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30. Oktober 2010
Thermen- und Straußenfans
Das sind die typischen Nutzer des Wohnmobilstellplatzes an der Balinea-Therme in Bad Bellingen.
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Karl-Heinz Berger und seine „Womo-Kollegen“ Ursula und Leo Lehner (von rechts) kommen aus der Schweiz. Der günstige Übernachtungspreis ist ein Grund, weshalb sie mit dem Wohnmobil regelmäßig den Platz an der Balinea-Therme ansteuern. Der Schein der Kurverwaltung belegt, dass sie bezahlt haben. Foto: Barbara Schmidt
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Vor Feiertagen und am Wochenende ist der Andrang groß. Dann reserviert die Kurverwaltung zusätzlich Autostellplätze für Wohnmobile. Foto: Barbara Schmidt
BAD BELLINGEN. In dem geräumigen Wohnmobil ist es gemütlich warm. Ursula Lehner hat eine Kerze auf den Tisch gestellt. Sie und ihr Mann Leo verbringen ein Wochenende in Bad Bellingen. Auch ihr Hund Sophus ist dabei. Das Ehepaar gehört zu den typischen Nutzern des Wohnmobilstellplatzes an der Balinea-Therme. Dass die Bade- und Kurverwaltung den Platz vergrößern will, hat im Gemeinderat zu Diskussionen geführt. Für die BZ ein Anlass, sich den Platz und seine Nutzer einmal näher anzuschauen.
Ursula und Leo Lehner kommen aus der Schweiz, genauer aus Oberglatt, ein Dorf am Flughafen Zürich-Kloten. Sie haben dort eine Hausmeisterfirma, stehen aber kurz vor der Rente. An den Wochenenden nehmen sie sich jetzt schon gerne eine Auszeit. Sie suchen sich dann aus ihrem Wohnmobilreiseatlas einen schönen Zielort heraus und fahren dorthin. Mehrmals im Jahr ist Bad Bellingen das Ziel. Der Stellplatz an der Therme sei einfach schön gelegen, für Wohnmobile über acht Meter geeignet und mit einem Strom- und Wasseranschluss ausgestattet, begründen Lehners ihre Wahl. Zudem könnten sie dort auch ihr Abwasser entsorgen. "Und der Preis stimmt", sagt Leo Lehner.Werbung
Acht Euro je Nacht und Wohnmobil zahlen die Gäste, zuzüglich Kurtaxe (pro Person) und ein Euro Stromgeld je Übernachtung. Der günstige Preis ist auch für andere Wohnmobilisten der Grund, weshalb sie den Thermen-Stellplatz dem nahe gelegenen Campingplatz vorziehen. Der Campingplatz in Bamlach sei "fast dreimal so teuer", sagt Peter Hauser und kennt auch den Grund: Der Campingplatz bietet großzügige Sanitäranlagen und weitere Infrastruktur, die Wohnmobilisten aber nicht unbedingt brauchen. Sie haben ja alles an Bord. Ihre Wohnmobile sind kleine Wohnungen auf Rädern.
Peter und Erika Hauser kommen aus Schwenningen. Sie sind schon in Rente und gehen gerne spazieren und ins Thermalbad. Außerdem gehen sie gerne essen, am liebsten in Straußwirtschaften. Das Vorurteil, dass Wohnmobilreisende an ihrem Urlaubsort kein Geld ausgeben, trifft auf sie also nicht zu. Im Gegenteil: Peter Hauser verweist auf den Kurort Bad Dürrheim, der mittlerweile 400 Wohnmobilstellplätze angelegt habe. "Warum macht eine Kommune das", fragt er und gibt gleich selbst die Antwort: "Weil die Leute Geld liegen lassen."
Auch Karl-Heinz Berger weiß um den schlechten Ruf der mobilen Reisenden. Deshalb sagt er immer, wenn er im Restaurant isst, dass er mit dem Wohnmobil gekommen ist. "Damit die Leute das merken", sagt der Schweizer, der ein "Womo-Kollege" von Ursula und Leo Lehner ist. Direkt nach der Ankunft geht Karl-Heinz Berger zur Bade- und Kurverwaltung, um zu bezahlen. Im Gegenzug bekommt er einen grünen Berechtigungsschein, den er hinter die Windschutzscheibe legt. Das werde auch kontrolliert, berichtet der Schweizer.
An diesem Tag stehen 15 Fahrzeuge auf dem Platz, die Palette reicht vom Campingbus bis zum Zehn-Meter-Luxusliner. Damit ist der Platz fast voll. An Wochenenden und Feiertagen, an denen der Andrang erfahrungsgemäß groß ist, weist die Kurverwaltung jetzt schon zusätzliche Stellplätze auf dem angrenzenden Pkw-Parkplatz aus. Diesen Bedarf soll die geplante Erweiterung decken. Statt 16 soll es dann 28 Wohnmobilstellplätze geben. Dafür werden einige Auto-Parkplätze entlang der Kurhauswand umgewidmet. Zudem wird eine Wohnmobil-Stellplatzreihe in Richtung Supermarkt um drei bis vier Stellplätze verlängert.
Dass der Supermarkt nur wenige Schritte entfernt ist, werten alle Wohnmobilisten als Pluspunkt. Gäste wie die Lehners oder die Hausers kaufen dort Brötchen fürs Frühstück ein. Es gibt aber auch andere: "Wir verpflegen uns komplett selbst", sagt ein Familienvater aus Erkelenz, der mit seiner Frau, den beiden Söhnen und zwei Hunden unterwegs ist. Die Familie ist auf der Rückreise aus dem Spanienurlaub. Sie nutzt den Stellplatz regelmäßig als Sprungbrett für Urlaubsreisen. "Wir sind aber untypisch für die Leute, die sonst hier stehen", weiß der Rheinländer. Typisch seien ältere Wohnmobilisten, die ins Thermalbad gehen und auf Spaziergängen die schöne Landschaft genießen.
Auf solche "Bäderhopper" zielt die Kurverwaltung ab. Der Stellplatz solle ja keine Konkurrenz zum Campingplatz sein, sagt Kurdirektorin Rebecca Paul und verweist auf die Übernachtungszahlen: In den ersten neun Monaten dieses Jahres verbuchte die Kurverwaltung 4700 Wohnmobile mit insgesamt 8000 Übernachtungen. Im Schnitt blieben die Gäste also keine zwei Nächte. Und noch etwas zeigen die Zahlen: Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur 3600 Fahrzeuge und 5700 Übernachtungen. Die Nachfrage ist also gestiegen.
Die Familie aus Erkelenz bleibt eine Nacht. Sie ist aber nicht wegen des Bades gekommen, sondern weil der Platz so ruhig gelegen ist und Auslaufmöglichkeiten für die Hunde bietet. Für Bad Bellingen interessiert sich die Familie nicht; sie war nur einmal aus Versehen im Ort, als sie beim Gassigehen den Weg in den Wald verfehlte.
Autor: Barbara Schmidt


