Lange Erlen

Basler Wasserwerk produziert täglich 70.000 Kubikmeter Trinkwasser - ohne Chemie

/ Von Kristina Wollseifen

& Von Kristina Wollseifen

Do, 04. April 2013

Basel

Mitten in den Langen Erlen, einem grenznahen Naherholungsgebiet am Basler Stadtrand zwischen Wiese und Rhein, liegt das Basler Wasserwerk. Es produziert täglich ohne Chemie 70000 Kubikmeter Trinkwasser. Bis Wasser zu Trinkwasser wird, sind aber einige Etappen notwendig. Ein Besuch vor Ort zeigt, wie das Verfahren funktioniert und wie der Rohstoff Wasser geschützt wird.

Den Wasserhahn aufdrehen – mehr ist nicht nötig, um an klares Trinkwasser zu gelangen. Wer die Wasserproduktion im Kanton Basel-Stadt kennenlernen möchte, muss nur in das Gelände zwischen Lörrach, Weil am Rhein, Riehen und Basel gehen. Dort, im Wald zwischen Wiese und Rhein, mitten in den Langen Erlen, tauchen bei einem Spaziergang immer wieder die Gebäude des Wasserwerks zwischen den Bäumen auf. Mehr als zehn Tage braucht das Wasser bis es die vier größeren Etappen des Basler Grundwasserwerks überwunden hat.

DIE ERSTE ETAPPE

Das Trinkwasser kommt ursprünglich aus dem Rhein. Von dort wird es zur ersten Station in das 1,6 Kilometer entfernte Pumpwerk geleitet. Dann geht’s weiter zur Schnellfilteranlage, wo mit 800 Litern pro Sekunde das Wasser in das Einlaufbecken fließt. "Das ist pures Rheinwasser, inklusive kleiner Fische, Insekten und Schmutz", sagt Pascal Temmler, Leiter des Betriebs Anlagen/Wasser der IWB. Von da aus wird es weiter auf die insgesamt 20 Filterbecken verteilt, in denen das Wasser mit Hilfe einer 80 Zentimeter hohen Quarzsandschicht vorfiltriert wird. Die Düsen im Boden jedes Beckens, das eine Oberfläche von 50 Quadratmetern hat, halten den Sand zurück und lassen das Wasser hindurch. Das Wasser muss vorfiltriert werden, weil sich sonst die größeren Trübstoffe auf den Wässerstellen festsetzen und das Durchsickern des Wassers behindern würden. Täglich können hier bis zu 100 000 Kubikmeter Rheinwasser aufbereitet werden. Nach dieser mechanischen Stufe folgt die mechanisch-biologische in den Wässerstellen.

DIE ZWEITE ETAPPE

Von den elf im Naherholungsgebiet Lange Erlen verteilten Wässerstellen, die zusammen eine Fläche von 220 000 Quadratmetern haben, werden nicht immer alle gleichzeitig beansprucht. Wie in der Drei-Felder-Wirtschaft sind sie in Dreier-Einheiten zusammengelegt. Abwechselnd läuft auf eines der Felder zehn Tage lang Wasser, während die anderen beiden jeweils 20 Tage regenerieren. Erst nach dieser Pause wird eine Fläche wieder bewässert. "Dieses Verfahren gewährleistet, dass wir immer einen feuchten und keinen überwässerten Waldboden haben", erklärt Temmler. Wenn das Wasser im Erdreich versickert, machen sich aerobe Mikroorganismen, die für ihren Stoffwechsel Sauerstoff benötigen und anaerobe Mikroorganismen, die dafür keinen Sauerstoff benötigen, über verschiedene Stoffe des Wassers her – zusammen mit der natürlichen Filterwirkung der Gesteinsschichten wird das Wasser auf diese Weise schon bis zur Trinkwasserqualität gereinigt. Nach dem Versickern mischt es sich im Untergrund mit dem Grundwasser. "Der ganze Ablauf nennt sich künstliche Grundwasseranreicherung", erklärt Pascal Temmler. "Wir entnehmen nur so viel Grundwasser, wie wir wieder künstlich zuführen können." Denn wenn die Wasserversorgung nur über das Grundwasser gesichert werden würde, würde das bei Weitem nicht ausreichen. Ungefähr 15 Prozent des Trinkwassers bestehen aus natürlichem Grundwasser, 85 Prozent sind laut Temmler angereichert. So können bei ausreichender Wässerung auch in einem trockenen Sommer die Wasserversorgung gesichert werden.

DIE DRITTE ETAPPE

Elf Brunnen pumpen momentan das Wasser wieder an die Oberfläche. "Eigentlich ist das Wasser, das aus dem Brunnen kommt, schon Trinkwasser und kann getrunken werden", erläutert Pascal Temmler. Zur Vermeidung von Korrosionsschäden an den Rohren des Trinkwassernetzes wird anschließend noch mit Hilfe von Luft die Kohlensäure ausgetrieben. Danach folgt eine chemisch-physikalische Nachbehandlung, in der das Wasser über ein Aktivkohlebett geleitet wird. Es ist mit feinkörniger Kokosnussschalenkohle gefüllt, die Schadstoffe auffängt, die noch in kleinsten Mengen vorhanden sind. Die Kohle hat eine innere Oberfläche von 400 000 Quadratkilometern – zum Vergleich: Die Schweiz ist knapp mehr als 40 000 Quadratkilometer groß. "Das zeugt von der enormen Reinigungsleistung der Kohle", kommentiert Temmler. Es dauert drei bis vier Jahre, bis die Kohle mit den zu entfernenden Stoffen beladen ist und ausgetauscht werden muss. Dann kann sie mit Hilfe von Wärme und Wasserdampf reaktiviert und recycelt werden. Der Austausch von 925 Kubikmetern Kohle kostete vergangenes Jahr eine Million Franken.

DIE VIERTE ETAPPE

Bevor das Wasser ins Rohrnetz und zu den Haushalten gelangt, passiert es noch die UV-Desinfektionsanlagen. Das UV-Licht hemmt und stoppt das Zellwachstum. "Das Licht muss sehr stark sein, da eine relativ große Wassermenge in einer kurzen Zeit durch die Desinfektionsanlagen strömt", sagt Pascal Temmler. "Nur so kann gewährleistet werden, dass keine Krankheitserreger ins Trinkwassernetz gelangen können." Früher wurde das Wasser mit Hilfe von Chlordioxid desinfiziert. Deshalb schmeckte es auch oft danach. Durch zwei riesige Rohre strömt das Wasser nun in das öffentliche Rohrnetz und parallel in die 13 Reservoire. Sobald das Wasser aus dem Hahn gelaufen ist, schließt sich der Kreislauf: Denn via Kläranlage fließt es wieder zurück in den Rhein, von wo es wieder hochgepumpt werden kann.