Okay des Gemeinderats für Abendbus

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 20. September 2017

Badenweiler

Badenweiler Gremium stimmt mehrheitlich für Verbindung von Müllheim mit dem Kurort am späten Abend.

BADENWEILER. Der späte Abendbus vom Müllheimer Bahnhof nach Badenweiler wird die beiden Orte für ein weiteres Jahr verbinden. Laut Mehrheitsbeschluss des Badenweiler Gemeinderats soll der Abendbus der Linie 111 ab 22.15 Uhr von Müllheim Bahnhof aus bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 weiter nach Badenweiler fahren.

6351 Euro soll die Fortführung der Linie ab Niederweiler kosten, dieser Betrag wird in den Haushalt 2018 eingestellt. Auf Antrag von Bürgermeisterstellvertreter Hans-Dieter Paul (SPD) wird der Abendbus an sieben Tagen in der Woche die Badenweiler Parkplätze Ost und West anfahren. Sein Antrag war erforderlich, weil die Sitzungsvorlage zu diesem Punkt der Tagesordnung keinen Beschlussvorschlag enthielt. Das Thema "Beratung und Beschlussfassung über die Verbesserung des ÖPNV-Angebotes; Abendbusverbindungen" sorgte erneut für Diskussionsstoff im Gremium. Für Pauls Antrag fanden sich zehn Befürworter, Bürgermeister Karl-Eugen Engler und Roland Nußbaumer (SPD) enthielten sich der Stimme.

Die Geschichte der späten Abendbusse begann im Dezember 2014, als zwischen 20.11 Uhr und 22.15 Uhr drei zusätzliche Busse Müllheims Bahnhof und Badenweiler verbanden. Dieses fürs erste auf ein Jahr befristete Angebot kostete die Gemeinde Badenweiler anteilig 12 000 Euro pro Jahr. Im Oktober 2015 dann zeigte die Erhebung der Fahrgastzahlen durch die SWEG, den Betreiber der Buslinien, dass die drei Busverbindungen zwischen Niederweiler und Badenweiler mit durchschnittlich vier Fahrgästen nur wenig genutzt wurden. Daher lehnte der Gemeinderat zwei Jahre in Folge die weitere Finanzierung des Gemeindeanteils an den späten Abendbussen mehrheitlich ab. Im Dezember 2016 sprang dann die Bürgerinitiative Bus 111 in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (AGUS) in die Bresche, über Spenden wurde die Buslinie ab 22.15 Uhr von Müllheim über Niederweiler fortgeführt bis zum Badenweiler Parkplatz Ost. Als nächstes beantragte die Badenweiler Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/Die Grünen die Übernahme der Kosten für diesen Streckenabschnitt durch die Gemeinde Badenweiler, woraufhin sich der Gemeinderat im Mai 2017 erneut mit dem Abendbus-Thema befasste. 311 gesammelte Unterschriften verliehen dem Antrag der Grünen Nachdruck, und per Mehrheitsbeschluss beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung damit, das Thema nochmals zu bearbeiten, umfassende Informationen einzuholen und bis zur Klärung der AGUS einen monatlichen Zuschuss in Höhe der erforderlichen Kosten zukommen zu lassen. Nun, in der Sitzung am Montag, lagen die aktuellen Fahrgastzahlen vor. "Wir haben in diesem Jahr zehn Prozent mehr Fahrgäste verzeichnet", sagte SWEG-Betriebsleiter Martin Behringer. Werktags wurden im letzten Abendbus von Müllheim bis Niederweiler bei vier Zählungen im Jahr 2016 im Durchschnitt 15,7 Personen pro Fahrt ermittelt. 2017, nach der Weiterführung der Linie bis Badenweiler, wurden bei ebenfalls vier Zählungen 22,9 Fahrgäste erfasst, davon fuhren 5,1 Personen bis Badenweiler und eine Person von dort aus zurück. An den Wochenenden waren es 2016 durchschnittlich 13,1 Fahrgäste und 2017 bereits 21,3 Fahrgäste, davon fuhren 3,6 Personen bis Badenweiler. "Aufgrund der Zählergebnisse und der daraus hervorgehenden Frequentierung ist das Kosten- Nutzenverhältnis nach wie vor so gut wie unverändert", sagte Bürgermeister Engler dazu.

Angesichts von Ausgaben in Höhe von 6000 Euro pro Jahr für die Beförderung von sechs Fahrgästen meinte auch Nußbaumer (SPD): "Ich seh’ darin keine so richtige Zukunft." Martin Bauert (FWG) fand eine Busverbindung zu späterer Stunde sinnvoller. Für Kinobesucher in Müllheim sei die Abfahrt um 22.15 Uhr zu früh, stellte Bauert fest. Er regte an, für eine noch spätere Verbindung eine Kooperation mit der SWEG einzugehen, bei der die Verkehrsgesellschaft dann ein kleineres Fahrzeug einsetzen könne. Dazu stellte SWEG-Betriebsleiter Behringer klar, aufs Jahr gerechnet müsse auch ein kleiner Acht-Sitzer subventioniert werden.