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08. Juli 2015

Gemeinderat

Windkraft am Blauen: Badenweiler bleibt beim "Nein"

Der Gemeinderat Badenweiler spricht sich auch weiterhin gegen Windkraft am Blauen aus – auch Ortschaftsräte lehnen Standort ab.

  1. Windräder wie hier am Kandel möchten die Badenweiler Kommunalpolitiker am Blauen nicht sehen. Foto: DPA

BADENWEILER. Auch wenn der Wanderfalke als KO-Kriterium für den Windkraftstandort Blauen flach fällt, bleibt es beim "Nein" aus Badenweiler für die Flächen "Hohe Eiche-Blauen" und "Rossfelsen". Einstimmig sprachen sich am Montag die Gemeinderäte und die Ortschaftsräte aus Schweighof und Lipburg-Sehringen dafür aus, die beiden Standorte nicht in die Teilfortschreibung des Flächennutzungsplanes des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Müllheim-Badenweiler zur Ausweisung von Windkraftstandorten aufzunehmen.

Es bleibt somit beim zu Jahresbeginn getroffenen Gemeinderatsbeschluss von sechs Windkraftstandorten innerhalb des GVV. Da sich rund um die alten Horste seit mehr als fünf Jahren kein Wanderfalke mehr feststellen ließ, musste sich das Gremium erneut mit dem Thema befassen. Doch gibt es weitere Gründe, die den Bau von Windrädern an den Standorten "Hohe Eiche-Blauen" und "Rossfelsen" aus Badenweiler Sicht erschweren beziehungsweise ausschließen. Wie Susanne Miethaner vom Landschaftsarchitekturbüro Faktorgrün in Freiburg ausführte, gehörten dazu die vorgeschriebenen Lärmschutzabstände von 1000 Metern zu den Kurkliniken Haus Baden und Birkenbuck. Dieser Abstand ist erforderlich, um den Grenzwert von 35 Dezibel nicht zu überschreiten."Das ist keine Lex Blauen, sondern diese Abstände gelten fürs ganze Verwaltungsgebiet", sagte Bürgermeister Karl-Eugen Engler dazu.

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Auch gebe es an beiden Standorten Vorkommen des Auerhuhns, so Miethaner, würde hier dennoch gebaut, sei mit sehr hohen Aufwendungen für Ausgleichsmaßnahmen zu rechnen. Zudem sei der Bereich "Rossfelsen" ein gesetzlich geschütztes Biotop, während es am Blauen-Standort mit seinen hohen Windgeschwindigkeiten lediglich kleinere Biotopbereiche gebe. Dass die Flächen zudem innerhalb von Landschaftsschutzgebieten lägen, sei zwar kein Auschlusskriterium, berge jedoch hohes Konfliktpotential.

Das Wasserschutzgebiet Zone II wiederum, so Miethander, sei deckungsgleich mit dem Wanderfalkenschutzgebiet – wobei im Einzelfall eine Befreiung für Einzelanlagen möglich sei, dies liege im Ermessen der unteren Wasserbehörde. Hierzu gingen nochmals Stellungnahmen seitens der Gemeinde Badenweiler und der BTT ein, beide äußerten ihre Bedenken wegen der Gefährdung der Trinkwasser- und Heilquellen in diesem Bereich. Miethaners Fazit: Von der Fläche "Rossfelsen" bleibe nichts übrig, um dort eine Windkraftanlage zu installieren, bei der "Hohen Eiche-Blauen" sei dies in großen Teilen sehr schwierig.

FWG-Rat Martin Bauert fragte, warum bis heute kein Heilquellenschutzgebiet ausgewiesen wurde. Hierzu meinte Engler, da bislang der Wald diese Gebiete geschützt hätte, hätte man sich auf die Ausweisung von Heilquellenschutzgebieten im Ort beschränkt. Nun jedoch laufe seitens der BTT ein Verfahren zur Ausweisung der Thermalquellschutzgebiete. Wie lange solch ein Verfahren dauere, wisse er nicht. Bauert wollte auch wissen, was wäre, wenn der Gemeinderat Müllheim beim "Ja" zu "Hohe Eiche-Blauen" und "Rossfelsen" bliebe. Dann müsste ein potentieller Investor sämtliche Bedenken gegen diese Flächen ausräumen, antwortete Miethaner.

Im Anschluss präsentierte SPD-Gemeinderat und Vermessungstechniker Hans-Dieter Paul seine Berechnungen und Visualisierungen der möglichen Windkraftstandorte "Schrennengraben Kopf" und "Landkutschen". Da für ein Windrad eine ebene Fläche von mindestens 68 mal 105 Metern benötigt werde, so Paul, müsste die Kuppe des "Schrennengraben Kopfes" auf 12 Metern Höhe abgetragen werden, dies entspreche 22 000 Kubikmetern Gestein plus Erdreich, die abtransportiert werden müssten. Bei "Landkutschen" seien es 20 Meter und 43 000 Kubikmetern Material. Zu den Fotomontagen von Windrädern inmitten hoher Bäume, meinte Paul, solche Bäume müssten nach erfolgtem Windkraftanlagenbau erst mal nachwachsen.

Autor: Silke Hartenstein