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10. Juni 2017

Leben ins Haus bringen

Die Ausstellungen im Seniorenzentrum St. Franziskus haben inzwischen ein großes Renommee.

  1. Karl-Heinz Huber und Christel Deboben begutachten ein Werk von Carola Krumm. Foto:  Hrvoje Miloslavic

AD SÄCKINGEN. Nicht nur als angesehene Wohnstätte für in die Jahre gekommene Menschen ist das Seniorenzentrum St. Franziskus bestens bekannt. Seit 2011 – nach umfangreichen Bau- und Generalsanierungsmaßnahmen – hat sich das Altenheim auch zu einer vorzüglichen Adresse für die bildende Kunst gemausert. Die ansehnliche Liste von Ausstellungen namhafter Künstler der Region, auf die das Haus inzwischen verweisen kann, steht ganz im Einklang mit der erklärten Absicht, die Lebensqualität der Bewohner stetig auf hohem Niveau zu halten.

B Elena Romanzin, Ulli Wunsch, Werner Dietz, Alois Zimmerman, Thomas Asal, Willi Reichelsdorfer, Hansjörg Bißwurm oder Hilda Lützelschwab – die Liste der Künstler, die im Erdgeschoss des Seniorenzentrums bereits Werke ausgestellt haben, liest sich wie ein kleines Who-is-Who der regionalen Künstlerprominenz. Geschäftsführer Karl-Heinz Huber sowie die Qualitätsbeauftragte Christel Deboben schätzen im Gespräch mit der BZ die positive Wirkung der Kunstwerke auf die Bewohner als sehr hoch ein.

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Die Menschen kämen heutzutage immer später in ein Pflegeheim, so die Erfahrungen Hubers. Dies spreche zwar für eine gute Abdeckung mit ambulanten Pflegeangeboten. Dafür seien die Menschen zum Zeitpunkt ihres Einzuges in ein Pflegeheim oftmals älter und gebrechlicher als früher. Wenn alte Menschen aber "nicht mehr am Leben draußen teilnehmen können, dann bringen wir eben das Leben ins Haus", bringt es Huber auf den Punkt.

Kein Zufall ist es, dass sich ausgerechnet die Qualitätsbeauftragte des Seniorenzentrums zur hauseigenen Kuratorin profiliert hat. Die gute Seele der kulturellen Aktivität im St. Franziskus ist Christel Deboben. Sie ist nicht nur selbst sehr kunstinteressiert, sondern kann auch auf Besuche von Malkursen bei prominenten Lehrern wie Werner Dietz, Bettina Zielinski oder Elena Romanzin verweisen. Dank ihrer vorzüglichen Kontakte gelinge es immer wieder, Ausstellungen und Werke namhafter Malerinnen und Maler in das Zentrum zu holen, lautet das Lob Hubers. An der sehr positiven Wirkung der Kunst auf die Befindlichkeit der Bewohner haben Deboben und Huber keinen Zweifel: "Eine kulturelle und kommunikative Bereicherung", ist sich Huber sicher. Die Bewohner treffen sich mit ihren Angehörigen im Erdgeschoss in der Cafeteria. Die ausgestellten Werke regten dann zum Gespräch an. Auch unter den Bewohnern sind die Ausstellungen oftmals Gesprächsthema, ergänzt Christel Deboben. Dass Geschmäcker bekanntlich verschieden sind und bei der Bewertung der Werke nicht immer Einigkeit besteht, liege ja in der Natur der Sache.

Trotz des guten Rufs zögern manche Künstler

Gerade in Zusammenhang mit der Berichterstattung in der Presse fühlten sich die Bewohner richtig "wertgeschätzt", so die Erfahrungen Debobens. Diese seien dann oftmals ganz stolz auf "ihre neue Ausstellung".

Auch die Rückmeldungen von Seiten der Künstler seien durchweg positiv, versichern die beiden. Trotz des inzwischen sehr guten Rufs des Hauses als "Kunstgalerie" gestaltet sich das Werben um die Künstler aber nicht immer einfach: Mit einem Pflegeheim assoziieren viele Menschen nun mal Alter, Gebrechen, Krankheit oder Tod – und nicht gerade Kunst, so Huber. "Die Adresse kann schon abschreckend wirken".

Wenn die Künstler dann aber das Haus beträten, ändere sich das schlagartig. So sei etwa der Wehrer Maler Hansjörg Bißwurm "angenehm überrascht" vom schönen Ambiente des Hauses gewesen, erinnert sich Deboben.

Besonders stolz sind Deboben und Huber, dass sich die Räumlichkeiten im Erdgeschoss – der als Galerie fungierende Gang, die Hauskapelle sowie der von mehreren Vereinen genutzte Multifunktionsraum – inzwischen zu einem gut frequentierten, halböffentlichen Raum entwickelt und den Charakter einer Begegnungsstätte angenommen haben.

Derzeit ist die Ausstellung "Abstrakt und farbintensiv" mit Werken von Carola Krumm zu sehen. Die Ausstellungen im Seniorenzentrum St. Franziskus sind montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Autor: Hrvoje Miloslavic