Wilde Affen und Riesenspinnen

sgro

Von sgro

Fr, 19. Juli 2013

Bad Säckingen

Zwei Monate lang lebt die Bad Säckingerin Svenja Groschupp im Dschungel Ecuadors / Exotische Tiere und Früchte sind ihr Alltag.

BAD SÄCKINGEN/ PUYO,ECUADOR. Die Schwüle des Regenwalds, zeternde Papageien und Riesenspinnen sind nur einige der Widrigkeiten, mit denen unsere Mitarbeiterin Svenja Groschupp derzeit zu kämpfen hat. Zwei Monate lang arbeitet sie als Freiwillige in der Wildtierauffangstation Sacha Yacu im ecuadorianischen Dschungel. Von dort berichtet die Bad Säc

kingerin über ihren Alltag.

Wenn wir aus dem dichten Gehölz des Dschungels ins Freie hinaustreten, trifft die Hitze einen wie ein Schlag. Und oft dauert es nur wenige Minuten, bis plötzlich ein heftiger Regenguss auf den Wald niedergeht. Ein Paradies für Tiere.

Ihrem Schutz hat sich im Dschungelgebiet "El Oriente" eine ganze Familie gewidmet: 2006 gründete Marcia Guatatuca, Mutter von acht Kindern, die Rettungsstation nördlich von Puyo. Seitdem beteiligen sich abwechselnd alle Familienmitglieder an der Arbeit mit den Tieren sowie mit den Freiwilligen. Aus aller Welt kommen seither junge Leute nach Ecuador, um eine Zeit lang in Sacha Yacu zu leben und bei täglich anfallenden Arbeiten mitzuhelfen. Das Zentrum beherbergt etwa 60 Tiere, darunter viele Affen, Schildkröten, mehrere Papageien-Arten, Wildschweine, einen Tiger und einige andere Arten. "Die Tiere kommen aus Zoos oder Zirkussen, viele wurden auch als Haustiere gehalten, immer jedoch unter miserablen Bedingungen", erzählt Adrián Alvarez, der derzeit das Zentrum leitet. In Sacha Yacu leben diese Tiere schließlich in Gehegen im Wald und werden gefüttert und beobachtet, bis sie ausgewildert werden können. Finanzielle Unterstützung bekommt die Familie dabei von niemandem. "Die Regierung unterstützt bloß Zoos, aber keine Auffangstationen. Dabei wissen sie fast nichts über die Tiere und verstehen nicht, dass sie in den Zoos viel schlechter behandelt werden", so Flavio Alvarez.

Nahrungsmittel, Tierfutter, Werkzeuge und Baumaterial kann nur durch die Freiwilligen bezahlt werden. Einkommen hat die Familie Guatatuca-Alvaréz fast keines.

Dass alle diese Tiere eine Menge Arbeit machen, wurde mir bereits nach einigen Tagen klar. Während morgens die Fütterung stattfindet, fallen nachmittags andere Aufgaben an: Neue Käfige werden gebaut und alte repariert, man sammelt Insekten für die Affen, geht fischen oder erntet Zuckerrohr, Papayas und Kakaofrüchte. Dennoch lässt sich ein Tag im Dschungel niemals planen. Ständig wird man vor neue Herausforderungen gestellt: eine Wasserleitung bricht, das Auto bleibt im Schlamm stecken oder aggressive Wildschweine streunen um die Hütten herum. Doch das Zentrum ist eine sehr enge Gemeinschaft und ich bin immer wieder überrascht, was man zusammen alles meistern kann.

Freiwillige wie auch die Familienangehörigen leben in einfachen Holzhütten. Es gibt weder Strom noch warmes Wasser, doch an das Fehlen von Fernsehen, Internet, Kühlschrank und Supermarkt gewöhnt man sich schnell. Dafür kann man nach getaner Arbeit mit Menschen aus aller Welt zusammen in einem Tümpel baden oder sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, während rundum der Regenwald in all seinen Farben vor Leben pulsiert – ein einzigartiges Gefühl.

Daran, dass man sich mitten im Dschungel befindet, wird man ständig erinnert. Früh morgens beginnen Affen auf den Blechdächern unserer Holzhütten herum zu springen, Papageien streiten sich um Papayas und Bananen, nachts sieht man riesige Insekten- und Spinnenarten.

Es gibt hier inmitten des ecuadorianischen Dschungels nicht vieles, was aus einem Leben in der Zivilisation übrig bleibt. Doch gerade dadurch werden die Kontakte zu Einheimischen und anderen Freiwilligen viel wichtiger und wertvoller.