"Ich glaube, sie haben es verstanden"

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Di, 09. April 2013

Bad Krozingen

Jugendliche erklären Senioren die Handytechnik: zu Besuch bei einem Kurs in der Sozialstation Südlicher Breisgau .

BAD KROZINGEN. Es sind Welten, die aufeinander prallen, wenn der Nachwuchs einen Handy-Kurs für Senioren gibt – so wie die Firmanden der Seelsorgereinheiten Bad Krozingen und Hartheim. Zwar kämpft sich auch die Generation der "Silver Surfer" immer öfter durch den Dschungel der neuen Kommunikationstechnik, doch viele ältere Menschen sind bei Handy und Co. weiterhin für Hilfestellungen dankbar.

Handy mitbringen! Das war die einzige Voraussetzung für den Kurs in den Räumen der Sozialstation Südlicher Breisgau. 17 Jugendliche packen ihre Smartphones auf den Tisch, um allzeit erreichbar und im eigenen Freundeskreis auf dem Laufenden zu bleiben, während die Älteren in den Taschen kramen nach ihrem Tastenhandy – mit dem können sie zwar telefonieren oder einen Notruf auslösen, doch dann ist die Mehrzahl am Ende mit ihrem Latein.

Und so können hier die Alten einmal etwas von den Jungen lernen. Der Informationsbedarf beim Umgang mit digitaler Technik erklärt dann auch die große Resonanz auf den Gratis-Handy-Kurs der Firmanden. "Das Konzept geht auf, wir haben sogar eine Warteliste", sagt Waltraud Kannen, Geschäftsführerin der Sozialstation, in deren Räumen die Handyschulung schließlich mit 17 Teilnehmern stattfinden sollte. Die werden intensiv betreut: "Jeder Senior bekommt einen Jugendlichen zur Seite", erklärt Alfred Lauber, früherer Pflegedienstleiter der Sozialstation, der den Kurs organisiert und inklusive Handy-Handbuch mit den Firmanden vorbereitet hat. "Wir zeigen heute, wie man ein Handy in Betrieb nimmt, wie man telefoniert, Daten verwaltet, wie man SMS schreiben und empfangen kann, und wir erklären Ihnen gerne die vielen englischen Begriffe", erläutert zu Beginn Johannes Jakob, der die Veranstaltung moderiert.

"Ich bin nur wegen der SMS gekommen", meint eine der Teilnehmerinnen. SMS, das sind kurze Textnachrichten, wie Johannes erklärt, doch dieses Werkzeug wird erst später behandelt, zunächst einmal soll es um die "Basics" gehen: Einschalten. Kein Problem, das können alle, den roten Knopf drücken, Pin-Nummer eingeben, bestätigen, schon erscheint die Startseite auf dem "Display", wie das Anzeigenfeld genannt wird. Wichtig: Notrufe sind auch ohne PIN-Eingabe möglich. Außerdem wissenswert: Bei Ortsgesprächen muss beim Mobiltelefon stets die Vorwahl mit eingeben werden.

Nächster Schritt: "Akku laden", fordert Johannes, der bereits im Alter von sechs Jahren sein erstes Handy besaß, die Teilnehmer auf, "denn ohne Strom geht gar nichts." Als nächstes: Tastensperre. Da kommt es jetzt drauf an, das ist bei jedem Handytyp anders, räumt Johannes ein. Bei Hermann Klein aus Tunsel geht es ganz einfach. Er schiebt ein Riegelchen hoch an der Außenkante, schon erscheint im Display als Symbol ein Vorhängeschloss. "Aber angerufen kann ich jetzt doch noch werden?", erkundigt er sich bei Jana, die mit ihrem schicken Touchphone prompt noch ein Foto von sich mit ihrem Schützling macht und auf Facebook postet, während Klein sein seniorengerechtes Mobiltelefon mit den besonders großen Tasten umdreht, auf den roten Notfallknopf deutet, und lächelnd anmerkt: "Da macht man was mit." 49 Euro hat er vor drei Jahren im Supermarkt für sein Notrufhandy berappt. Fotos kann er damit keine machen, aber einen Nummernspeicher hat es. Ganz so viele Kontakte wie Johannes (rund 100) oder wie der Handytrainer seiner Tischnachbarin, der es auf sage und schreibe 736 gespeicherte Kontakte bringt, braucht der Senior aus Tunsel jedoch nicht. Die wichtigsten Ansprechpartner sind bei den meisten Teilnehmern ohnehin schon angelegt. Die Kinder oder die Enkel haben geholfen.

"Aber um uns das Handy genauer zu erklären, dafür haben sie meist keine Geduld, deshalb ist da ja so toll hier, weil man das hier in aller Ruhe bekommt", sagt die Dame, die es auf die SMS abgesehen hat. Sie blättert durch das Adressverzeichnis ihres Handys, landet beim Eintrag "Markus", wählt als Option "SMS schreiben", und tippt jetzt eifrig auf den Buchstabentasten herum. "Hallo, alles ok, Mama", steht kurze Zeit später auf ihrem Display, und Alfred Lauber nickt – die Dame hat alles ganz richtig gemacht und kann ihre Kurznachricht nun versenden.

"Simkartenproblem", schallt es da aus der Ecke gegenüber. Ein Teilnehmer streckt Johannes sein Mobiltelefon entgegen: "Wir haben die Karte jetzt schon drei Mal ausgetauscht, aber der Monitor bleibt schwarz." Doch in diesem Fall können die Handytrainer auf die Schnelle auch nicht weiterhelfen. Dafür gibt es jetzt eine Pause mit Kaffee und leckeren Muffins, die die Firmanden extra für die Senioren selbst gebacken haben.

"Kann ich das wieder löschen?", erkundigt sich eine Teilnehmerin und setzt ihre Brille auf, während es am Nebentisch mehrmals piept. Ob Menü, Steuer- oder Pfeiltaste, PIN-Code, Klingeltöne, Netzauswahl, Sim-Card, Prepaid-Karte – mit all diesen Begriffen wissen die Senioren nach dem Kurs nun etwas anzufangen, und zum Abschluss finden sie in ihrem Handy-Handbuch noch eine Grafik, in die sie die Daten ihres Gerätes einzeichnen und dem Gelernten zuordnen können. Johannes scheint am Ende zufrieden mit den Kursteilnehmern: "Ich glaube, sie haben es verstanden."