Ein Projekt für die Inklusion

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Do, 01. März 2018

Bad Bellingen

In Bamlach soll eine neue Wohnanlage das Marienheim ersetzen und behinderte sowie nichtbehinderte Menschen zusammenbringen.

BAD BELLINGEN-BAMLACH. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen: Wohnraum schaffen für behinderte und nicht behinderte Menschen und damit vor Ort die Inklusion realisieren. Das ist das Bestreben bei der Umsetzung der Pläne für den Bau des neuen Marienheims in Bamlach. Abgesprochen sind die Pläne mit dem Sankt Josefshaus Herten, dem Träger des Marienheims, einer Einrichtung für behinderte Menschen. Vorgestellt wurden die Pläne, die 2016 bei einem Architektenwettbewerb Gestalt annahmen, jetzt im Gemeinderat.

Die jetzige Version des neuen Marienheims in Bamlach wurde von einer Jury ausgewählt. Die Art der Bebauung wurde an die Topographie angepasst. In zwei Schritten sollen ein großes L-förmiges Wohnheim und vier Einzelgebäude auf der Grünfläche oberhalb der jetzigen Behindertenwerkstatt entstehen. Das alte Marienheim aus dem Jahr 1978 wird nach der Inbetriebnahme der Neubauten zurückgebaut, das Weingut bleibt am alten Standort und wird mit einer Satteldachkonstruktion überbaut, informierte Andreas Eckhardt von der P.B. Planen und Bauen Projektentwicklungsgesellschaft aus Karlsruhe.

Bei den Neubauplänen wurde Wert darauf gelegt, ein inklusives und barrierefreies Wohnkonzept zu entwickeln, das die Zielgruppe "Menschen mit Behinderung, Senioren, Menschen mit behinderten Familienmitgliedern und auch sonst Menschen anspricht, die sich ein inklusives Zusammenleben vorstellen können", so Christoph Dürdoth vom Sankt Josefshaus. Die Erschließungsplanung stammt vom Büro Bölk aus Neuenburg.

Sinan Bingöl aus dem Architektenteam der Firma Kubus 360 präsentierte die Pläne. Die verschiedenen Hausansichten wurden den Gemeinderäten in einer Powerpoint-Präsentation gezeigt. Daraus war auch zu ersehen, dass zwischen den Häusern ein zentraler, begrünter Platz geschaffen wird. Für 88 Menschen sollen neue Wohnungen entstehen. Losgehen soll es bereits im März 2018 mit Haus eins, dem L-förmigen großen Gebäude. Fertiggestellt sein soll es im April 2019. Darin sind im Erdgeschoss Räumlichkeiten für zwei Achter-Wohngruppen und Mitarbeiter vorgesehen. Im OG entstehen zehn barrierefreie Wohnungen und eine Dachterrasse. Vorab hatten die Planer ergründet, welche Wohnungen am meisten gefragt sind. Hier ergab sich, dass dies für Einzelpersonen und Paare 2,5 und für Familien 4,5 Zimmer sind.

Insgesamt sind 71 Stellplätze geplant. Zusätzlich ist vorgesehen, E-Tanksäulen einzurichten, um die zunehmende Elektromobilität zu fördern. "Wir werden dazu eine zusätzliche Trafostation errichten", so Andreas Eckhardt. Die Häuser erfüllen alle einen energietechnisch modernen Standard, und zentral ist eine Pelletheizung vorgesehen. Auf den Dachflächen werden Photovoltaikmodule angebracht, die der Eigenstromversorgung dienen. Die Bauarbeiten für die Häuser zwei bis fünf werden im Januar des Jahres 2019 starten, das Ende der Bauzeit ist für Mai 2020 geplant. Die Zufahrt zum Haus eins erfolgt über den Probsteiweg, für die Häuser zwei bis fünf ist eine Stichstraße zwischen Werkstatt und der neuen Bebauung geplant.

Die Gemeinderäte zeigten sich angetan davon, Wohnmöglichkeiten für Behinderte und Nichtbehinderte anzubieten. Dieses Konzept ist neu in Bad Bellingen. Gefragt wurde nach den Zufahrtmöglichkeiten für die Feuerwehr und nach dem Brandschutz. "Wir haben dazu bereits die Details mit der Feuerwehr Bad Bellingen aufgenommen", versicherte Dürdoth. Wolfgang Müller (FW) machte auf das Problem einer vermehrten Feinstaubbelastung durch die Pelletheizung aufmerksam. Man sei auch Luftkurort und müsse jetzt schon nachweisen, dass die Feinstaubbelastung nicht ansteige, sagte er und regte das Nachdenken über Solarthermie an. "Die Dachflächen sind auf Photovolatik ausgelegt. Leider ist da kein Platz mehr für Solarthermie", so Eckhardt.

Müller, Doris Heitz (CDU) und Silvia Heitz (SPD) fragten zudem nach, wie angesichts der massiven Überbauung in Hanglage die Situation bei Starkregen für die Bebauung unterhalb des Marienheims aussehen werde. Hauptamtsleiter Hubert Maier gab weiter, dass der Kanal ausreicht, um größere Abflussmengen aufzunehmen; zusätzlich gebe es Zisternen. Die Zisternen an den neuen Gebäuden erschienen Müller und Silvia Heitz vom Volumen mit neun Kubikmetern her zu klein. Eckhardt versprach daraufhin, dass man sich des Themas noch einmal annehmen wolle.