Engagierte Gymnasiasten

Schüler-Gruppe führt fairen Kaffee im Lehrerzimmer ein

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Do, 10. Januar 2019 um 20:36 Uhr

Bad Säckingen

Die Fairtrade AG des Bad Säckinger Scheffelgymnasiums will Schüler für gute Arbeitsbedingungen sensibilisieren. Die Gruppe hat nicht nur die Kaffeewahl im Lehrerzimmer beeinflusst, sondern auch die Auswahl neuer Bälle.

"Was macht ihr da?" fragt ein Schüler, der während der großen Pause am Glaskasten vorbeiläuft. Clara Brüker, Nadine Schlageter und Niklas Ruf verkaufen im Scheffelgymnasium Fairtrade-Produkte. Es ist eine von vielen Aktionen rund um das Thema Fairtrade an der Bad Säckinger Schule. Seit genau einem Jahr gibt es die Fairtrade-Projektgruppe, die immer wieder Aktionen macht und vor allem eines will: Die Schüler für gute und faire Arbeitsbedingungen sensibilisieren.

"Wir sind eine Fairtrade-School." Plakat in der Mensa

Die Idee für die Projektgruppe kam durch den Thementag, der immer am Ende des Schuljahres stattfindet. Für die achte Klassenstufe wurde hierfür das Thema "Eine Welt" ausgewählt. Dabei ging es unter anderem um fair produzierte Kleidung. Mehrere Lehrer, die das Thema gut fanden, wollten es auch beibehalten. Deshalb gibt es nun seit genau einem Jahr die Fairtrade-AG.

"Wir sind eine Fairtrade-School" ist auf einem großen Plakat in der Mensa des Scheffelgymnasiums zu lesen. Die Schule hat im Rahmen des Fair-Stadtfestes im vergangenen September ein offizielles Zertifikat vom Verein zur Förderung des fairen Handels in der einen Welt "TransFair" erhalten. Dafür musste sie mehrere Kriterien erfüllen: Die Projektgruppe gründen, ein Dokument erstellen, das die Unterstützung von fairem Handel bestätigt, faire Produkte verkaufen, eine Schulaktion starten und das Thema im Unterricht behandeln. Cordula Ritter unterrichtet Mathe und Gemeinschaftskunde und betreut die Fairtrade-AG. Laut ihr gehört das Thema so oder so schon immer zum Unterrichtsplan.

Fair gehandelte Rosen zum Muttertag

Verschiedene Schulaktionen organisiert die AG immer wieder: Als eine der erfolgreichsten Aktionen galt der Verkauf von fair gehandelten Rosen für einen Euro zum Muttertag. Das ganze funktionierte so gut, dass die Fairtrade-AG sogar Rosen nachbestellen musste. Am Ende hatten sie 345 Exemplare verkauft. Im vergangenen Dezember gab es eine Woche lang einen Pausenverkauf für faire Weihnachtsgeschenke. Einige Schülerinnen und Schüler waren dafür extra im Weltladen in Murg. Dort suchten sie sich die Dinge aus, die sie verkaufen wollten. "Alle waren ganz begeistert, was es da alles gibt. In Bad Säckingen gibt es so einen Laden ja nicht", sagt Cordula Ritter.



Das Fairtrade-Projekt hat auch mehrere Fachschaften beeinflusst: So gibt es im Lehrerzimmer jetzt nur noch Fairtrade-Kaffee. Als neue Sportbälle nötig waren, wurden nur fair produzierte angeschafft. Im vergangenen Schuljahr beschafften sich die Abschlussklassen faire Abishirts. Auch die Schulshirts tragen das Label "fair produziert" .

"Meine Schwester hat mich angesteckt", sagt Nadine Schlageter auf die Frage hin, warum sie Teil der Fairtrade-Gruppe ist. "Ich habe in Büchern von ihr über die Arbeitsbedingungen in verschiedenen Ländern gelesen. Dann gab es plötzlich dieses Angebot und ich dachte, ich schaue mal rein", so die 17-Jährige, die die zwölfte Klasse besucht. Die gleichaltrige Clara Brüker wurde durch einen Infozettel auf die AG aufmerksam.

Schülern ist die Auseinandersetzung wichtig

Insgesamt 14 Schüler, Lehrer und Eltern stehen dort auf der Teilnehmerliste. "Das sind mal mehr und weniger", sagt Ritter. Auch die Treffen der AG sind unregelmäßig: "Mal treffen wir uns einmal im Monat, mal alle zwei Wochen. So, wie gerade etwas ansteht", so die Mathelehrerin. Für Niklas Ruf war die beste Aktion der AG bisher die Teilnahme am Fairtrade-Stadtfest im vergangenen September. Dort haben die Schüler Fairtrade-Ware aus dem Schmidts-Markt an einem Stand mit selbstgemachten Plakaten zum Thema Fairtrade verkauft. Sie wollten die Besucher für das Thema sensibilisieren. Für den 16-jährigen Ruf ist Fairtrade wichtig: "Ich finde es eine gute Idee, Fairtrade den Schülern näher zu bringen. Jeder verdient es, ein angemessenes Gehalt für seine Arbeit zu bekommen", so Ruf.

"Alle sagen immer, Fairtrade sei so teuer. Dabei stimmt das gar nicht." Clara Brüker

Der Elftklässler möchte dafür ein Bewusstsein schaffen. "Teilweise funktioniert das durch unsere Präsenz. Vielen Schülern ist die Haltung aber egal. Oder sie sind abgeschreckt durch den Preis, da es doch etwas teurer ist als Schokolade beim Discounter." Brüker empfindet das nicht so: "Alle sagen immer, Fairtrade sei so teuer. Dabei stimmt das gar nicht."

Das sollen auch Aktionen wie der Pausenverkauf zeigen: Schokolade wird für 1,80 Euro angeboten oder einen Kerzenständer gibt es für 70 Cent. Das teuerste ist ein Stern für 15 Euro.