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12. August 2015

Kunst zum Stehenbleiben

Heidrun Reymann zeigt im Kunstpalais Badenweiler ihre Werke unter dem Titel "Clair – obscur" bis Mitte September.

  1. Das Werk „Déjà vu“ nach Jan van Eycks Arnolfini-Hochzeit von Heidrun Reymann Foto: Dorothee Philipp

BADENWEILER. "Clair – obscur", das Hin- und Herwechseln zwischen Licht und Dunkel, bestimmt die neue Ausstellung im Kunstpalais in Badenweiler. Gezeigt werden Bilder und Lichtobjekte der in Freiburg lebenden Künstlerin Heidrun Reymann. Dieses die Menschheit seit Jahrtausenden faszinierende Thema, das sich ausgehend vom steten Wechsel zwischen Tag und Nacht mit viel symbolischer Bedeutung aufgeladen hat, findet im Werk Reymanns ganz neue Facetten.

Die Künstlerin, die seit 1978 ihre Arbeiten in Europa und Südafrika zeigt, wo sie einige Jahre gelebt hat, geht ihre Themen sehr sorgfältig und gründlich an. Das beweisen die Serien, die sie aus einzelnen Ideen und Arbeitsmethoden heraus entwickelt, in denen die Aspekte des Motivs und der Aufgabenstellung aus vielen Blickwinkeln erforscht werden.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Meier-Faust lenkte in ihrer Einführungsrede der Vernissage den Blick auf die einzelnen Werkgruppen, die im Palais gezeigt werden und die aus den 1990er Jahren sowie den ersten Jahren des zweiten Jahrtausends stammen. Besonders eindrucksvoll sind die Lichtobjekte, die zunächst als einfache Bilder erscheinen, bis man an einem Schnürchen zieht und sie, von hinten beleuchtet, zusätzliche Formen und Motive erhalten. Diese entnimmt Reymann einer afrikanischen Symbolik für menschliche Erfahrungen und Eigenschaften wie Weisheit, Vertrauen, Seele, Veränderung und anderes. So entsteht über den rein dekorativen Moment dieser Bilder hinaus eine individuelle Ansprache an den Betrachter. Und die Bilder visualisieren eine spannende Mehrschichtigkeit, die sich durch die Lichtquelle offenbart.

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In ihren Bildern bevorzugt die Künstlerin neben einem klaren, geordneten Bildgefüge die beiden Primärfarben Blau und Gelb. Diese versteht sie als Farben für Spiritualität, Kosmos, Licht und Erkenntnis, wie sie selbst sagt. Eine weitere Werkgruppe befasst sich mit dem Phänomen der Metamorphose, diese Bilder bestechen durch einen geradezu klassischen Aufbau mit einem "bestirnten Himmelsgewölbe" auf einer Säulenreihe. Hier verwendet Reymann die uralte Technik der Enkaustik, des Arbeitens mit heißem Wachs und Farbpigmenten. So entstehen ein leichtes Relief und strahlende Farbmomente, die den Bildern Räumlichkeit verleihen.

Auch in der Serie "Déjà vu" verwendet Reymann diese Technik. Hier spielt sie mit dem Wiedererkennungseffekt von weltbekannten Kunstwerken von Matisse, Dürer, Tizian, Holbein und vielen anderen, mit Kunstwerken, die so bekannt sind, dass sie auch von der Werbeindustrie ausgeschlachtet werden. Schon gesehen und weiterlaufen? Hier nicht, denn diese Bilder nennen nur das Einprägsamste ihrer Vorlagen, reduzieren sie fast zu Piktogrammen und stellen die Formen in den Zusammenhang ihrer jahrhundertelangen Rezeption, etwa wenn Texte aus Veröffentlichungen oder Lexika zu dem betreffenden Werk unter der Farbe aufscheinen. Das animiert zum heiteren Klassiker-Raten, besticht aber gleichzeitig durch eine neue Ästhetik.

Mit Themen der griechischen Antike setzt sich Reymann im Zyklus "Mythen" auseinander: Herkules und Pegasus, Sisyphos und die Amazonen und andere Motive werden in einer Mischtechnik rezipiert und reflektiert. Und dann ist da noch die Werkgruppe "Schicht – Lothringen", eine Serie von gewachsten und auf Leinwand übertragenen Fotos aus einer leer stehenden Fabrikhalle in der stillgelegten Zeche "Lothringen" im Ruhrgebiet. Durch die Bearbeitung erhalten die Fotos einen eigentümlich zerbrechlichen Ausdruck, sie zeugen nach Meier-Faust von "geheimnisvollem Stillstand" und "verblichenem Glanz".

Dass Heidrun Reymann nicht nur Bildende Künstlerin, sondern auch Musikerin ist, zeigte sie am Ende der Vernissage: Zusammen mit dem Gitarristen Uli Haim interpretierte sie bekannte Songs zum Thema Licht wie "Sunny" und "You are the sunshine of my life" in bester Soul-Manier mit einem expressiven und voluminösen Alt.

Ausstellung von Heidrun Reymann "clair – obscur", Malerei und Lichtobjekte, im großherzoglichen Palais Badenweiler, Schlossplatz, bis 13. September; Öffnungszeiten Donnerstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr, am Sonntag, 23. August, 16 Uhr, Gespräch mit der Künstlerin; Tel. 07632 / 823818, http://www.kunstpalais-badenweiler.de ww.h-r-rey.de

Autor: Dorothee Philipp