Zickenkrieg im Opernhaus

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 04. März 2013

Bad Säckingen

Viel beklatschte Premiere bei der Festspielgemeinde.

BAD SÄCKINGEN. Während Topmodel Heidi Klum wieder Kandidatinnen auf den Laufsteg schickt und Dieter Bohlen den Superstar sucht, läuft bei der Festspielgemeinde Bad Säckingen eine etwas andere Casting-Show: Ein Opernhaus sucht seine Stars. Mit der Casting-Show beginnt die Komödie "Der Impresario", die am Freitagabend im Festspiel-Gemeindehaus ihre viel beklatschte Premiere feierte.

Die Anspielungen auf TV-Shows, die Regisseurin Renate Kraus in das Stück nach Carlo Goldoni eingebracht hat, sind augenfällig. Geht es in der Neubearbeitung von Horst Laube doch um rivalisierende Opernsänger, die um Engagements buhlen. Das Publikum hat sein Vergnügen an dem komödiantisch ausgetragenen Zickenkrieg im Opernmilieu. Strippenzieher(in) des Intrigenspiels ist Hilde Butz als reicher Kunstmäzen Graf Lasca.

Zunächst wird Butz als arrogante Gräfin Lasca mit Pelzmantel und Sonnenbrille eingeführt. Dann verwandelt sie sich auf offener Bühne in den Grafen Lasca, der mit schneidigem Bärtchen und messerscharfer Zunge seinen Rachefeldzug gegen die schrillen Soprane und röhrenden Tenöre führt. Butz spielt in der Hosenrolle grandios auf, gibt den besessenen Opernliebhaber brillant in der Sprache, dem hinkenden Gang, der verächtlichen Miene, der mephistophelisch funkelnden Rachelust im Blick. Als gräflicher Rächer lockt sie die Sänger in ein verlottertes "Drecksloch" von Hotel in Venedig, wo der Graf den Sängern den Traum von einem glanzvollen Opernhaus in Smyrna vorgaukelt.

Günter Kraus als türkischer Diener Ali, der sich als reicher Kaufmann ausgibt und von den Diven umschwärmt wird, läuft zu großer komödiantischer Form auf. Mit unerschütterlicher Ruhe, trockenem Humor und Bauernschläue gibt er den Ali, der das Rachespiel nach seinen eigenen Regeln spielt. Amüsant inszeniert ist das Schaulaufen der launischen Primadonnen und abgetakelten Tenorhelden. Die Damen rauschen in knallbunten Roben herein: Brigitte Weissbrodt als stolze Lucretia, die ihre Reize gezielt einsetzt, hat ebenso theatralisch wirksame Auftritte wie Maria Kruse als ehrgeizige Jungsopranistin Annina, die ihre Konkurrentin als Fregatte bezeichnet. Ebenso prächtig in Szene setzt sich Rita Schnabel als launenhafte Primadonna Tognina.

Die neidischen Diven übertrumpfen sich an Eitelkeiten, Lästereien und Bosheiten, dass es ein Vergnügen ist. Auch die Herren agieren in bester Spiellaune: Detlef Bengs als eingebildeter Startenor Caluccio, der beduselt an der Wasserpfeife hängt, Walter Schnabel als frustrierter Pasqualino und Helmut Kaltenbach als katzbuckelnder, schüchterner Dichter. Erfrischend agieren Emily Bengs und Nimet Gökcanak als vorlaute Wirtstöchter.

Wie die Bewerber um Rollen und Gagen kämpfen, aber auch das bittere Los der Künstler im gnadenlosen Konkurrenzkampf offenbaren, inszeniert Renate Kraus als sprühend geistvolles Lustspiel mit viel Dialogwitz und entlarvender Situationskomik, aber auch ernsteren Untertönen. Am Schluss bieten Kraus und ihr glänzendes Ensemble richtige Operndramatik, einen Showdown mit Melodrama und Knalleffekt.

Aufführungen im Festspiel-Gemeindehaus am 8., 9.,10.,15.,16. und17. März, jeweils um 19.30 Uhr. Karten: Telefon 07761/58376