Eindrückliche Bilder, die die Seele preisgeben

Jörn Kerckhoff

Von Jörn Kerckhoff

Sa, 14. April 2018

Bad Säckingen

Ausstellung von Bozena Stanczak im Pflegeheim St. Franziskus.

BAD SÄCKINGEN. Was mag sich der Künstler dabei gedacht haben? Diese Frage hat sich jeder schon mal bei der Betrachtung eines Bildes, beim Lesen eines Gedichts oder beim Hören eines Musikstücks gestellt. Genau dieser Frage ging auch Frank van Veen, Vorsitzender des Kunstvereins Bad Säckingen, zur Vernissage der Bilderausstellung von Bozena Stanczak im Pflegeheim St. Franziskus am Donnerstag nach.

Offenbar ist es nicht unbedingt der Zeitgeist, den Künstler in ihren Werken widerspiegeln wollen. Beste Beispiele dafür seien Impressionisten wie van Gogh, Monet oder Manet, die zu Lebzeiten keinerlei Anerkennung erfuhren und verarmt starben. Gleiches gelte für Musiker der Zwölftonmusik, deren Werke verachtet worden seien. Es müsse etwas in ihnen gewesen sein, das sie mit ihrer Kunst nach außen trugen, so van Veens Vermutung. Dabei sei es ihnen völlig egal gewesen, ob sie damit den Geschmack des Betrachters oder Zuhörers trafen oder wirtschaftlichen Erfolg hatten. Es sei eine innere Bewegung gewesen, die sie angetrieben habe und die über das Abgebildete hinausging, ist van Veen bei den Malern des Impressionismus überzeugt.

Da zog er die Parallele von der Kunst der großen Meister zu den Bildern von Bozena Stanczak, die eigentlich im Pflegeheim St. Franziskus arbeitet und die erste Mitarbeiterin ist, die dort ausstellt – auch für den neuen Heimleiter, Hartmut Fricke, eine Premiere. Stanczak kehre mit ihren Bildern ihr Innerstes nach außen und gebe ihre Seele preis, attestierte ihr Frank van Veen großen Mut. Es gehöre immer Mut dazu, wenn man seine Seele vor einem Publikum ausbreite und sich damit verwundbar mache. Egal, ob gegenständlich oder abstrakt, Bozena Stanczak gehe denselben Weg vieler großer Künstler – der Antrieb zum Malen sei ihr Seelenleben und nicht das abbilden dessen, was Anklang finde. Daher sei auch der Titel der Ausstellung mit "Bilder der Seele" sehr gut getroffen.

"Ich wusste bis heute gar nicht, dass ich eine Künstlerin bin", gestand Bozena Stanczak anschließend im Gespräch. Es sei aber tatsächlich so, dass sich in ihren Bildern ihre Gefühle und Erlebnisse ausdrücken. Oft habe sie eine spontane Idee, stehe nachts auf und male. Und obwohl sie das Bild bereits vorher vor ihrem geistigen Auge gesehen habe, sei sie hinterher doch oft überrascht, was beim Malen entstanden sei.

Sehr viele Bilder der Künstlerin sind mehrteilig, wofür es zwei Erklärungen gibt. "Ich mag den Abstand zwischen den einzelnen Teilen", lautet die erste. "Ich mag große Bilder, habe aber keinen Platz im Auto, um große Bilder zu transportieren. Bei mehrteiligen Bildern funktioniert das besser", ist die zweite Erklärung. Die eine mehr aus einem künstlerischen Blickwinkel, die zweite rein pragmatisch.

Sehr auffällig sind übrigens die krummen Preise an vielen Bildern von Bozena Stanczak – alle Bilder stehen auch zum Verkauf. "Als Künstlerin mache ich einen Ein-Euro-Job", so Stanczak dazu. Sie rechne einfach die Materialkosten aus, die sie für ein Bild gehabt habe und schlage einen Euro oben drauf. Es gehe ihr nicht darum, mit ihren Bildern Geld zu verdienen. Ob sie jemals die Anerkennung der einst verschmähten und heute hochgehandelten Impressionisten erlangen wird, zeigt sich wohl frühestens in 100 Jahren. Der Geist, der den Bildern von Bozena Stanczak innewohnt, ist aber offenbar derselbe.

Die Ausstellung im Pflegeheim St. Franziskus ist noch bis Ende August zu sehen und während der Öffnungszeiten für jedermann zugänglich.