Im Jahr 1864 fing alles an

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 19. Juni 2017

Badenweiler

Im Rahmen der Baumkulturtage gab viele interessante Informationen über Mammutbäume und wie sie nach Badenweiler kamen.

BADENWEILER. Die Badenweiler Baumkulturtage gingen am vergangenen Freitag weiter mit drei Vorträgen und einem "Höhenflug" zu den Gipfeln der beiden größten Mammutbäume im Kurpark. Dazu passte der Vortrag am Vormittag. Unter dem Titel "Von Kalifornien in den Kurpark – Mammutbäume in Badenweiler" informierte der Müllheimer Toxikologe und Dendrologe Jens-Uwe Voss über das Leben der Mammutbäume (Redwoods) und deren Weg nach Europa.

Voss, der von seinen Reisen nach Kalifornien eindrucksvolle Fotos mitgebracht hatte, erzählte seinen 35 Zuhörern von weißen Albino-Redwoods, die ausschließlich über das Wurzelsystem benachbarter grüner "Ammenbäume" am Leben gehalten werden, von Naturverjüngung dank kontrolliert gelegter Waldbrände und auch vom früheren respektlosen Umgang mit den Baumriesen. So wurden bald nach Entdeckung des Bergmammutbaums im Jahr 1852 viele Exemplare trotz ihres geringwertigen Holzes gefällt, man nutzte Baumstümpfe als Tanzböden und legte Durchfahrten in den Stämmen lebender Bäume an. Heute, so Voss, lebten 90 Prozent der Bergmammutbäume in drei kalifornischen Nationalparks.

Im Anschluss ging es mit Harald Schwanz, dem Leiter der Kurparkgärtnerei, in das Kurparkmuseum und zur Besichtigung der Sonderausstellung "Rund um den Mammutbaum, Sequoioideae". Hierzu gehören 30 Millionen Jahre alte fossile Hölzer aus Amerika, eine 142 Jahre alte Badenweiler Mammutbaumscheibe und auch opalisierte Zapfen aus Griechenland.

Die ersten Badenweiler Mammutbäume kamen 1864 über den Rhein in den Kurort. Ihre Sämlinge stammten aus der Gärtnerei Baumann in Bollwiller im Elsass. 1853 trafen die ersten Samen des Bergmammutbaums in Europa beziehungsweise in England ein. Damals war das, wie Voss in seinem Vortrag feststellte: "Das Gesprächsthema im Adel und Bürgertum." Somit war es auch für Großherzog Friedrich I. von Baden eine Ehrensache, die neue botanische Sensation im Kurpark anzusiedeln. Hierum kümmerte sich sein Hofgärtner Ernst Krautinger. Als Krautinger dann von 1870 an auch den Schlosspark gestaltete, durfte dort der Küstenmammutbaum nicht fehlen – Sämlinge dieser Art kamen bereits 1840 von Kalifornien über St.Petersburg in Russland nach England. Da seine natürliche Heimat die warmen Küstennebelwälder Kaliforniens sind, gedeiht der Küstenmammutbaum vor allem in Deutschlands Südwesten, auch auf der Insel Mainau.

Der Erhalt von Berg-, Küsten- und dem sommergrünen Urweltmammutbaum in Badenweiler ist mit einigem Aufwand verbunden. Wie Harald Schwanz auf BZ-Anfrage sagte, müsse der Durst der hohen Baumriesen in trockenen Jahren viele Monate lang über Tröpfchenbewässerung gestillt werden. Seit längerem werde regelmäßig im Wurzelbereich frischer Rindenmulch und organischer Dünger aufgebracht, auf der hierdurch heranwachsenden Humusschicht sollen künftig Trockenheit anzeigende Farne angepflanzt werden. Aktuell zählt Schwanz knapp 50 Jungbäume in der Kurparkgärtnerei, dazu im Kurpark acht mittelgroße Mammutbäume im Alter von bis zu 100 Jahren und zwölf stattliche Exemplare, davon vier rund 160-jährige. Im Vergleich zu ihren kalifornischen Artgenossen ist das ein zartes Alter. Wie Voss erzählte, lebt im Sequoia National Park ein 2500 Jahre alter, 84 Meter hoher Bergmammutbaum namens "General Sherman".