Erneuter Übergriff in Bad Krozingen

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 26. August 2018

Bad Krozingen

Der Sonntag Die Vergewaltigung einer 63-jährigen Frau erschüttert einmal mehr das Sicherheitsgefühl der Kurstadt.

In Bad Krozingen hat am vergangenen Sonntag zwischen 20 und 21 Uhr ein unbekannter, etwa 30 bis 40 Jahre alter Mann eine 63-jährige Frau brutal vergewaltigt. Er zerrte sein Opfer unter die Nepomuk-Brücke mitten in der Innenstadt und verging sich dort im ausgetrockneten Bachbett des Neumagens an der Frau. Der Täter soll eine Warze oder auffällige Narbe im Gesicht haben, gebrochenes Deutsch sprechen und eine dunkle Hautfarbe haben. Möglicherweise, so ist aus Polizeikreisen zu hören, ist der Mann Nordafrikaner. Eine Woche nach der Tat fehlte zuletzt nach wie vor jede Spur von ihm.

Die Tat in der Abenddämmerung, keine 200 Meter vom Stadtkern am Lammplatz entfernt, erschüttert einmal mehr das Sicherheitsgefühl in der Kurstadt: Seit Februar haben Rathaus und Kurverwaltung in der Stadt als Folge einer Reihe von sexuell motivierten Übergriffen im Kurpark im Winter 2017/2018 einen privaten Sicherheitsdienst mit zwei Mann auf Patrouille geschickt. Nun denkt man im Rathaus darüber nach, diesen Streifendienst bis in die Innenstadt auszudehnen.

Wiederholte Sexualdelikte

Er sei "zutiefst erschüttert und zugleich verärgert" über "die Geschehnisse" in der Stadt, so Bürgermeister Volker Kieber (parteilos) am Donnerstag. Vier Tage nach dem Verbrechen bot er via Pressemitteilung dem Opfer die Hilfe der Verwaltung an: "Sofern Hilfe bei der Bewältigung des Übergriffs seitens der Geschädigten benötigt und gewünscht wird, sind wir gerne bereit, entsprechend zu unterstützen", so Kieber.

Sexualdelikte im öffentlichen Raum hat es in der Stadt in den vergangenen Jahren wiederholt gegeben: Bereits im Sommer 2016 hatte ein junger Gambier im Kurpark in mindestens einem Fall im Bad Krozinger Kurpark eine 55 Jahre alte Frau und ein mögliches weiteres Opfer brutal vergewaltigt. Und auch die Taten vom vergangenen Winter, die allerdings weniger schwerwiegend waren, gingen auf das Konto eines gambischen Flüchtlings. Beide Männer sind im Gefängnis.

Ob auch der aktuelle Täter ein Asylsuchender ist, weiß zwar noch niemand. Die Bad Krozinger Stadtverwaltung betonte am Donnerstag dennoch, wie viel man derzeit tue, um Asylsuchenden in der Stadt einen angemessenen Umgang mit Frauen zu vermitteln: Zwei Integrationsmanagerinnen wurden eingestellt, in Kooperation mit Pro Familia in Freiburg wurden entsprechende Kurse auf den Weg gebracht. Am ersten dieser freiwilligen Kurse nahmen nach Angaben von Pro Familia im Mai allerdings nur drei Personen teil.

Auch einen Präventionsabend mit der Polizei und der Beratungsstelle "Frauenhorizonte" wurde im Frühjahr durchgeführt. Er soll nun wiederholt werden. Der Vergewaltiger vom vergangenen Sonntag scheint derweil über alle Berge zu sein, man habe in der Sache keine neuen Erkenntnisse, so ein Polizeisprecher auf Anfrage. Der etwa 1,70 Meter große, dunkelhaarige Mann soll eine schwarze Hose und ein dunkles T-Shirt getragen haben, als er die Frau überfiel. Viel mehr weiß man nicht über ihn.

Nach Informationen unserer Zeitung war das Opfer auf dem Nachhauseweg von einer Besorgung an einer Tankstelle, als der Täter die Frau angriff. Erst am Dienstag gab die Polizei nach der Vernehmung des Opfers eine Fahndungsmeldung heraus.

Der Fall hat nun das Zeug, das bereits im Frühjahr von Bürgermeister Kieber als "stark eingeschränkt" beschriebene Sicherheitsgefühl in der Stadt weiter zu verschlechtern. Kein Wunder also, wenn Kieber betont, er hoffe nun auf "schnellstmögliche Ermittlungsergebnisse".

Bernd Peters