Rundum gelungenes Theatervergnügen mit der Festspielgemeinde

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 12. April 2016

Bad Säckingen

Die Besucher der Komödie "Endlich allein" haben auch deshalb viel Spaß, weil es auf der Bühne zugeht wie im echten Familienleben.

BAD SÄCKINGEN. Bei Familie Butler hängt der Haussegen schief: Die Mama hat die Nase voll vom ewigen Stress und träumt vom Reisen und einer Künstlerkarriere, der Papa geht fremd, und die erwachsenen Kinder erweisen sich als hartnäckige Nesthocker. Mit dieser Komödie "Endlich allein" landete die Festspielgemeinde Bad Säckingen einen durchschlagenden Premierenerfolg. Die 120 Zuschauer im ausverkauften Festspielgemeindehaus kamen aus dem Lachen kaum heraus, das Publikum tobte vor Begeisterung und bejubelte die Darsteller ausgiebig.

Das Ensemble um Regisseurin Renate Kraus spielt in diesem Broadway-Hit von Lawrence Roman mit so viel Witz, pointierten Dialogen und perfekt getimter Situationskomik auf, dass es ein rundum gelungenes Theatervergnügen ist. Die Geschichte um das Ehepaar Butler, das sich auf die neugewonnene Freiheit freut, weil die Kinder endlich aus dem Haus sind, wirkt wie mitten aus dem Leben gegriffen. Die vielen Lacher zeigten, dass solche Situationen aus dem Familienleben wohl bekannt sind. Regisseurin Renate Kraus hat im Bühnenbild zwischen Koffern, Sesseln und Kamin alles an Dialogwitz und turbulenten, humorvoll zugespitzten Szenen aus dem Stück herausgeholt. Die Inszenierung bietet aber nicht nur amüsante Einblicke in das Hotel Mama als Zufluchtsort, sondern auch heftigen Ehe- und Generationen-Streit. Da wird es auch laut, werden Türen geknallt, kochen Emotionen und Konflikte hoch wie im echten Familienleben – also eine Komödie mit Tiefgang, die es in sich hat.

Es fängt schon einfallsreich an mit einem Überraschungs-Rap von Renate Kraus. Dann dröhnt laute Rockmusik durchs Haus und Hilde Butz als Mutter Helen Butler brüllt: "Roberta, stell’ diesen fürchterlichen Krach ab!". Roberta ist das Küken der Familie und verlässt als Letzte das Elternhaus.

"Traurig, dass sie geht, und froh, dass sie geht" ist Mutter Helen, die sich nach 30 Jahren Mamadasein fühlt wie "am Ende eines Tunnels". Hilde Butz ist in der Rolle der genervten, zwischen Freiheitstrip und Familienfrust, Selbstverwirklichung und Mutterliebe hin und her gerissenen Helen allein schon einen Theaterbesuch wert. So hinreißend vital in Mimik und Gestik, mit ironischem Funkeln und pointensicherem Spiel gibt sie diese Frau, die nicht länger nur Mutterglucke sein will. An ihrer Seite agiert ebenso bravourös und mit kraftvoller Bühnenpräsenz Gerald Hacker als Familienvater George, der die Wogen glättet, aber auch mal einen ordentlichen Wut- und Gefühlsausbruch hinlegt. Köstlich die Szene, in der das Ehepaar ein amouröses Schäferstündchen vor dem Kamin verbringen will und Hilde Butz verführerisch viel Bein zeigt, die beiden Turtelnden aber durch Schritte, Türeknarren und einen Eindringling gestört werden.

Es ist Tochter Michelle, die klammheimlich wieder eingezogen ist. Sandra Lutz, mit wirrer Haarmähne und Brille, mimt in der Art eines zerstreuten weiblichen Einsteins das junge Mathematikgenie Michelle, das ständig Labor-Experimente macht, aber im Leben nichts auf die Reihe kriegt und daheim unterschlüpft: "Tut das gut, die alte Bude wieder zu haben". Erfrischend, mit jugendlichem Elan und munterer Spielfreude agieren auch Carla Langer als flügge gewordener Teenager Roberta in engen Jeans, Matthias Ngo als charmant-schlitzohriger Sohn Eliott, ein notorischer Frauenheld in Texaskluft mit Fransenweste, und Valeria Perrupato als College-Studentin Janie mit heißen Hotpants und freizügigen Reden über Liebe und Sex. Die Youngster mit ihren Marotten und Problemen sorgen dafür, dass es im überfüllten Hotel Mama drunter und drüber geht: Tür auf, Tür zu, Mutter völlig entnervt und aus der Fassung, Papa immer am Beschwichtigen, bis, uff, endlich wieder Ruhe einkehrt. Aber nur bis zum Überraschungs-Gag am Schluss, wenn Renate Kraus als weiterer ungebetener Gast bei Butlers einzieht ...

Endlich allein: Vorstellungen am 15.,16., 22.,23., 24. April, 19.30 Uhr, Festspielgemeindehaus Hildastraße 2/Ecke Basler Straße. Telefon 07761/58376