: An den A 5-Baustellen zwischen Offenburg und Baden-Baden geht es oft quälend langsam voran. Mit Renate Meier-Kleisle vom Regierungspräsidium sprach Julia Jacob über Fahrerfrust und dicke Autos.

BZ: Frau Meier-Kleisle, im Baustellenbereich der A 5 gilt Überholverbot. Was aber, wenn es rechts schneller läuft als links?

Meier-Kleisle: Auch wenn es auf der linken Spur nur langsam vorwärts geht, dürfen Autofahrer nicht rechts vorbeiziehen. Maßgeblich ist der allgemeine Verkehrsfluss, der sich am Tempolimit orientiert. Im Zweifelsfall müssen sich die Fahrer auf der rechten Spur zurückfallen lassen.

BZ: Mit Tempo 60 durch die Baustelle, das empfindet mancher als Zumutung und wird nervös. Steigert das Überholverbot nicht die Gefahr von Auffahrunfällen?

Meier-Kleisle: Eine Steigerung von Auffahrunfällen sehen wir nicht. In der Regel ist unser Problem eher, dass zu schnell gefahren wird. Eingerichtet haben wir das Überholverbot, weil wir nicht wollen, dass zwei Fahrzeuge aneinander vorbeifahren müssen. Die Fahrspuren sind stellenweise so eng, dass eine Menge Streifunfälle aufgetreten sind. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Autos immer breiter werden. Allerdings: Die Unfallfolgen sind meist nicht dramatisch, sondern das, was dem Unfall folgt, nämlich der Rückstau. Da kann es dann auch zu Auffahrunfällen kommen.

BZ: Wie hat sich die Unfallstatistik entwickelt, seit sie versuchsweise das versetzte Fahren eingeführt haben?

Meier-Kleisle: Zunächst haben sich die Leute kaum an die Vorgabe gehalten, folglich sind auch die Unfallzahlen im ersten Monat nach der Einführung Mitte Dezember nicht zurückgegangen. Deshalb haben wir unsere Beschilderung kritisch überprüft und entzerrt, mit dem Ziel, es den Verkehrsteilnehmern in dieser komplexen Verkehrssituation leichter zu machen. Außerdem haben wir den Kontrolldruck systematisch erhöht. Das wird offenbar wahrgenommen, denn die Unfälle gehen seither zurück. Daraus zu schließen, dass das System funktioniert, wäre jedoch unlauter. Dafür braucht es einen weitaus längeren Beobachtungszeitraum.

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