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20. März 2017

Rasante Komödie voller Spielwitz

Die Festspielgemeinde Bad Säckingen feiert eine hinreißende Premiere mit dem Stück "Und ewig rauschen die Gelder".

  1. Für umwerfenden Witz und Situationskomik sorgen Detlef Bengs, Gerald Hacker und Hilde Butz in der rasanten Verwechslungskomödie „Und ewig rauschen die Gelder“ bei der Bad Säckinger Festspielgemeinde. Foto: Frey

  2. Johanna Weiß sucht ihren Verlobten Norman. Foto: Roswitha Frey

BAD SÄCKINGEN. Viel zu lachen hatte das Publikum bei der bejubelten Premiere der Komödie "Und ewig rauschen die Gelder" im Festspiel-Gemeindehaus Bad Säckingen. Schlag auf Schlag geht es in diesem Stück des britischen Lustspielautors Michael Cooney mit aberwitzigen Verwicklungen, Verwechslungen und Täuschungsmanövern. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus in dieser temporeich inszenierten Farce, bei der das Ensemble der Festspielgemeinde mit sprühender Spiellaune und viel schwarzem Humor amüsiert.

Als hübscher Gag tritt Regisseurin Renate Kraus im Prolog als neugierige Klatschtante auf, die mit Argusaugen verfolgt, was bei ihrem Nachbarn Eric Swan vor sich geht, und ein paar aktuelle Anspielungen auf den Brexit einbringt. Schließlich spielt das Stück in England, im Hause von Eric Swan, der seinen Job verloren hat und dies verheimlicht. Weil er keine neue Arbeit kriegt, erfindet er Untermieter und Familien, die angeblich unter seinem Dach leben, und kassiert Unterstützungen. Irgendwann wächst Eric die Sache über den Kopf und er will aus dem Schlamassel herauskommen.

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Als eine Prüferin vom Sozialamt an der Tür klingelt, droht der Schwindel aufzufliegen. Zu allem Übel entdeckt Erics Frau seltsame Perücken, Korsetts und Frauenkleider und argwöhnt, ihr Mann sei ein Transvestit. Bald geht es drunter und drüber mit den Heimlichtuereien, Missverständnissen und Vertuschungsaktionen: Tür auf, Tür zu, rein und raus, Türenknallen, Versteckspiele, zack, zack, zack, immer neue ungebetene Besucher geben sich die Klinke in die Hand.

Dramaturgisch geschickt lässt Renate Kraus die aberwitzige Story zunächst ruhiger angehen und zieht dann das Tempo an. Gut getimt in den Pointen, mit Gags am laufenden Band und umwerfend lustigen Szenen drehen Kraus und ihr glänzend aufgelegtes Ensemble immer stärker auf. In der Kulisse mit Blumentapete, Sofa und drei Türen, hinter denen ständig einer verschwindet, geht es hoch her mit irrwitzigen Verwirrungen.

Zu komödiantischer Höchstform läuft Hauptdarsteller Detlef Bengs als Eric Swan auf. Das ist umwerfend witzig, wie Bengs mit allen Tricks und Finessen, Unschuldsmiene und vollem gestisch-mimischem Einsatz den Geheimniskrämer und Schwindler spielt, sich in haarsträubende Ausreden flüchtet, vortäuscht, jemand anderer zu sein, den Gichtkranken am Stock mimt, und ein wahnwitziges Chaos anrichtet.

In ebenso blendender Spiellaune und mit trefflicher Mimik und Gestik agiert Gerald Hacker als argloser, kreuzbraver Untermieter und loyaler Freund Norman, der wider Willen in das Betrugsmanöver hineingezogen wird und allerlei erfundene Personen spielen muss – bis hin zur köstlichen Travestie-Nummer als Misses Swan in Frauenkleidern. Helmut Kaltenbach als Mit-Komplize Onkel George treibt das Tohuwabohu mit slapstick-reifen Szenen auf die Spitze. Das ist schon akrobatisch, wie er hinter der Tür in Deckung geht und mit der Bahre auf dem Rücken treppauf, treppab rennt.

Im altmodischen Kostüm, mit Brille und Perücke gibt Hilde Butz die penible Miss Jenkins, die Prüferin vom Sozialamt, so ein Typ graue Büro-Maus. Wie Butz diese biedere, schrullige, ein bisschen altjüngferliche Miss spielt, die nach diversen Tässchen Tee und Gläschen Sherry immer besäuselter wird, hat hinreißend süffisanten, pointierten Humor der feinen englischen Art.

Erfrischend in den empörten Ausbrüchen spielt Sandra Lutz die Ehefrau Linda, die sich über das seltsame Treiben in ihrem Haus wundert und ihren Mann in verfänglichen Situationen ertappt. In weiteren Rollen amüsieren Carla Langer als überfürsorgliche Sozialarbeiterin, Evelyn Marten und Joshua Kramer als verklemmte Eheberater im Doppelpack, Janine Roth als um Pietät bemühte Dame vom Bestattungsinstitut und Johanna Weiß als süße Blondine Brenda, die völlig aufgelöst ihren Verlobten Norman sucht. Einen wirkungsvollen Auftritt hat Brigitte Weissbrodt als strenge Chefin vom Sozialamt, die die Vorkommnisse überprüft. Sie und die reizende Miss Jenkins sorgen zum Schluss für einen zündenden Knall-Effekt.

Weitere Aufführungen am 24.,25.,26., 31. März, 1., 2. April, 19.30 Uhr, Festspiel-Gemeindehaus Hildastraße 2. Karten: 07761/9987560

Autor: Roswitha Frey