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19. Mai 2010

Gemeinderat

Polizei äußert sich zu Sicherheitsbedenken der Krozinger Bürger

Polizei nimmt im Gemeinderat zu den Sicherheitsbedenken der Bad Krozinger Bürger Stellung.

  1. Hier soll vermutlich bis Ende 2011 der Bad Krozinger Polizeiposten ein neues Domizil finden: Geplantes Wilhelm-Schneider-Haus in der Staufener Straße 1 a nahe des Bahnhofes Foto: Gehri Wohnbau

BAD KROZINGEN. Besorgt durch die Serie der vielen Wohnungseinbrüche stellen sich viele Bad Krozinger die Frage, ob ihre Sicherheit noch gewährleistet ist. Der Leiter des Polizeireviers Müllheim, Dieter Seywald, der zusammen mit dem Bad Krozinger Postenführer Werner Erler am Montag dazu im Gemeinderat Stellung bezog, relativierte diese Bedenken.

Von den Wohnungseinbrüchen sei die ganze Rheinschiene betroffen, da organisierte Banden aus dem Elsass und Osteuropa sich Zugang zu schlecht abgesicherten Häuser verschafften – oft mit Hilfe von Kindern. Die Polizei habe mit dem Einsatz von Nachtstreifen reagiert – zusätzlich zum Tagdienst des Postens.

Immer wieder war die Stadt Bad Krozingen wegen der Einrichtung eines Reviers bei der Polizeileitung vorstellig geworden. Bürger unterstrichen mit einer Unterschriftenaktion diese Forderung. Dem Wunsch konnte allerdings vom zuständigen Innenministerium nicht entsprochen werden. Der Müllheimer Revierleiter Dieter Seywald entwickelte daraufhin schon vor Jahren ein Konzept, um die Präsenz der Polizei in der Kurstadt auch in den Nachtstunden zu gewährleisten. Dafür hätten die Beamten innerhalb von sechs Monaten 618 Dienststunden aufgewendet – ausschließlich in und um Bad Krozingen. In diese "Brennpunktstreifen" seien auch Polizisten aus Heitersheim und Staufen eingebunden. Aus den drei Posten stünde jeder Beamte einmal im Monat für eine Streife in einem Zeitfenster von 20 bis 2 Uhr zur Verfügung – auch an den Wochenenden. Seywald belegte den Erfolg dieses in Baden-Württemberg wohl einzigartigen Konzeptes mit der Reduzierung der Straftaten im Kernort um 19 Prozent. Im Beobachtungszeitraum seien die Körperverletzungen sogar um 44 Prozent zurückgegangen. Der Müllheimer Polizeichef sagte der Stadt Bad Krozingen die nunmehr dritte Verlängerung des erfolgreichen Projektes um ein weiteres Jahr zu. Eine Einschränkung gebe es lediglich für den Donnerstag, da durch die Einstellung einer speziellen Jugendveranstaltung in einer Diskothek an der Freiburger Straße hier keine Überwachung mehr erforderlich sei. Wenn es die Lage erfordere, würden auch schon ab 18 Uhr Polizeistreifen in Bad Krozingen eingesetzt. In ständiger Rufbereitschaft seien die Beamten in jedem Fall – das Revier in Müllheim beordere allabendlich ein Fahrzeug in seinen nördlichen Zuständigkeitsbereich.

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Polizeiposten wechselt von Hofstraße an den Bahnhof

Für Revierleiter Dieter Seywald steht außer Frage, dass das subjektive Sicherheitsgefühl des Bürgers mit der objektiven Sicherheitslage nicht übereinstimme, gerade dann, wenn sich Meldungen von Einbrüchen und Diebstählen häuften. "Es gibt keinen Grund, unsere zusätzliche Präsenz anzuzweifeln," ließ Seywald den Gemeinderat wissen. Ein wenig ausgeprägtes Sicherheitsempfinden belegte Bürgermeister Ekkehart Meroth mitunter damit, dass Bad Krozingen als einziges Mittelzentrum im Landkreis lediglich mit einem Polizeiposten vorlieb nehmen müsse. Seywald konterte mit den Häufigkeitszahlen in der Kriminalitätsstatistik in den Städten und Gemeinden im Landkreis mit mehr als 10000 Einwohnern. Hier ordne sich die Kurstadt (7283) nach Neuenburg (8661), Titisee-Neustadt (8173) und Breisach (8147) in der unteren Hälfte ein, allerdings vor Müllheim (6558) und Gundelfingen (4622).

CDU-Fraktionssprecherin Sabine Pfefferle äußerte sich erleichtert darüber, dass der Bad Krozinger Polizeiposten in absehbarer Zeit von der abgelegenen Hofstraße an den zentral gelegenen Bahnhof umziehen werde. Ein klarer Standortvorteil, der sich positiv auswirken dürfte. Kriminalität lasse sich nicht niederkämpfen, auch nicht in den Städten mit einem Revier, so die Einschätzung von Peter Falk (SPD), der sich lobend über die zusätzliche Nachtarbeit der Bad Krozinger Polizeibeamten äußerte.

Roland Hinderle, zuständiger Fachbereichsleiter für "Bildung, Familie & Sicherheit" im Rathaus, kündigte eine Initiative der Stadt zwecks Video-Überwachung am Bahnhof an. Hier seien Fahrraddiebstähle und Sachbeschädigungen beinahe an der Tagesordnung und dagegen wolle die Stadt wirksam einschreiten. Hinderle wies auf die guten Erfahrungen am Heitersheimer Bahnhof hin, wo es bereits eine Videoüberwachung gebe. Bad Krozingen habe sich ein Angebot bei einem Sicherheitsunternehmen eingeholt und wolle entsprechende Kameras installieren, wenn dafür im Haushalt 2011 die erforderlichen Mittel eingestellt seien.

Erster Polizeihauptkommissar Dieter Seywald appellierte an die Einwohner, mit entsprechender Sicherheitsausstattung, die schon für wenig Geld zu haben sei, ihre Häuser besser zu schützen. "Es ist erstaunlich, wie einfach es oft den Einbrechern gemacht wird," so seine Erkenntnis. Oft stünden Fenster und sogar Terrassentüren bei Abwesenheit der Bewohner offen. Sein Tipp: Rollläden runter, das hindere den Täter am "schnellen Erfolg". Im Zweifel immer anrufen: "Wir kommen lieber einmal zu viel als einmal zu spät."

AUS DER POLIZEISTATISTIK

Dem Bad Krozinger Polizeiposten wurden 2008 insgesamt 23 Wohnungseinbrüche gemeldet, 2009 waren es 63 Fälle. In diesem Jahr bearbeitete der Polizeiposten bereits 25 Wohnungseinbrüche. Der Bad Krozinger Posten meldet 7,5 Personalstellen. Die Beamten um Postenführer Werner Erler kümmerten sich im vergangenen Jahr um 1208 Fälle, 674 Fälle konnten aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote stieg um 6,7 auf 55,8 Prozent.  

Autor: mad

Autor: Markus Donner