Eine Welt (fast) ohne Männer

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 20. Januar 2014

Bad Säckingen

Hilde Butz hat ihr drittes Theaterstück für die Festspielgemeinde Bad Säckingen geschrieben / Uraufführung im 21. März.

BAD SÄCKINGEN. Eine Welt ohne Männer: Diese Zukunftsvision entwirft Hilde Butz in ihrem neuen Theaterstück für die Festspielgemeinde Bad Säckingen, das am 21. März Premiere hat. Doch bevor jetzt die Herren der Schöpfung empört Sturm laufen, beschwichtigt die Bad Säckinger Autorin lachend: "Es ist absolut kein männerfeindliches Stück! Es ist eine Komödie. Ich kann versichern, dass es viel zu lachen gibt!"

Das Stück "Männerlos", das Hilde Butz eigens für die Festspielgemeinde geschrieben hat, wirft einen Blick in die Zukunft. Es spielt im fernen Jahr 2222, in einer reinen Frauenwelt. Rückblickend wird in verschiedenen Szenen durchgespielt, wie es zu dieser männerlosen Gesellschaft kommen konnte. "Ich wollte nicht nur reine Fantasiegeschichten erfinden, sondern das Ganze drum herum authentisch ausfüllen", sagt Butz. Inspirationen und Denkanstöße für solche Zukunftsmodelle holte sie sich in dem Buch "Die Physik der Zukunft" des Wissenschaftlers Michio Kaku, in dem die klügsten Köpfe der Welt und Forscher von Rang darstellen, wie das Leben in der Zukunft aussehen könnte.

In Hilde Butz' Komödie nun stellt sich die futuristische Welt so dar: Es gibt einen Aufzug zum Mond, wo der Mensch Urlaub machen kann. Roboter in Männergestalt übernehmen die Dienstleistungen. Es herrscht die totale Überwachung. Das kommt einem angesichts des NSA-Abhörskandals gar nicht so weit her geholt vor. "Manches ist schon sehr nah, anderes kann man sich wiederum nur sehr schwer vorstellen", sagt Hilde Butz über die von ihr erfundenen Zukunftsszenarien.

Die Frage sei auch, ob es wirklich eine schöne neue und "bessere" Welt sei, wie das die Frauen in ihrem Stück behaupten. Denn für die männerlos lebenden Frauen wird der Mann zunehmend zum begehrten "Luxusobjekt" und wird versteckt. Es gibt also noch ein paar heimlich verborgene "Exemplare" der Spezies Mann. Eine Sicherheitspolizei wacht mit Argusaugen darüber, dass sich die Männer nicht "verbreiten". Das alles wird mit komödiantischen Mitteln, mit viel Ironie und Humor auf der Bühne vorgeführt. Es ist aber kein reines Frauenstück. "Es spielen genauso viele Männer wie Frauen mit", erzählt Hilde Butz. Die männlichen Mitglieder des Ensembles sind nicht nur als "Roboter" in Aktion, sondern agieren auch als verschiedenste Mannsbilder in den Szenen, in denen geschildert wird, welche Entwicklung zu dieser männerlosen Welt geführt hat.

"Männerlos" ist Hilde Butz' drittes Theaterstück für die Festspielgemeinde. Nachdem ihre Satiren "Peter Trom – der Geiger von Säckingen" (2003) und "Brömmel muss weg" (2005) so gut ankamen, wurde Hilde Butz von Seiten ihrer Mitspieler und von Zuschauern immer wieder gefragt: "Wann machst du mal wieder etwas Eigenes?" Und nachdem so oft diese Bitte an sie herangetragen wurde, hat sie nun die neue Komödie verfasst. "Das Thema ist mir so zugeflogen", sagt Hilde Butz, die seit mehr als 20 Jahren bei der Festspielgemeinde mitspielt. Offensichtlich ist es ein Thema, "das noch nicht so besetzt ist", wie die Autorin bei ihren Recherchen entdeckt hat. Zwar gibt es viele Stücke über die Beziehungen zwischen Mann und Frau, "aber in dieser Variante, in der ich das Thema durchspiele, habe ich das noch nirgends gelesen oder gesehen".

Die Autorin führt auch Regie

Wie bei ihren anderen beiden Stücken führt Hilde Butz auch dieses Mal Regie – und spielt nur eine kleinere Rolle, in der sie die Rückblicksszenen moderiert. Dafür freut sich die sonstige Stammregisseurin Renate Kraus, dass sie mal wieder als Schauspielerin auf der Bühne stehen kann. Seit November laufen die Proben im Festspielgemeinde-Haus. "Ich merke, dass Regieführen echte Arbeit ist, weil man für das Ganze die Verantwortung hat", sagt Butz, "aber wenn man das Stück selbst geschrieben hat, hat man schon relativ fertige Bilder im Kopf". Hilde Butz fiebert auf die Uraufführung am 21. März hin. "Nie bin ich so aufgeregt und nervös vor einer Premiere wie in meinen eigenen Stücken, weil man ja nicht weiß, wie es beim Publikum ankommt. So eine hauseigene Produktion ist schon etwas Besonderes".