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11. Februar 2010 18:00 Uhr

Öko-Institut berät in Sachen Pumpspeicherkraftwerk

Vier Gemeinden Seite an Seite

In Sachen Pumpspeicherkraftwerk Atdorf wollen die Städte und Gemeinden Bad Säckingen, Wehr, Rickenbach und Herrischried ihre Öffentlichkeitsarbeit bündeln. Dabei berät sie das Öko-Institut.

  1. Gemeinsam: die Bürgermeister Norbert Moosmann, Michael Thater, Martin Weissbrodt, Christof Berger und Regine Barth vom Öko-Institut. Foto: Axel Kremp

BAD SÄCKINGEN / WEHR / RICKENBACH / HERRISCHRIED. Bei allen Fragen rund um das vom Schluchseewerk geplante Pumpspeicherkraftwerk Atdorf wollen die betroffenen Städte und Gemeinden Bad Säckingen, Wehr, Rickenbach und Herrischried fortan mit einer Zunge sprechen und dabei eng mit dem Öko-Institut zusammenarbeiten. Das entsprechende Konzept stellten die vier Bürgermeister gestern gemeinsam mit Umweltjuristin Regine Barth vom Öko-Institut vor.

Das Öko-Institut, so sagte es Regine Barth, verstehe sich im Verlauf der in Bälde beginnenden Genehmigungsverfahren für das Pumpspeicherkraftwerk, des Raumordnungs- und des abschließende Planfeststellungsverfahrens, als eine Art Übersetzer zwischen den Fachgutachtern auf der einen Seite und der Bevölkerung auf der anderen Seite. Und genau das ist auch das Anliegen der vier Bürgermeister Martin Weissbrodt, Bad Säckingen, Michael Thater, Wehr, Norbert Moosmann, Rickenbach, und Christof Berger, Herrischried. Sie wissen, dass das Informationsbedürfnis der Bevölkerung über dieses "Jahrhundertprojekt" (Martin Weissbrodt) riesengroß ist und sie wissen auch, dass die Materie so komplex ist, dass sie selbst für verwaltungserfahrene Gemeinde-Chefs und langjährige Gemeinderäte kaum zu durchdringen ist. Da setzt die Arbeit des Öko-Instituts ein. Es wird im Auftrag der vier Gemeinden ein fachliches Konzept erarbeiten, das unter anderem öffentliche Veranstaltungen, eine gemeinsame Internetseite, Darstellungen in den Gemeinde-Mitteilungsblättern und Diskussionsforen in kleineren Fachkreisen vorsieht. Kurz: Den Bürgermeistern geht es um eine neutrale Informationsbasis.

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Das Öko-Institut, so sagten Weissbrodt, Thater, Moosmann und Berger gestern gleichlautend, sei der Garant für diese Neutralität. Eine Neutralität, die weder Regine Barth noch die vier Bürgermeister dadurch in Frage gestellt sehen, dass die Kosten des Projekts vom Schluchseewerk übernommen werden. Dass der Projektträger solche Kosten übernimmt, sei, so Michael Thater, üblich und werde, so Regina Barth, auch andernorts in vergleichbaren Mediationsverfahren so praktiziert. Das Öko-Institut, so meinten die vier Bürgermeister, sei in Sachen Neutralität über jeden Zweifel erhaben, weshalb Christof Berger hofft, "dass auch die heftigsten Kritiker des Projekts bei diesem Namen etwas ruhiger werden".

Im März wird es zwei öffentliche Veranstaltungen geben

Aufgabe des Öko-Instituts wird es nicht nur sein, den Dialog der vier Gemeinden mit der Bevölkerung zu koordinieren, es wird auch die vier Kommunalverwaltungen und die vier Gemeinderatsgremien während der Genehmigungsverfahren beraten. "Wir haben 130 Experten, die ich zu Rate ziehen kann", sagt Regine Barth. Und selbstverständlich wird das Öko-Institut dabei auch das Gespräch mit der Bürgerinitiative Atdorf und den Umweltverbänden in der Region suchen. Sein erster Ansprechpartner aber wird ein Steuerungskreis sein, den die vier Bürgermeister gegründet haben und dem auch das Schluchseewerk sowie als Gäste das Regierungspräsidium und das Landratsamt angehören.

Konkret geplant sind bereits zwei öffentliche Veranstaltungen. Am 4. März wird es um Wehr um die Frage gehen, ob das rund eine Milliarde Euro teure Pumpspeicherkraftwerk energiewirtschaftlich überhaupt notwendig ist. Und am 16. März wird es in Herrischried um den Ablauf eines Raumordnungsverfahrens und dessen Funktion im weiteren Genehmigungsverfahren gehen. Thema wird auch sein, zu welchen Fragen sich die Bürger in dieses Raumordnungsverfahren einbringen können.

Öko-Institut: Das Öko-Institut mit Sitz in Freiburg gilt als eines der europaweit führenden unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet es Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Umweltjuristin Barth kommt vom Büro Darmstadt des Instituts. Ein drittes Büro unterhält es in Berlin.

Autor: Axel Kremp