Dauernde Ablenkung durch das Smartphone raubt Konzentration

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Di, 20. November 2018

Basel

Eine Diskussion im Basler Museum der Kulturen befasste sich mit der Generation Z, für die Handy, Facebook, Instragram & Co. unverzichtbar zu sein scheinen.

BASEL. Andauernd am Smartphone hängen und alles muss immer und überall sofort verfügbar sein. Ticken so die zwischen 1995 und 2010 geborenen Kinder und Jugendlichen, die sogenannte Generation Z? Diese Frage wurde im Museum der Kulturen in Basel diskutiert.

Der Vortragssaal könnte kaum in größerem Kontrast zum Thema stehen. An den dunkelroten Wänden hängen Ölgemälde berühmter älterer Männer, davor steinerne, ernst blickende Büsten. Vorne steht Yannick Blättler und erklärt im weißen Hemd "Das Mindset der Generation Z". Die Kamera mit Aufsteckmikrofon zum Videobloggen hat er davor in die Ecke gestellt. "Instant, Flexibilität und Klarheit" sind auf der Powerpointfolie hinter ihm rund um das Wort "Generation Z" zu lesen. Wenn Unternehmen heute modern sein wollten, müssten sie ihre Verkaufsprozesse instant, sofort verfügbar, machen, erklärt der Gründer der Beratungsfirma Neoviso.

Kein 14-Jähriger sei heute noch bereit, 48 Stunden auf eine Support-E-Mail zu warten, wenn er auf WhatsApp und Snapchat in wenigen Minuten eine Antwort bekommen kann. Während man sich früher beim Kauf einer CD oder DVD für ein bestimmtes Album oder einen Film habe entscheiden müssen, gebe es für die Generation Z dank Spotify und Netflix jederzeit volle Flexibilität. In einer mit Angeboten überfluteten Welt sei zudem das Gut Aufmerksamkeit rar geworden. Wer die Kinder und Jugendlichen ansprechen wolle, müsse seine Botschaften möglichst klar formulieren. Um die Generation Z zu begeistern, brauche es "emotionales und multimediales Storytelling", angepasst an Plattformen wie Instagram oder Youtube, so Blättler. Zudem müssten Unternehmen potenziellen Mitarbeitern der Generation Z vermitteln, wieso diese für sie arbeiten sollten und welches Ziel sie verfolgten. Die simple Karriereleiter mit Gehaltserhöhungen sei überholt. Zugleich wolle die Generation Z möglichst viele neue Länder und Kulturen bereisen und entdecken.

In der anschließenden Diskussion wird bald klar, dass die Grenzen zwischen den Generationen schwammig sind. Alle Teilnehmer sind sich einig, dass die Ablenkung durch Smartphones jeden und jede betreffe. Während Anna Zakel, als Vertreterin der Generation Y noch ohne Smartphone aufgewachsen, Facebook und Instagram durchaus mit Faszination betrachtet, ist auch für sie klar, dass die Ablenkung durch die Geräte nicht nur die Generation Z betrifft. Auch für den jüngsten auf dem Podium, den 17-jährigen Hannes Hui, gehört das Smartphone zwar fest dazu, wird aber auch kritisch gesehen. So hatten er und seine Freunde ihre Handys im jüngsten Urlaub zu Hause gelassen, um sich auf die gemeinsame Zeit zu konzentrieren. Auch die Rektorin der Uni Basel, Andrea Schenker-Wicki, sieht Smartphones als Hindernis für die Konzentration. Für die Studierenden jedoch hätte die Bologna-Reform mehr Einfluss auf das Studium gehabt als die Einführung des Smartphones. Bei ihren Kindern hingegen merke sie, wie beim Lernen dauernd diese "dumme Ding" neben ihnen auf dem Schreibtisch liege.

Auch die Studentin Rosa Gasparoli sieht die dauernde Aufmerksamkeit für das Smartphone kritisch. Sie könne sich nicht vorstellen, dass diese Schnelllebigkeit die Zukunft sei. Im Verlauf der Diskussion ging es denn bald auch um die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Nachhaltigkeit sei zwar ein großes Schlagwort, aber die Gesellschaft als Ganzes sei nicht nachhaltig, so Schenker-Wicki. Hoffnungen auf die nächste Generation brauche man sich auch nicht zu machen, so Hui. "Im Großen und Ganzen ist man nicht wirklich umweltbewusst", sagte er. Auch wenn Nachhaltigkeit durchaus ein Thema bei Jugendlichen sei, so richtig darum kümmern würden sie sich nicht.

Zum Abschluss wurde über die Zukunft der Museen diskutiert. Für die Gestaltung von Ausstellungen sei es gefährlich, nur zu fragen, was die Leute wollen, so Museumsdirektorin Anna Schmid. Ende des 20. Jahrhunderts habe man dies im niederländischen Leiden ausprobiert. "Das wurde die am schlechtesten besuchte Ausstellung ever", so Schmid. Für Yannick Blättner hingegen ist es durchaus Zeit für das Museum, sich weiterzuentwickeln und mehr Menschen anzusprechen. Am Ende schien es so, dass die großen Umbrüche mehr durch neue Technologien als durch die nachfolgenden Generationen bedingt sind und sein werden.