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27. November 2014

Faszination für das präzise Ticken

In Bad Bellingen hat sich ein Stammtisch für Uhrensammler gebildet / Hoffnung auf Nachwuchs für das ausgefallene Hobby.

  1. Uhrensammlerstammtisch Bad Bellingen Foto: Jutta Schütz

BAD BELLINGEN. "Die Uhr nicht zurückdrehen können." "Wir sind rund um die Uhr für Sie da." "Auf dem Land ticken die Uhren anders." Allerlei Redensarten und Werbesprüche drehen sich um Uhren. Sammler können auch davon ein Lied singen. Aber: Genau wie die Briefmarkensammler haben jene von wertvollen Uhren renommierter Hersteller ein Problem: Der Nachwuchs fehlt.

Das wollen Uhrensammler aus dem Markgräflerland und dem Breisgau nun mit einem Sammlerstammtisch, der in Bad Bellingen stattfindet, ändern. Angestoßen hat die Idee Peter Burkhardt aus Binzen. "Junge Leute kaufen modische Uhren. Was sie eventuell an tollen Uhren von ihren Großvätern oder Großmüttern geerbt haben, wird eher an Goldschmiede verkauft, die die Uhr einschmelzen und das Uhrwerk wegwerfen."

So ist die Erfahrung von Uhrmachermeister Manfred Bollacher in Bad Bellingen. Er ist der Fachmann in der Runde. Die anderen sind interessierte Sammler und haben sich schon einiges Fachwissen angeeignet, verstehen sich aber nicht als ausgewiesene Experten, wie Hubert Klar aus Waldkirch, der dort bei einem Uhrenstammtisch mitmacht. Klar ist Physiker und hat sich wegen seines Interesses an Technik schon früh für Uhren begeistert.

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Burkhardt kam eher durch Zufall zum Sammeln. Er hatte eine Uhr verkauft, deren Wert er nicht kannte – weit unter Preis. Im Nachhinein ärgerte er sich sehr darüber. Sein Fazit: "Von liedrigen Armbändern darf man sich nicht täuschen lassen". Man solle einen Blick auf das Fabrikat und vor allem das Uhrwerk werfen.

Bernhard Längin aus Hertingen sammelt Taschenuhren. "Das waren die Uhren unserer Großväter mit teils sehr schönen Gravuren und sehr guten Uhrwerken. Mir haben sie einfach immer gut gefallen", sagt er.

Taschenuhren, Armbanduhren, teils auch dazu gehörige Armbänder, Tischuhren, Wanduhren, Standuhren und Wecker – der Sammlerleidenschaft sind keine Grenzen gesetzt. Bei Armbanduhren bevorzugen die Sammler am Tisch Uhrwerke zum Aufziehen. Wobei es zweifellos auch sehr gute Automatik- und Quarzuhrwerke gibt. "Früher hat man auf Flohmärkten recht gute Schnäppchen gemacht, was Taschenuhren angeht – seit fünf Jahren etwa findet man dort weniger und nicht mehr die Qualität", berichtet Bernhard Längin. Der Kauf bei autorisierten Händlern oder im Internet ist ein Tipp für Sammler. "Da man die Uhr dann aber nicht selbst in der Hand hat, soll man auf die Bewertungen und auch auf das Rückgaberecht schauen", sind sich Klar und Burkhardt einig.

Keine gute Idee sei es, im Ausland Uhren zu kaufen, etwa im asiatischen Raum. "Gerade dort gibt es jede Menge Händler, die einem sogar auf der Straße für kleines Geld eine ,echte’ Rolex verkaufen wollen. Exponate aus China sind perfekt kopiert", berichtet Klar, der beruflich viel gereist ist. Hat man eine Uhr, die man verkaufen möchte, weil man sie für wertvoll hält, lohne es immer, Rat nicht nur von einem, sondern bei zwei oder drei Experten einzuholen, beispielsweise bei Uhrmachern, so Burkhardt.

"Zum Uhrenstammtisch kann man auch kommen, wenn man Fragen hat oder eine alte Uhr beurteilen lassen will", bietet Burkhardt an. Er bedauert, dass sich viele junge Menschen nicht mehr für von Handwerksmeistern gefertigte Uhren interessieren. "Wahrscheinlich gibt es noch mehr junge Männer, die auch mal eine sehr gute gebrauchte Uhr kaufen würden, Frauen haben dafür eher wenig Sinn – sie wollen Erstträgerinnen einer Uhr sein", hat er beobachtet. "Es sei denn, man bringt eine Damen-Cartier-Uhr aus einem Antiquitätenfundus mit", wirft Klar ein.

Übrigens: Der Stammtisch will auch Fahrten zu Uhrenmuseen oder -werken organisieren. Außerdem plant er Vorträge etwa zu bekannten Uhrherstellern, Uhrmachern aus dem Schwarzwald oder dem genialen Präzisionspendeluhren-Fabrikanten Sigmund Riefler.

Uhrenstammtisch: Der nächste findet am heutigen Donnerstag, 19 Uhr, im Markushof statt. Kontakt: Peter Burkhardt,
Tel. 0170/6006787

Autor: Jutta Schütz