Bad Krozinger Ortskern soll neu beleuchtet werden

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Sa, 16. Juni 2012

Bad Krozingen

Wenige gleißende Lichtpunkte – ansonsten weitgehend Finsternis. Traditionelle Stadtbeleuchtung ist nach Auffassung des Stuttgarter Architekten Mario Hägele nicht wirklich erhellend, auch in Bad Krozingen nicht. Doch das soll sich im Zuge der Sanierung des Ortskerns ändern.

BAD KROZINGEN. Der Gemeinderat entschied sich dafür, ein neues Konzept für die Beleuchtung der Stadtmitte weiterzuverfolgen. Anfangen soll Hägele mit der Basler Straße. Dort sieht es besonders duster aus.

Lang war der Vortrag des Experten aus Schwaben – aber an keiner Stelle langweilig. Was Mario Hägele, Freier Architekt und Lichtplaner aus Stuttgart, zum Thema Straßenbeleuchtung im Allgemeinen und zur Situation in Bad Krozingen im Speziellen zu sagen hatte, ließ den Gemeinderäten, Rathausmitarbeitern und Zuhörern im wahrsten Sinne des Wortes einige Lichter aufgehen. Hägeles Ausführungen waren sympathisch und sachlich, doch die Botschaft letztlich unmissverständlich: Die herkömmlichen Konzepte der Beleuchtung im öffentlichen Raum sind komplett unterbelichtet.

Traditionell geht es beim Thema Straßenbeleuchtung etwa häufig darum, wie die Laternen (vor allem bei Tag) aussehen. "Die Lampen werden vor allem als Straßenmöbel angesehen", erklärt Hägele, der den komplett entgegengesetzten Ansatz verfolgt: Nicht die Leuchten stehen bei ihm im Fokus der Aufmerksamkeit, sondern das Licht, das sie verbreiten – und dessen Wirkung auf die nächtlichen Passanten.

Ein großes Problem traditioneller Konzepte: Die Straßenlaternen sind des Nachts oft die hellsten Punkte, sie blenden mit einem diffusen, ungerichteten Licht und leuchten nur ihre unmittelbare Umgebung aus. Wenige Schritte weiter ist es dann zappenduster. Hägele konnte diese Effekte auch an vielen Stellen in Bad Krozingen nachweisen. Ein verlängertes Wochenende hat sich der Architekt mit der Lichtsituation im Kurort beschäftigt und präsentierte in seinem Vortrag nicht nur Fotos, die die Problematik sehr anschaulich machten, sondern unterfütterte sie auch mit präzisen Lichtmessungen. Besonders finster sieht es demnach an der Basler Straße aus – dort, so Hägele, würden teilweise gar die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwerte für Straßenbeleuchtung unterschritten, und die seien schon reichlich niedrig.

Ansonsten aber verzichtete der Lichtexperte auf die Ausführung von Regularien und ging mehr auf ganz praktische und auch ästhetische Aspekte ein. Hägele arbeitet viel mit Fassadenbeleuchtung, um die Raumkanten von Straßen und Plätzen auch in der Nacht erfahrbar zu machen und die Orientierung zu erleichtern. Er plädiert für wärmere Farbtemperaturen, da der Mensch diese unbewusst mit den Abend- und Nachtstunden in Verbindung bringt und so ein gewisses Wohlbehagen erzeugt wird, während kalte Lichter Unwohlsein hervorrufen. "Und ein Gefühl des Wohlbehagens bedeutet auch ein Gefühl der Sicherheit", führte Hägele am Beispiel der Bad Krozinger Bahnunterführungen aus, denen er attestierte, dass man dort des nächtens "nicht wirklich gerne durchgehen dürfte".

Mehr Leuchten, aber weniger Energieverbrauch

Zwar geht es auch in Hägeles Konzepten nicht darum, alle Räume gleich stark auszuleuchten; auch ihm ist es wichtig, mit Licht Schwerpunkte zu setzen und so Orientierung zu bieten. Dennoch zeigen Hägeles Referenzprojekte, etwa in Aalen, wie Straßen und Plätze deutlich gleichmäßiger ausgeleuchtet werden. Dafür, erklärt der Architekt ohne Umschweife, sind mehr Leuchten nötig als traditionell in der Straßenraumbeleuchtung eingesetzt werden. Dennoch sei mit Hilfe moderner LED-Technik der Betrieb deutlich wirtschaftlicher, ist er überzeugt.

Hägele rechnete dies für einen kleinen Abschnitt an der Bahnhofstraße vor. Dort verbrauchen vier Leuchten im Jahr Energiekosten in Höhe von insgesamt 400 Euro. Hägele würde in diesem Abschnitt zwölf Leuchten installieren, die aber insgesamt nur für 140 Euro jährlich Energie in Anspruch nehmen müssten. Zudem würden die LED-Leuchten den Straßenraum statt derzeit mit jämmerlichen 1 bis 2 Lux mit 15 bis 20 Lux ausleuchten.

Architekt Hägele hat sich bereits erste Gedanken gemacht, die den gesamten Bad Krozinger Ortskern betreffen, inklusive Kurgebiet und Neumagen, dem er eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat. Hier könnte sich Hägele vorstellen, mit speziellen Leuchten auch die Vegetation am Ufer herauszumodellieren und das eine oder andere Licht über das Wasser des Flusses zu schicken. Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf die bis dato ziemlich unterbelichteten Neumagen-Brücken richten, so Hägele.

Konkret in Angriff genommen werden soll nun aber zunächst – im Zuge der generellen Sanierung – die Basler Straße (alte B 3). Hägele rechnet für den Abschnitt vom Josefshaus bis zur Nepomukbrücke mit Kosten in Höhe von etwa 65 000 Euro für das Leuchtmaterial und rund 47 000 Euro für die Montage. Die Zustimmung des Gemeinderates erfolgte nach der eindrucksvollen Präsentation einhellig und ohne größere Diskussion.