Ideen für die Altstadt der Zukunft

Jörn Kerckhoff

Von Jörn Kerckhoff

Mi, 09. Mai 2018

Bad Säckingen

Infoveranstaltung für Bürger hat sich mit den energetischen Einsparpotentialen im Bad Säckinger Zentrum befasst.

BAD SÄCKINGEN. Energetische Einsparpotenziale hat die Altstadt von Bad Säckingen jede Menge. Aber wie sollen diese genutzt werden, ohne dabei mit dem Denkmalschutz zu kollidieren? Und wie soll die Altstadt künftig überhaupt gestaltet werden? Genau darüber haben sich Haubesitzer des Altstadtquartiers, Vertreter von Stadt und Gemeinderat sowie Mitarbeiter der Energieagentur Lörrach am Montag gemeinsam Gedanken gemacht. Damit hat ein Prozess begonnen, der vermutlich einige Jahre andauern wird.

"Die Altstadt ist ein besonders prägnantes Beispiel für eine energetische Sanierung unter schwierigen Bedingungen", so Bürgermeister Alexander Guhl vor rund 50 Teilnehmern, die zu der Bürgerinformationsveranstaltung unter dem Motto "Energetisches Quartierskonzept – Zukunft Altstadt" in die Mensa des Scheffelgymnasiums gekommen waren.

Die Gebäude der Altstadt sind aufgrund ihrer Bauweise energetisch eher schlecht aufgestellt, Energie und Wärme werden aus fossilen Energieträgern gewonnen. Wieviel Rücksicht muss bei Sanierungen auf den Denkmalschutz genommen werden und wo steht der energetische Gedanke über dem des Denkmalschutzes? Inwieweit müssen bei Sanierungen auch der demografische Wandel berücksichtigt und Barrierefreiheit geschaffen werden? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer innerhalb der Veranstaltung während eines Workshops, bei dem es um die Zukunft der Altstadt ging. "Nehmen sie bei Ihren Ideen erstmal keine Rücksicht auf die Realität oder die Finanzierung, sondern sammeln Sie einfach Ihre Visionen", forderte Anselm Laube von der Energieagentur die Teilnehmer auf, ruhig auch mal zu spinnen.

Gar nicht so einfach, die eigenen Gedanken völlig ins Kraut schießen zu lassen, aber die Beteiligten gaben sich alle Mühe, sich ihre Altstadt der Zukunft vorzustellen. Für den Umweltbeauftragten der Stadt Bad Säckingen, Ralf Däubler, wäre es etwa ein Ziel, dass die Altstadt bis zum Jahr 2025 CO2-neutral gestaltet wird und keine fossilen Energieträger mehr verbrannt werden. Ein Ziel, das Däubler für gar nicht so hochgegriffen hält.

Damit diese Vorstellung keine Vision bleibt, muss sich aber an den Rahmenbedingungen für die Gestaltung der Altstadt offenbar einiges ändern. Dies machte die Ideensammlung der Anwesenden deutlich. So dürfte den Hauseigentümern bei einer energetischen Sanierung ihrer alten Gebäude der Denkmalschutz nicht permanent Auflagen machen, die eine Sanierung unmöglich machten oder die Kosten in die Höhe treiben. Die Stadt müsse als erster Ansprechpartner agieren, wenn es um Beratung sowie die Beantragung von Fördermitteln geht. Die Altstadtsatzung müsse im Hinblick auf Sanierungen flexibler gestaltet werden – dies waren nur einige Ideen, die zusammengetragen wurden. Auch sonst versuchten die Beteiligten, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Mehr Grünflächen in der Altstadt, gleichzeitig ein Verkehrs- und Parkplatzkonzept, das sowohl Auto- als auch Radfahrern sowie dem Öffentlichen Personennahverkehr gerecht wird, ein Ausbau des Internets und die Förderung des Tourismus waren Ideen, die geäußert wurden. Dass die Vorstellungen der Teilnehmer sich dabei teilweise widersprachen und natürlich auch nicht alles umzusetzen sein wird, liegt in der Natur der Sache. Und natürlich hängt die Umsetzung der Ideen am Ende immer von der Finanzierung ab. Doch Geld sollte an diesem Abend ganz bewusst keine Rolle spielen.

Die Mitarbeiter der Energieagentur des Landkreises Lörrach nahmen am Ende der Veranstaltung alle Ideen mit und wollen daraus nun einen Maßnahmenkatalog für eine Neugestaltung der Bad Säckinger Altstadt erstellen. Dieser soll bei einer zweiten Bürgerinformationsveranstaltung am 21. September vorgelegt werden. Außerdem soll dieser auch in den Gemeinderat gehen, der sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen soll.