Gas statt Pumpspeicher?

Stefan Sahli

Von Stefan Sahli

Fr, 19. April 2013

Bad Säckingen

Referent bei BI preist Methanisierung als effektive Methode, große Mengen Energie zu speichern.

BAD SÄCKINGEN. Für Pumpspeicher gibt es kein Geschäftsmodell mehr, die Speichertechnologie der Zukunft heißt "Power-to-Gas": die Speicherung von Ökostrom als Methan. Mit Aussagen wie diesen machte Referent Stephan Rieke von der Firma "Solar Fuel" bei einer sehr gut besuchten Veranstaltung der Bürgerinitiative Atdorf, des Bundes für Umwelt- und Naturschutz und der Grünen in Bad Säckingen den Gegnern des neuen geplanten Pumpspeicherwerks Hoffnung.

Gefragt, so sagte der Referent, seien in erster Linie Technologien, die größere Energiemengen für längere Zeit speichern – das könnten nur chemische Speicher leisten, insbesondere die Methanisierung. "Power-to-Gas" kombiniert die beiden Prozessschritte H2O-Elektrolyse und Methanisierung: Zuerst wird mit Strom Wasserstoff erzeugt, der dann mit CO2 zu Methan reagiert – dem Hauptbestandteil des Erdgas’, weitgehend zu verwenden wie der fossile Energieträger.

Entwickelt wurde diese Speichertechnologie vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg und dem Fraunhoferinstitut für Windenergie und Energiesystemtechnik. Zusammen mit den beiden Forschungsinstituten soll "Solar Fuel" die Kommerzialisierung der Technik voran treiben.

Die Energiewende braucht Stromspeicher. Und zwar solche, die in der Lage sind, große Energiemengen längere Zeit zu speichern und dabei flexibel zu sein, wie Rieke sagte. Zudem dürfe man nicht zu "stromfixiert" denken: Denn als Strom wird in Deutschland nur 18 Prozent des Energiebedarfs verbraucht, dagegen nutze man 41 Prozent der Energie als Wärme und 21 Prozent für die Mobilität. Vor diesem Hintergrund sei die Methanisierung der Speicher der Zukunft, denn mit ihr ließe sich das deutsche Strom- und Gassystem koppeln – mit einer Reihe von großen Vorteilen, so der Ingenieur.

Das Erdgasnetz sei nicht nur weitaus besser ausgebaut als das Stromnetz, erklärte Rieke, es könne auch ein vielfaches an Energie transportieren. Ein durchgreifender Ausbau des (Fern-)Stromleitungsnetzes ist damit überflüssig. Das Erdgassystem biete zudem eine Speicherkapazität von rund 220 Terrawattstunden: Genug, um auch weiterhin den Gasbedarf über Monate sicher zu stellen und gleichzeitig als Stromspeicher zu dienen. "Power-to-Gas" biete ein vielfaches an Einsatzmöglichkeiten, sagte Rieke: Methan müsse nicht zwingend zurück in Strom transferiert werden, es könne in Blockheizkraftwerken, in der Chemie, zum Heizen und als Treibstoff genutzt werden. Der Wirkungsgrad betrage von Strom zu Methan rund 60 Prozent, der reine Strom-zu-Strom-Wirkungsgrad etwa 35 Prozent. Auch die Abwärme könne bei beiden Verfahren genutzt werden.

Die Funktionsfähigkeit des Systems ist aus der Sicht Riekes längst belegt: 2009 nahm sein Unternehmen eine Demonstrationsanlage mit 25 Kilowatt in Betrieb. Noch in diesem Jahr wird eine Anlage mit einer Leistung von 6,3 Megawatt in Betrieb gehen. 2015 soll die Technologie mit 20-Megawatt-Anlagen marktreif sein.

Rieke bemängelte zwar die mangelnde Unterstützung der Politik, seine Zuhörer im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus konnte er gleichwohl von der neuen Technologie überzeugen. Die Zunahme der erneuerbaren Energien lasse es nicht mehr zu, nachts mit Billigstrom zu pumpen und mittags teuer zu verkaufen. "Der Bau eines Pumpspeicherwerks lässt sich unter heutigen Prämissen nicht mehr rechtfertigen", bilanzierte Rieke.