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26. November 2010

Jugendkultur ist politisch

Jugendliche setzen sich zwei Tage lang in Workshops mit Jugendkulturen auseinander.

  1. Die Leiterin des Projektes „Culture on the Road“, Gabriele Rohmann, bei der Abschlussveranstaltung der Jugendkultur-Workshops, bei der sie in Bad Säckingen vor Jugendlichen und interessierten Erwachsenen sprach. Foto: felicitas rohrer

BAD SÄCKINGEN. "Jugend hat Kultur" heißt eine Veranstaltungsreihe des Landkreises Waldshut, die sich einen Monat lang mit dem Thema Jugendkultur auseinandergesetzt hat. Verschiedene Workshops, die sich in Zusammenarbeit mit dem Berliner Projekt "Culture on the Road" mit dem Thema Jugendkultur befassten, gingen im Kinder- und Jugendhaus Bad Säckingen zu Ende. Nach der Gothic-Party und dem "Dance for Tolerance" waren die Workshops bereits die dritte Veranstaltung in Bad Säckingen.

Die Schüler der Klassen neun und zehn konnten sich im Jugendhaus über die Funktion von Jugendkulturen informieren. Zu den Themen "HipHop/Rap", "Von Disco zu House zu Techno", "Dark Side of Rock ’n’ Roll" und "Krasse Töchter" erklärten Referenten, um was es bei den jeweiligen Jugendkulturen geht und ließen die interessierten Schüler mitmachen. Mehr als 80 Schüler aus Bad Säckingen, Waldshut, Murg und Lauchringen nahmen an den zwei Tagen teil. Die pädagogische Leiterin von "Culture on the Road", Gabriele Rohmann, und fünf Helfer waren zuständig für den Inhalt und die Organisation der Workshops. Sie waren extra aus Berlin, dem Ursprung des Projektes, angereist. Ziel war es, aufzuzeigen, wie vielschichtig und interessant Jugendkulturen sind und vor allem, welche Hintergründe sie haben.

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Rohmann weiß, dass es gegenüber vielen Jugendkulturen Vorurteile gibt. So würden viele beim Thema HipHop an Homophobie und Sexismus denken, bei Gothic an Satanismus. Diesen Vorurteilen etwas entgegen zu setzen und das Potenzial und die Talente der Jugendlichen zu fördern, ist das Anliegen Rohmanns. "On the Road", also auf der Straße, sind sie und ihre Mitarbeiter dann, um das Wissen aus eigenen Erfahrungen in den Szenen in insgesamt 53 Workshops mit den Jugendlichen zu teilen. Mit DJ und Skateboardanlage und viel Enthusiasmus reisen sie quer durch Deutschland und kooperieren dabei mit Schulen und Jugendeinrichtungen. Durch die Workshops lernen die Jugendlichen auch automatisch etwas über aktuelle Themen wie Rassismus, erläutert Rohmann. Denn Jugendkulturen sind alle auf ihre Art politisch. Jugendliche können also ihre Erkenntnisse vertiefen und ihr eigenes Interesse entdecken. Und vor allem lernen, dass man dafür arbeiten muss, wenn man in dem gut sein wolle, was einen interessiere. "Jugendszenen haben einen großen Einfluss auf den Rest der Jugend", weiß Rohmann. Und deshalb gilt es Aufklärungsarbeit zu leisten und Begeisterung zu wecken. So waren auch die Jugendlichen in Bad Säckingen begeistert von den Workshops. Am Donnerstag durften sich dann alle anderen erwachsenen Interessierten im Landratsamt Waldshut ein Bild von den Jugendkulturen machen.

"Culture on the Road" ist Teil des Archivs der Jugendkulturen Berlin, das als einzige Institution in ganz Europa Bücher, Zeitschriften, Fotos und CDs verschiedener Jugendkulturen sammelt, um diese zu dokumentieren und die Hintergründe zu beleuchten. Auch einen eigenen Verlag besitzt das Archiv, der Bücher über die Geschichte und aktuelle Entwicklung verschiedener Jugendkulturen veröffentlicht und Bücher, die direkt aus der Szene kommen, sogenannte "Szeneselbstdarstellungsbände".

Autor: Felicitas Rohrer