Hier Kräne, dort Pläne

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 06. Juni 2014 um 00:00 Uhr

Bad Krozingen

Während das Neubaugebiet Kurgarten in vollem Bau ist, sind auch die Überlegungen für die Erweiterung bereits weit gediehen

BAD KROZINGEN. Während im Neubaugebiet Kurgarten I eine Heerschar an Baukränen von der Entstehung eines neuen Stadtviertels für Bad Krozingen kündet, bereiten Planer, Verwaltung und Gemeinderat schon unter Hochdruck den nächsten Schritt vor – Kurgarten II. Obwohl kleiner als Kurgarten I soll hier nochmal Wohnraum für rund 1000 Menschen entstehen. Zentraler Bestandteil des Städtebauprojektes ist diesmal Geschosswohnungsbau für Mietwohnungen.

Das Neubaugebiet im Norden von Bad Krozingen bis an den Autobahnzubringer (L 120) zu f ühren – dieser Gedanke hat von Anfang an bei den Planungen eine Rolle gespielt. "Die gesamte städtebauliche Konzeption war auf das ganze Gebiet ausgelegt", sagt Heidrun Haag-Bingemann, von der Kunst Kommunalkonzept GmbH, die die Organisation und Koordination des Projekts betreut. Zum Beispiel ist der neu entstandene See im Nordosten des Kurparks so berechnet worden, dass er das ganze Gebiet – also Kurgarten I und II – entwässern kann.

Doch auch wenn also von Beginn an eine übergreifende Idee für das Gebiet zwischen Bahnlinie und L 120 bestand – das sie so schnell auch komplett umgesetzt werden würde, war keineswegs abzusehen. Ursprünglich war sogar einmal daran gedacht worden, das Gebiet statt in zwei vorsichtig sukzessive in drei oder vier Schritten zu bebauen. Doch die Nachfrage nach Wohnraum in der Kurstadt hat offenbar selbst Optimisten überrascht. Kurgarten I ist so gut wie komplett vermarktet und auch "für Kurgarten II gibt es bereits eine Liste mit über 100 Interessenten", sagt Rüdiger Kunst , Chef der Kommunalkonzept GmbH. Und das, obwohl die Auf- und Zuteilung der Grundstücke noch ganz am Anfang steht.

Die Eile bei der Umsetzung von Kurgarten II hat aber wohl auch politische Gründe. Die Landesregierung hat klar gemacht, dass sie den Flächenverbrauch bremsen will und hat die Spielräume für Neubaugebiete eingeschränkt. Quasi auf den letzten Drücker – mit ein paar kleinen Abstrichen – konnte Kurgarten II noch auf den Weg gebracht werden. Die große Nachfrage nach Grundstücken im Gebiet Kurgarten I und wie sich abzeichnet nun auch im Kurgarten II, hat die Frage fast verstummen lassen, ob Bad Krozingen hier nicht auf etwas zu großem Fuß unterwegs ist. Gerade in den Nachbargemeinden waren die Pläne nicht nur auf Wohlwollen gestoßen – laut artikuliert werden Bedenken aber derzeit nicht.

Bezahlbarer Wohnraum als wichtiges Element

Im Bad Krozinger Gemeinderat gab es in der Frage, ob Kurgarten II – auch in dem Tempo – kommen soll, ohnehin keine Differenzen mehr. Der Schwerpunkt der Diskussionen verlagerte sich vielmehr auf das Thema Mietwohnungsbau. Doch auch hier kristallisierte sich bald im Grundsatz weitgehende Einigkeit heraus: Ja, im Kurgarten II soll in nennenswertem Umfang bezahlbarer Wohnraum entstehen. Wie der Begriff "bezahlbar" dabei zu definieren ist, bleibt jedoch noch etwas vage – von Sozialwohnungen möchten die Verantwortlichen jedenfalls nicht so gerne reden.

Inzwischen sind potenzielle Investoren von der Stadt angesprochen worden, beziehungsweise haben sich selbst gemeldet, um ein Konzept vorzulegen, wie der Bereich mit dem Geschosswohnungsbau im Kurgarten II gestaltet werden könnte. Bis zu vier Geschosse hoch könnten die Gebäude werden, die dann auch – von der Biengener Allee kommend – gemeinsam mit dem jetzt schon im Bau befindlichen Mozartplatz das Entree zu dem gesamten Viertel bilden werden. Richtung Kurpark werden die Gebäude dann flacher und die Bebauung mit Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern aufgelockerter.

Im Bereich des Geschosswohnungsbaus könnten nach den Berechnungen von Rüdiger Kunst einmal zirka 600 Menschen leben, im übrigen Kurgarten II weitere 400. Im gesamten Gebiet Kurgarten käme man dann grob geschätzt auf 2000 bis 2500 Einwohner.

Ein Grünzug, der sich vom Kurpark bis zum Mozartplatz erstreckt, soll den etwa 10 Hektar großen Kurgarten II von Kurgarten I etwas abtrennen, wiewohl diverse Wegeverbindungen zwischen den zwei Teilstücken entstehen sollen.

Läuft alles weiter nach Plan, könnten nach der Sommerpause 2015 die Erschließungsarbeiten beginnen. Bis dahin sind noch mancherlei Fragen im Detail zu klären – zum Beispiel wie der Lärmschutz vor allem zur L 120 hin zu gestalten ist. Bis zum Sommer 2015 wollen auch die Archäologen vom Regierungspräsidium nochmal aktiv werden. Denn wie unter anderem der Fund eines römischen Landguts und Gräber aus der Eisenzeit bereits zeigten, haben sich im Gebiet des Kurgartens schon zu früheren Zeiten Menschen gerne häuslich niedergelassen.