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31. Juli 2014 11:43 Uhr

Ärger um Sommerfest

Zoff wegen Lärm am Sportgelände

Weil ein vom Spielbetrieb genervter Anwohner klagte, hätte das Sommerfest des SV Ballrechten-Dottingen beinahe nicht stattgefunden. Andere Anrainer wollen sich mit dem Verein gütlich einigen.

  1. Die Ruhe beim Sommerhock des SV Ballrechten-Dottingen trügt. Foto: Veranstalter

Das traditionelle dreitägige Sommerfest auf dem Sportgelände ist für den Sportverein (SV) Ballrechten-Dottingen eine unverzichtbare Veranstaltung, weil eine wichtige Basis für den Vereinsbetrieb. Umso mehr freuten sich die Organisatoren, dass dieses Fest auch in diesem Jahr trotz kurzfristiger massiver Einwände stattfinden konnte.

Der gute Besuch unterstrich einmal mehr die Solidarität der Bürger. Gleichwohl hofft der SV, dass die Anwohner wenig gestört wurden. Aus Rücksicht verzichtete man an allen Tagen auf abendliche Musik.

Konflikte mit Anliegern sind dem SV nicht fremd, wurden aber bisher immer in Gesprächen gelöst, lässt der zweite Vorsitzende Thomas Ritzenthaler wissen. Die Richard-Löffler Sportanlage besteht seit 1972, das Clubheim seit 1976, der Rasenplatz seit 1986 und der Kunstrasenplatz seit 2012. Wer also in die Nähe zieht, dürfe nicht erwarten, dass ein Sportverein mit knapp 600 Mitgliedern und dem Schwerpunkt Fußball im Spiel- und Trainingsbetrieb geräuschlos existieren kann, betont er. Zwei aktive Mannschaften, die Alten Herren und acht Jugendteams, teilweise in Spielgemeinschaft mit Staufen, fordern ihren Tribut.

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Durch mehr Spiele

spitzte sich Konflikt zu

Seit den 1980er Jahren mussten immer wieder Kompromisse gefunden werden, um die Anrainer des Rasenplatzes zufrieden zu stellen. Vor vier Jahren spitzte sich der Konflikt aufgrund des vermehrten Spielbetriebs allerdings weiter zu. Seit 2011 führten der SV und Bürgermeister Bernhard Fehrenbach mit den kritischen Anwohnern mehrere Gespräche. Es wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet und mittelfristig ein Kunstrasenplatz auf dem bisherigen Hartplatz geplant, um den Betrieb zu entzerren. Mit der Einweihung des Kunstrasens 2012 war die Hoffnung auf Entspannung und zufriedene Anlieger groß. Doch nun beklagten sich die unmittelbaren Nachbarn des Kunstrasenplatzes. Der SV machte Zugeständnisse, legte Zeiten für Training, Spiel und Pflege fest.

Anfang 2014 lag ein Lärmgutachten vor, das die Gemeinde im Sommer 2013 in Auftrag gegeben hatte. Bei den Erläuterungen stellte sich heraus, dass der Trainingsbetrieb nach der Lärmschutzverordnung für Sportanlagen bis 22 Uhr zulässig ist, Spiele bis 20 Uhr dauern, aber an Sonntagen und Feiertagen grundsätzlich nicht zwischen 13 Uhr und 15 Uhr stattfinden dürfen. Zu beachten ist dabei, dass diese Vorgaben an maximal 18 Tagen im Jahr als sogenannte "seltene Ereignisse" überschritten werden dürfen. Hierzu zählen auch Veranstaltungen im Vereinsheim und Vereinsfeste. Man kam überein, dass bis August alle noch geplanten Veranstaltungen gelistet und besprochen werden sollten. Für die Saison 2014/15 wären die "18 seltenen Ereignisse" bis Juli 2015 einzuhalten.

Am 11. Juli 2014 erhielt die Gemeinde jedoch vom Verwaltungsgericht den Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zugestellt, bestätigt Bernhard Fehrenbach. Gefordert wurde die Unterlassung des Sommerfestes auf dem Sportgelände der Richard-Löffler-Sportanlage vom 26. bis 28. Juli. Der Kläger begründete das mit bereits 19 Terminen im ersten Halbjahr, an denen der SV die gesetzlichen Ruhezeiten angeblich überschritten habe. Das konnte widerlegt und das Fest durchgeführt werden. Die Bemühungen, dabei keinen Anlass zur Kritik zu bieten, waren groß. Denn SV und Gemeinde setzen weiter auf konstruktive Gespräche.

Eine deutliche Mehrheit zentral betroffener Anlieger hat sich inzwischen zusammengetan und in einer Unterschriftenaktion verlauten lassen, dass sie bereit sind, für zukünftige Regelungen eine solide Basis zu finden. Als direkte Nachbarn, so ist dort zu lesen, sehen sie, welche Anstrengungen der SV unternehme, um den Anliegern entgegen zu kommen. Als wichtige Aufgabe des Vereins wird die Kinder- und Jugendförderung gesehen. Begrüßt wird ebenso die langjährige Kooperation mit der Lebenshilfe Müllheim, die es Menschen mit Behinderung ermöglicht, die Sportanlage zu nutzen. Die Pro-SV-Nachbarn möchten nicht, dass der Verein soweit eingeschränkt wird, dass er seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Das Zauberwort wäre: Verständigung.

Autor: Sabine Model