Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Mai 2012

Neue Songs und die besonderen Geschichten dahinter

"SWR3 Live Lyrix" vor ausverkauftem Gloria-Theater / Alexandra Kamp und Ronald Spiess zeigten sich höchst wandlungsfähig.

  1. Gefühlvoll spielten Alexandra Kamp und Ronald Spiess in den SWR3 Live Lyrix im Gloria-Theater Szenen aus Popsongs nach. Foto: Roswitha Frey

BAD SÄCKINGEN. Liebeskummer, Trennung, Eifersucht: Da läuft Kino im Kopf ab, wenn auf der Bad Säckinger Gloria-Bühne Popsongs schauspielerisch inszeniert werden. Mit neuen Titeln aus den Charts und neuer Show begeisterten die "SWR3 Live Lyrix" vor ausverkauftem Haus. Die Idee, Texte englischsprachiger Songs zu übersetzen und von Schauspielern sprechen und szenisch nachspielen zu lassen, kommt super an. Denn so mancher Hit, den man sonst nebenher mit halbem Ohr hört, erzählt eine besondere Geschichte: Geschichten von Paaren, die auseinander gehen, von gebrochenen Herzen, vom Leben als ewigem Fluss. Genau hinzuhören, was die Poptexte zu sagen haben, und das in Schauspiel-Performances mit Licht- und Bildprojektionen umgesetzt zu sehen, ist unterhaltsam und spannend.

Als prominenten Neuzugang begrüßte SWR-Moderator Ben Streubel, der mit locker-flockigen Sprüchen schlagfertig seinen Charme als beliebter Radiomann versprühte, die Schauspielerin Alexandra Kamp. Langbeinig auf Highheels, im roten engen Kleid agierte die TV-Schöne neben dem smarten Ronald Spiess, einem Beau mit Dreitagebart, der sich darstellerisch wandlungsfähig gab. Emotional eindringlich spielten die beiden Szenen einer zerbrochenen Liebe in "Another Cup of Coffee" von Mike and The Mechanics: die traurige Story über eine verlassene Frau, die verzweifelt gegen die Erinnerungen ankämpft. Alexandra Kamp sitzt da, umklammert ihre Kaffeetasse, während Ronald Spiess mit Mantel und Koffer erscheint und die "Bruchstücke seines Lebens" aufsammelt. "Schau nicht zurück, gib nicht auf", sagt sie, als er weggeht. Im "Lazy Song" ist Spiess der allein gelassene Mann, der sich unter die Decke verkriecht und nicht mehr aufstehen will.

Werbung


Mal hektisch mit Handy, dann cool und sexy

Von Liebe über den Tod hinaus erzählt der Song "Je l’aime à mourir" von Shakira, der von dem französischen Chansonnier Francis Cabrel inspiriert ist. Gefühlvoll setzte das Schauspielerpaar das romantische spanisch-französische Lied um.

In "Stronger" von Kelly Clarkson gibt Alexandra Kamp die traurige und trotzige, selbstbewusste und verletzliche Frau, die nach dem Ende der großen Liebe nicht zerbricht: "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker". Hektisch zwischen Handy und Laptop mimt sie in "Rumour" von Megastar Adele die Verlassene, die ihren Ex nicht vergessen kann. In Katy Perrys "Last Friday Night" taumelt Kamp als verkaterte Partynudel mit Filmriss über die Bühne und in "Hair" von Popqueen Lady Gaga tanzt sie cool und sexy und macht mit wilder Haarmähne auf Rebellion. Im Gegenzug hat Ronald Spiess starke Auftritte als Lover, der in "Drive by" nach der Liebe seines Lebens sucht.

Den tiefsinnigen Mann am Fluss gibt der Schauspieler in dem vom SWR exklusiv aufgelegten, nach 43 Jahren "entstaubten" und neu vertonten Song "The River" von Udo Lindenberg. Der Rocksänger ließ sich von seinem Lieblingsdichter Hermann Hesse zu diesem philosophischen Lied über den Fluss als Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens inspirieren. Der Blick auf das fließende Wasser, die Gesichter im Strom, der eingeblendete O-Ton Lindenbergs, das klang tiefgründig und poetisch. Ebenso unter die Haut ging der Anti-Kriegs-Song "Travelling Soldier" der Countryband Dixie Chicks über einen jungen Soldaten, der in Vietnam gefallen ist. Bewegend spielte Spiess den einsamen Soldaten und Kamp die Kellnerin, der er rührende Briefe von der Front schreibt.

Auch Kultiges aus der Popgeschichte gab es mit David Bowies Space-Song, in dem Spiess im Astronautenanzug schwerelos ins (Bühnen-)All entschwebte. Eine eindringliche Performance gelang dem Darsteller als ausgebrannter Rock-Cowboy in Bon Jovis "Wanted dead or alive". Für ein Song-Ratequiz, bei dem es einen SWR3-Elch zu ergattern gab, holte Streubel zwei Mutige aus dem Publikum auf die Bühne. Und bei der ausgeflippten Zugabe aus der Rocky Horror Picture Show tanzte eine Zuschauerin so toll mit, dass Streubel sie glatt für die Tour engagieren wollte.

Autor: Roswitha Frey