Viel Beifall für den ewig jungen Emil

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 13. November 2017

Bad Säckingen

Der Schweizer Kabarettist spielt im Bad Säckinger Gloria-Theater an zwei Abenden nacheinander vor ausverkauftem Haus.

BAD SÄCKINGEN. Weißes Haar, verschmitztes Lächeln, funkelnder Schalk im Blick und eine unübertreffliche Mimik: Gleich mit seiner ersten Nummer als schusseliger Garderoben-Mann mit Ärmelschonern erobert der Schweizer Kult-Kabarettist Emil Steinberger das Publikum im Bad Säckinger Gloria-Theater im Sturm. An zwei Abenden präsentierte der populäre Schauspieler und Komiker vor ausverkauftem Haus seine hinreißende Sketch-Parade "Emil – Noch Einmal".

Unnachahmlich, wie der 84-Jährige frisch, gewitzt, spontan und locker wie eh und je in die Paraderollen seiner legendären Sketche schlüpft und die Zuschauer mit seinem liebenswürdigen Humor über volle drei Stunden bei bester Laune hält. Am Samstag und Sonntag war ein achtköpfiges Basler Filmteam vor Ort, um die Vorstellungen live aufzunehmen. Für die Gloria-Macher ist es "eine große Ehre", dass Steinberger die Gastspiele in ihrem Haus für den Live-Dreh ausgewählt hat und am Sonntag hier die letzte Show der Tournee spielte.

Es hat etwas Hintergründig-Selbstironisches, wenn "Emil" fragt, warum der Garderoben-Mann in seinem Alter noch arbeite. "Er will einfach!", sagt er spitzbübisch. Außerdem könne er mit seiner kleinen Rente nicht überleben und müsse etwas dazuverdienen. Kleine Leute, Menschen aus dem Alltag zu beobachten und darzustellen, kann Emil Steinberger wie kein Zweiter. Seit "Emil" gibt es einen anderen Blick auf das Allzumenschliche und das Alltagsleben, plaudert er aus dem Erfahrungsschatz seiner langen Karriere. Habe man sich früher über hochnäsige Beamte aufgeregt, lache man heute darüber und denke sich: "Das gäbe eine tolle Emil-Nummer."

Wie humorvoll und hintersinnig er Menschentypen aufs Korn nehmen kann, zeigt er in der Nummer als neugieriger Rentner, der mit dem Stumpen im Mund aus dem Fenster schaut und auskundschaftet, was die Nachbarn so treiben. Die Sketche verknüpft Steinberger mit launigen, witzigen, durchaus auch zeitkritischen Bemerkungen zu aktuellen Themen wie den heutigen Senioren, die sich ihre Zeit bei Kursen wie "Kleiderbügel basteln aus Bierdosen" oder "Cannabis-Anbau im Alter" vertreiben.

Immer wieder wechselt er agil in verschiedene Rollen, zum Beispiel die des Piloten, der sich für seine allererste Landung einen "Co-Piloten" aus dem Publikum holt und eine höchst turbulente "Flugstunde" abhält. Einen Lacher nach dem anderen fährt Steinberger im Sketch aus dem Eisenbahnabteil ein, wo er als Bahnreisender die anderen Passagiere mit seinem ständigen Gequassel nervt.

Köstlich ist auch die Nummer als nörgelnder, besserwisserischer Beifahrer im Auto auf Parkplatzsuche. Umwerfend in der Mimik und Gestik, wie Steinberger dieses Hin- und Her-Rangieren auf zwei Stühlen parodiert. Natürlich darf auch der Klassiker nicht fehlen: Emil als unbedarfter, verschlafener Polizist Schnyder auf der Hauptwache nachts um drei, wenn das Telefon klingelt. Eine tickende Bombe vor dem Haus? Da wünscht er "angenehme Ruhe". Ein Einbrecher im Keller? Da rät er der verschreckten Anruferin: "Erschrecken Sie ihn!". Dieser Sketch wirkt so zeitlos im Humor wie die Paradenummer auf dem Telegrafen-Amt. Im weißen Kittel, mit Brille und zerknautschter Miene mimt Steinberger den begriffsstutzigen, gemächlichen Mann vom Telegrafen-Amt, der beim Kreuzworträtseln und bei den Telegrammen alles durcheinander bringt. Stichwort "Ogtern" und "Egel"... Geschickt schlägt Emil einen Bogen von dieser herrlich altmodischen, nostalgischen Telegrafen-Szene zu den heutigen digitalen Kommunikationsformen und zur Handy- und App-Manie der jungen Generation.

Die Mischung aus aktuellen Geschichten, die Steinberger mit pointiertem Witz erzählt, und den beliebten Sketchen macht das Programm sehr abwechslungsreich, lustig und erheiternd. Ob er einen Vater spielt, der den Kinderwagen auf den Kopf stellt, die Vereins-Meier auf die Schippe nimmt, den "achten Bundesrat" auf weinseliger Rede-Tour parodiert oder mithilfe des mitsingenden Publikums als uriger Bauer mit Mütze und Pfeife die Bauernregeln erklärt: Immer begeistert Emil Steinberger mit liebenswürdigem Humor, augenzwinkernder Ironie und einem sympathischen Blick auf das Menschliche. Das Publikum dankt diesem ewig jungen "Emil" mit riesigem, warmherzigen Beifall und einer spürbaren Welle der Sympathie.