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10. Februar 2017

"Wir rennen uns die Hacken ab"

"Runder Tisch Mobilität" in Badenweiler berät über die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten des ÖPNV.

  1. Die Linie 111 vom Müllheimer Bahnhof nach Badenweiler fährt momentan dank Spenden auch mit einer Spätverbindung um 22.15 Uhr. Foto: Dorothee Philipp

BADENWEILER. Eigentlich ist es ein Widerspruch: Um die Verlängerung des letzten Abendbusses der Linie 111 nach Badenweiler beizubehalten, müssen Spender gefunden werden, denen es wert ist, neben der Fahrkarte auch noch einen Beitrag für das ÖPNV-Angebot zu zahlen. Trotzdem: Die Initiative "Bus 111", die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (AGUS) sowie etliche interessierte Bürger aus Badenweiler wollen nicht locker lassen, den Kurort mit einem bedarfsgerechten und zukunftsfähigen Angebot im Nahverkehr zu versorgen.

Das wurde deutlich beim "Runden Tisch Mobilität", zu dem sich am Dienstag im Badenweiler "Fini-Resort" rund 20 Interessierte zusammengefunden hatten, um die nächsten Schritte zu beraten und in einem Stimmungsbild Meinungen einzuholen. Durch Spenden ist es gelungen, den Abendbus um 22.15 Uhr ab Bahnhof Müllheim bis Badenweiler zu erhalten.

Rückblende: Von Dezember 2014 bis Dezember 2015 gab es, gemeinsam finanziert von den Kommunen Müllheim und Badenweiler, drei zusätzliche Busverbindungen vom Bahnhof Müllheim nach Badenweiler und zurück. Im Dezember 2015 stieg der Kurort nach einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Projekt aus und Müllheim führte die drei Buslinien dann alleine weiter, sie endeten dann allerdings in Niederweiler. Diese Entscheidung bestätigte der Müllheimer Gemeinderat mehrheitlich im September 2016 für ein weiteres Jahr. Seit Weihnachten 2016 finanzieren AGUS und "Bus 111" über Spenden die Fortführung der letzten Verbindung bis nach Badenweiler Parkplatz Ost. Dieser Kompromiss kostet pro Monat 360 Euro.

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Ziel der Initiativen ist es jetzt, in einer Gemeinderatssitzung in Badenweiler die Entscheidung vom September 2016, das Busangebot nicht wieder aufzugreifen, zu revidieren. "Wir müssten das auf Spendenbasis nochmal drei Monate wuppen, um die Zeit bis zur nächstmöglichen Ratssitzung mit diesem Thema zu überbrücken", sagte Dagmar Goebes von der Initiative Bus 111. Denn um den Punkt wieder auf die Tagesordnung zu heben, muss eine Mindestfrist von einem halben Jahr verstrichen sein. Zwar hat der Gemeinderat Badenweiler damals auch beschlossen, in einem Arbeitskreis an alternativen Lösungen für den ÖPNV zu arbeiten, doch bisher steht noch kein diskutables Konzept im Raum. Kritik gab es am passiven Verhalten der Gemeinde: "Wir bewerben den Spätbus und rennen uns die Hacken ab. Mit dem guten Willen der Gemeinde haben wir schlechte Erfahrungen gemacht", sagte Goebes. Ein wiederholter Hinweis im Gemeindeblatt hätte da schon weitergeholfen.

Dass die Probezeit von einem Jahr für die Abendbusse zu kurz war, bestätigten etliche Anwesende. Jürgen Hauke von der AGUS meinte, dass eine Verbindung, die zuverlässig fahre, auch genutzt werde. Und Martin Richter, Kreisrat der Grünen und Müllheimer Stadtrat, gab zu bedenken, dass bei neuen Unternehmen fünf Jahre veranschlagt werden, in denen sie sich etablieren sollten.

Martin Behringer, Betriebsleiter der SWEG-Verkehrsbetriebe Markgräflerland, die die Linie 111 betreiben, konnte an diesem Abend mit einigen hartnäckigen Missverständnissen aufräumen: Die derzeitige Verlängerung nach Badenweiler Ost ist nicht über den Parkplatz West fortsetzbar, weil sonst der Fahrplan der drei Abendbusse vom Bahnhof nach Niederweiler, der von der Stadt Müllheim finanziert wird, nicht mehr funktionieren würde. Zweitens, die immer wieder vorgeschlagene Anschaffung von kleineren Bussen für die Randzeiten ist für das Unternehmen nicht wirtschaftlich. Die Spitzenzeiten der Auslastung kompensieren die magere Nutzung in den Randzeiten, so Behringer. Drittens: Die SWEG ist nicht für das Bus-Angebot verantwortlich, sondern die Gremien, die es bestellen – die Verkehrsverbunde und bei Sonderwünschen die Kommunen.

Doch es ging an diesem Abend nicht nur um den Ausbau der Linie 111. Ein regelrechter weißer Fleck auf der Landkarte des ÖPNV in Badenweiler sind die Ortsteile. Zum einen sollen die Senioren ihre Führerscheine freiwillig abgeben, wenn sie sich nicht mehr fahrtüchtig fühlten, andererseits, wie solle man denn dann zum Einkaufen oder zum Arzttermin kommen, wollte ein Paar aus Sehringen wissen. Hier gehe es nicht um nette Extras, sondern um Daseinsvorsorge.

Dass nicht nur die Älteren, sondern auch die Jugend von mehr Angeboten im ÖPNV profitieren würden, bestätigte eine Zuhörerin, die auf den "Mama-Corso" verwies, der oft spätabends von Schweighof in Richtung Bahnhof Müllheim unterwegs sei. Und auch die Flüchtlinge, die jetzt Arbeit gefunden hätten, seien froh, wenn sie nicht bei Nacht und Nebel lange Fußmärsche bis zur nächsten Haltestelle oder zum Bahnhof auf sich nehmen müssten. Dagmar Goebes verwies darauf, dass es schon viele gut funktionierende Konzepte in anderen Kommunen gebe, da müsse man sich einmal umhören, was für Badenweiler passen könnte. Einig war man sich in der Runde, dass es Zeit sei, kleine Schritte zu realisieren und gleichzeitig an einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept zu arbeiten.

Info: Die Initiative "Bus111" und die AGUS haben Fragebögen erstellt, um den Bedarf der Einwohner an ÖPNV-Verbesserungen zu erfahren. Sie können in der Goldschmiede Hermann am Zöllinplatz abgeholt und abgegeben werden. Der nächste Runde Tisch findet am Dienstag, 14.März, um 19.30 Uhr im Fini-Resort statt. Infos im Internet: http://www.agusmgl.org www.bus111.de

Autor: Dorothee Philipp