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11. November 2016

"Dafür habe ich kein Verständnis"

Badenweiler wünscht sich seit mehr als drei Jahrzehnten einen Radweg zwischen Lipburg und Niederweiler, doch der Landkreis sperrt sich.

  1. Zwei Kilometer liegen zwischen Lipburg und Niederweiler. Die Aussichten auf Verwirklichung des von der Gemeinde Badenweiler gewünschten Radwegs entlang der Kreisstraße jedoch sind nicht gut. Foto: Silke Hartenstein

BADENWEILER-LIPBURG. Zwei Kilometer sind Badenweilers Ortsteil Lipburg und Müllheim-Niederweiler voneinander entfernt, verbunden sind sie durch die Kreisstraße 4947. Da liegt der Gedanke nahe, an dieser kurzen Strecke einen Radweg entlang der Kreisstraße anzulegen. Genau mit diesem Anliegen ist die Gemeinde Badenweiler seit 31 Jahren beim Landratsamt vorstellig, denn für die Radwegfinanzierung wäre der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zuständig. Seit 2001 melde man sich dort in regelmäßigen Abständen, sagt Bürgermeister Karl-Eugen Engler. Bislang ohne Erfolg.

Der letzte Vorstoß erfolgte in diesem Herbst beim Besuch von Landrätin Dorothea Störr-Ritter im Heilbad. In den kommenden sechs Jahren indes wird es wohl nichts mit dem Radweg. Am kommenden Montag, 14. November, befasst sich der Kreistag mit der Fortschreibung des Radwegeprogramms 2018 bis 2023 des Landkreises. Zu den 27 Radwegebauvorhaben, die laut Sitzungsvorlage voraussichtlich nicht in die Fortschreibung aufgenommen werden, gehört auch der 2,2 Kilometer lange Radwegebau Niederweiler-Lipburg mit geschätzten Kosten von 975 000 Euro. Er steht auf dieser Liste auf Platz 15 von 27.

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Wie Engler sagt, werde der Radweg seit Jahrzehnten immer wieder auf der Prioritätenliste des Radwegeausbaus nach hinten verschoben: "Dafür habe ich kein Verständnis." Bedarf am Radweg hätten etwa Jugendliche, die in Müllheim zur Schule gingen oder dort etwas unternehmen wollten und Lipburger, die in Niederweilers Supermarkt einkaufen. Lipburgs öffentlicher Nahverkehr besteht laut Angabe von Lipburg-Sehringens Ortsvorsteher Roland Nußbaumer aus den Schulbussen morgens und mittags.

Wie Engler erläutert, sind in Lipburg in den vergangenen Jahren zwei Neubaugebiete erschlossen worden, auch junge Familien seien in den 700 Einwohner zählenden Ortsteil gezogen. Als Bürgermeister eines Ferienorts, der 450 000 Übernachtungen pro Jahr zähle und sich bereits 1990 als Radfahrdestination positioniert habe, sehe er außerdem Bedarf am Radweg für sportlich ambitionierte Radfahrer und Feriengäste, die per Velo oder E-Bike unterwegs sind. Eine Alternativroute gebe es nicht und die schwach befahrene Kreisstraße verleite Autofahrer dazu, schnell zu fahren. Dass es von Lipburg nach Niederweiler stetig bergab und somit auf dem Rückweg stetig bergauf geht, spricht nach Englers Meinung nicht gegen einen Radweg – der Radweg Oberweiler-Schweighof beispielsweise führe auch nicht über ebenes Gelände.

Auf die Anfrage der BZ beim Dezernat "Verkehr und Öffentliche Ordnung" im Landratsamt verweist Pressereferent Matthias Fetterer auf die Sitzungsvorlage der Kreistagssitzung. 16 der insgesamt 43 beantragten Radwegebauten sind laut Sitzungsvorlage zur Aufnahme in die Fortschreibung des Fünf-Jahresprogramms Radwegebau an Kreisstraßen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald aufgenommen. Dazu kommen vier begonnene Vorhaben, die bis 2018 fortgeführt werden sollen. Das Radwegeprogramm sieht von 2018 bis 2023 Investitionsmittel von insgesamt 3,5 Millionen Euro vor, je zur Hälfte finanziert vom Landkreis und über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG).

Laut Entwurf des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt wurden in die Fortschreibung dieses Programms die Gemeinden, die Verkehrswacht und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub eingebunden. Dazu kamen seitens der Verwaltung umfassende Prüfungen, des Weiteren Analysen des bestehenden Radwegenetzes. Verwaltungsintern wurden die Bewertungskriterien für die Aufnahme der Radwege in das Programm überdacht, aktualisiert und mit einer prozentualen Gewichtung versehen. Die Ergebnisse wurden in die Arbeitsgruppe zur Fortschreibung des Radwegeprogramms eingebracht, hier stellte jede der sechs im Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt vertretenen Fraktionen ein Mitglied.

Die Bewertung erfolgte anhand eines komplexen Systems der Punktevergabe und prozentualen Gewichtung, betrachtet wurden hierfür Kosten pro Kilometer, Verkehrssicherheit, Schule, Arbeit, Anbindung an den Hauptort, Tourismus, Freizeit, ÖPNV und gemeinsamer Bau von Straße und Radweg. Die ins Programm aufgenommenen Wege liegen in der Gesamtbewertung zwischen 1,0 und 0,7 Punkten – der Radweg Niederweiler-Lipburg bekam dagegen gerade mal 0,3 Punkte.

Autor: Silke Hartenstein