Von der Klassik bis zur Moderne

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Mo, 31. Oktober 2016

Bahlingen

Der Gesangverein Kaiserstuhl Bahlingen bot in der vollen Silberberghalle ein herausragendes Chorkonzert.

BAHLINGEN. Zwar ist Florian Bischof schon seit eineinhalb Jahren neuer Dirigent, doch war das Konzert "Sehnsüchte" am Samstagabend in der voll besetzten Silberberghalle das Erste unter seiner Leitung (die BZ berichtete). Die Sängerinnen und Sänger beeindruckten durch eine vielstimmige Klarheit und sorgten für Bravorufe und Jubel beim Publikum. Musikalisch hervorragend ergänzt wurde das Programm durch Auftritte des Duos Sebastian Wohlfarth an der Viola und Florian Bischof am Klavier und des Projektchores.

Von den Sehnsüchten nach Liebe, von dem Fern- oder Heimweh, von Strand, Sonne, Meer oder Mondschein handelten die Stücke, die Dirigent Florian Bischof mit dem Gesangverein Kaiserstuhl einstudierte. Bischof übernahm charmant und witzig die Moderation des Abends und gab zu jedem Programmpunkt eine kurze Erläuterung. Seine Aussage zu Beginn "ich fühle mich inzwischen sauwohl in Bahlingen" wurde durch das Konzert am Ende eindrucksvoll bestätigt. Mit dem von Johannes Brahms vertonten Volkslied "Erlaube mir, fein’s Mädchen" setzte der Chor ein. Im Folgenden begleitete Christian Nagel aus St. Märgen einfühlsam am Klavier die Lieder. Dem Heimweh des im Zug sitzenden Reisenden, der noch "900 Miles" von daheim entfernt ist, gab der Chor beginnend mit den zischenden Zugfahrtgeräuschen lebhaften Ausdruck.

Dass die Bandbreite des Liedgutes enorm sein kann, zeigte der nächste Titel: nämlich Alpin-Pop von Lorenz Maierhofer "Übern See". Aus der ehemaligen DDR stammte der nächste Song. In "Nach Süden" verband die Rockband "Lift" systemkritische und hochmetaphorische Texte mit melodischem Rock.

Dann folgte der erste Auftritt des Duos Sebastian Wohlfahrt und Florian Bischof. Eine tiefere Dimension der Sehnsucht wollten die hochkarätigen Musiker mit dem Titelsong des Films "Schindlers Liste" und dem anspruchsvollen "Kol Nidrei" von Max Bruch aufzeigen. Wohlfarth und Bischof gelang es mit diesen Werken spielend, die Silberberghalle in einen Konzertsaal zu verwandeln.

Spanisch wurde es im zweiten Block des Gesangvereins Kaiserstuhl. Mit drei Stücken nahm der Chor die Zuhörer mit auf die Reise der heißen Rhythmen und führte gleichzeitig zum heimlichen Höhepunkt des Konzertes hin: dem grandios gesungenen "Adios rios, adios fontes". Im Lied sehnt sich der Sänger am Ende des Lebens danach, die Stätten seiner Kindheit wiederzusehen und weiß doch, dass er sie nie wieder sehen wird.

Passend zu den spanischen Klängen bot das Duo Wohlfarth/Bischof im Anschluss Klänge von Astor Piazolla, der, wie Bischof erläuterte, den Tango aus den Bars auf die Konzertbühne geholt habe. Bei "Oblivion" wurde das Duo mit Christian Nagel am Klavier zum Trio. Bischof wechselte ans Akkordeon und zu dritt intonierten die Musiker eindrucksvoll "den traurigen Gedanken, den man tanzen kann". Temperament-, gefühl- und kunstvoll präsentierten Wohlfarth und Bischof danach "Le Grand Tango", was die Zuhörer mit begeistertem Applaus honorierten. Auch der Auftritt des Projektchors, der fünf Wochen gemeinsam probte, überzeugte mit spritzigen und modernen Songs. Mit dem Spiritual "My soul has been redeemed", "Come in and stay a while" und "Engel" von Rammstein ging der Projektchor der Sehnsucht nach Gott und Ruhe nach. Dem letzten Lied "Don’t worry, be happy" verpasste Florian Bischof einen neuen Text, in dem er die Sehnsucht des Dirigenten nach weiteren Sängern witzig beschrieb. Florian Bischof sang, begleitet durch den Chor und das Publikum.

Der letzte Programmpunkt war noch einmal dem Chor des Gesangvereins Kaiserstuhl vorbehalten. "Moon River", der berühmte Titelsong aus dem Film "Frühstück bei Tiffany" und der vertonte Segensspruch "Blessing of Aaron" beendeten das beeindruckende Konzert, zu dem Bischofs Vater Hans Bischof zwei Arrangements beitrug.

Nach kräftigem Applaus gab es vom Chor gemeinsam mit den Projektsängern die Zugabe "We Are The World" zu hören.