Ein aberwitziges Theater rund ums Theater

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 09. März 2015

Bad Säckingen

Das Publikum feierte die Festspielgemeinde Bad Säckingen für ihr neues Stück "Schocker" / Noch sechs Aufführungen.

BAD SÄCKINGEN. Das Spektakel beginnt im Theaterhimmel und endet in der Hölle. In ihrem neuen Stück "Schocker", das am Freitag vor ausverkauftem Haus viel beklatschte Premiere feierte, bietet die Festspielgemeinde Bad Säckingen ein aberwitziges Theater ums Theater. Die Komödie von Daniel Call ist eine vergnügliche Persiflage auf den modernen Theaterbetrieb und auf Goethes Faust.

Angelehnt an die 18 Szenen aus Faust, wird die Geschichte des Provinz-Theatermannes Doktor viel erzählt, der von Karriere und Ruhm träumt. Er ist im Himmel bei den Theatergöttern gelandet, die ungerührt ihre Drinks schlürfen. Doch der "Chef" gewährt dem Doktor noch mal eine Bewährungsfrist auf Erden. Und los geht das tolldreiste Treiben im Festspiel-Gemeindehaus.

Regisseurin Renate Kraus inszeniert die vor Sprachwitz, frechen Pointen, deftigen Reimen und Anspielungen nur so sprühende Satire mit allen effektreichen Theatertricks, die auf einer kleinen Bühne (Bühnenbild: Catalina Mayer und Klaus Mach) möglich sind: Magische Verwandlungen vollziehen sich unter Blitz und Donner und Lichteffekten. Auch die Sensationsgier der aktuellen Mediengesellschaft, die vor Mord und Blut nicht zurückschreckt, wird zynisch vorgeführt. Das Ganze gipfelt in umwerfend komischen Szenen aus einem "Faustical", einem poppig parodierten Faust-Musical.

Wie Dennis Affeldt als moderne Faust-Variante den Doktor Viel spielt, ist eine Wucht an komödiantischer und ironischer Darstellungskunst. Jede Profibühne würde die Festspielgemeinde um diesen Schauspieler beneiden. Im breitesten österreichischen Dialekt gibt er den erfolglos vor sich hinwurstelnden, köstlich lamentierenden, großmäuligen Provinz-Theatermacher, der den Burgtheater-Olymp erobern will und dafür seine Seele verkauft. Magisch verwandelt in schickem Designeranzug, macht Affeldt gekonnt auf eitlen und lüsternen Regie-Zampano, der bei der Jungschauspielerin Susannchen landen will. Sandra Lutz, ein erfreulicher Neuzugang im Ensemble, spielt voller Anmut die blonde naive Unschuld. Cool und heiß ist ihr Auftritt im "Faustical" als sexy Gretchen in schwarzen Lederhosen, das ins Mikro haucht: "Faust, du wildes Tier...".

Doch keine Faust-Theater-Farce ohne Mephisto! In Hilde Butz hat man eine fantastische Darstellerin für die Rolle des teuflischen Referenten Schocker. In goldfarbenen Jeans und Frackjäckchen spielt sie mit diabolischem Vergnügen und mephistophelischer Süffisanz den Abgesandten der Hölle, der den Doktor in mörderische Versuchung führt. Wunderbar maliziös in Mimik und Gestik taktiert und paktiert Butz, schmeichelt hier, lästert dort. Auch die anderen Darsteller sind mit viel Spielwitz dabei. Brigitte Weissbrodt zeigt ihre Wandlungsfähigkeit als Frau Marthe, die Susannchen vor den Männern warnt oder als aufgedrehte TV-Moderatorin. Detlef Bengs amüsiert als verklemmter Theaterhospitant, Gerald Hacker mimt genüsslich den Höllenfürsten, Helmut Kaltenbach einen selbstgefälligen Intendanten und zu dritt geben sie himmlisch witzig die Theatergötter. Günter Kraus als polternder Gründgens-Geist, Nimet Gökcanak als Imageberaterin mit Zauberkünsten sowie Walter Schnabel und Heike Bengs in diversen Rollen mischen ebenso munter das irrwitzige Geschehen auf, das musikalisch von den Akkordeonisten Silvia Schäuble und Thomas Lüthy vom Harmonika-Orchester Murg aufgepeppt wird. Es gibt ein knalliges Überraschungs-Ende!

Schocker: Weitere Aufführungen am 13., 14., 15., 20., 21., 22. März, jeweils ab 19.30 Uhr, Festspiel-Gemeindehaus. Vorverkauf: 07761/58376