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11. September 2017

Basel / Lörrach

Gebäude der St. Johanns-Vorstadt faszinieren beim Tag des Denkmals

Die Basler Beiträge zu den europäischen Tagen des Denkmals offenbaren einmal mehr spannende Facetten der Regionalgeschichte.

  1. Das St. Johannstor steht heute als historisches Bauwerk inmitten der zeitgemäßen Umgebung. Dank seines sehr guten Zustandes ist sein Erhalt ungefährdet. Foto: Rolf Reißmann

  2. Das Fallgitter am St. Johannstor aus dem Jahr 1582, neu ist nur die vorgesetzte Metallgaze, damit Vögel das Holz nicht mit zersetztenden Ausscheidungen beschmutzen Foto: Rolf Reißmann

BASEL/LÖRRACH. Hierzulande konzentrierten sich die Aktionen zu den europäischen Tagen des Denkmals auf den Sonntag. Der Kanton Basel-Stadt öffnete seine Denkmale dagegen schon am Samstag und bündelte die Aktionen – wie zuletzt schon – auf einen Stadtteil, genauer die St. Johanns-Vorstadt zwischen der Innenstadt und der Grenze zu Frankreich und begeisterte mit dieser Strategie und insgesamt 33 verschiedenen Führungen einmal mehr erstaunlich Viele für das Thema Denkmal.

Schade. Die Führungen durch den Ackermannshof waren bereits vollständig besetzt, da kam der Herr etwas zu spät. Aber der Mitarbeiter des Basler Denkmalamtes konnte Interesse für den ersten Bau des Universitätsspitals wecken. Dafür gab es noch einige Tickets, doch auch nicht mehr lange. Als am Samstagmorgen der Informationsstand am St. Johannspark öffnete, herrschte sofort Andrang. Jene, die erst nach 10 Uhr kamen, konnten die gewünschten Führungen oft gar nicht mehr besuchen, weil die bis zu 25 Tickets bereits ausgegeben waren. Gleich, ob es um Bauwerke, Freianlagen oder spezielle Einrichtungen ging: Alles fand enormes Interesse. Allerdings berieten die Mitarbeiter des kantonalen Denkmalamtes gut und verstanden es, fast jeden Besucher in eine Führung zu vermitteln.

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Punkt 11 Uhr standen etwa 20 Personen unten im St. Johanns-Tor. Noch bevor Stefan Tramèr vom Denkmalamt den Rundgang begann, schauten sich die Teilnehmer aufmerksam die Details an, das alte Türschloss, das massive Tor oder das Fallgitter, immer noch das Originalstück aus dem Jahr 1582. Nur noch drei von einstmals acht Basler Stadttoren sind erhalten. Am bekanntesten ist sicher das große Spalentor, dazu kommen die zwei kleineren St. Alban und eben St. Johann. Die Stadtbefestigung entstand nach dem Erdbeben von 1356, knapp 20 Jahre später standen in Basel 40 Türme, alle in Armbrustschussweite, etwa 70 Meter voneinander entfernt. Das St. Johanns-Tor wurde in Dokumenten erstmals 1374 erwähnt. Seine eigentliche Funktion verlor es mit Beginn der Industrialisierung. Bis dahin aber waren die mit Brücke und Fallgitter ausgestatteten Stadttore wichtigste Grenzsicherung. "Sie können die Kontrollen mit dem heutigen Virenschutz für Computer vergleichen", meinte Tramèr schmunzelnd. "Hier mussten alle durch und wurden unter die Lupe genommen."

Die Teilnehmer der Führung hatten viele Fragen und staunten nicht schlecht, als sie hinauf stiegen, 31 Stufen außen und weitere 85 drinnen. Ganz oben steht das Uhrwerk, das auch die Glockenschläge steuert. Die Zeitanzeige gehörte allerdings nicht zur Erstausstattung des Torturms, sondern wurde im Zuge der Industrialisierung 1873 angebracht. Der profane Hintergrund war, die Arbeiter an das moderne Zeitmanagement zu gewöhnen, so dass sie die Betriebe pünktlich erreichten.

Unterdessen ließ der Andrang am Informationsstand nicht nach, auch die beiden historischen Straßenbahnzüge, die im Viertelstundentakt von der Schifflände und der Grenze in Saint-Louis herkamen, brachten mit jeder Fahrt viele weitere neugierige Besucher. Zufällig vorbei kommende Passanten waren überrascht von der Vielfalt der Angebote. Bereits zum 9. Mal beteiligte sich das kantonale Denkmalamt am Europäischen Denkmaltag, jedes Mal mit einem anderen Quartier als Schwerpunkt. Insgesamt 33 Führungen und Rundgänge waren vorbereitet, jede zu drei verschiedenen Zeiten.

Auch Dirk Schmid, der den Rundgang zum Beginn der Elektrifizierung in der Voltastraße betreute, war vom starken Besuch beeindruckt. Er hatte am Vormittag mit sechs bis acht Teilnehmern gerechnet, dann kamen 16. Kurz vor 14 Uhr bezweifelte er, dass noch einmal so viele kämen, dann waren es sogar mehr als 20 Personen. Ihnen stellte er die Wiege der Elektrizität in der Stadt vor. 1889 entstand das erste Elektrizitätswerk, das gegenüberliegende Umformwerk aus den 1930er Jahren arbeitet noch immer. Die alten dampfbetriebenen Generatoren des E-Werkes indes wurden in den 80er Jahren ausgebaut. Nur wenig abseits hatte 1852 die Gaserzeugung in Basel begonnen, zehn Jahre später gab es schon einen "Laternenplan", auf dem alle Standorte von Gaslaternen eingezeichnet waren.

Kein Wunder, dass sich dicht neben der Energieerzeugung die ersten Industriewerke ansiedelten, nachfolgend wurden viele Anschlussgleise der Bahn angelegt und schließlich entstand in St. Johann der erste Hafen für die Industrie. Kurz nach 1900 kam die Idee zum Bau einer Brücke auf, 1934 wurde die erste Dreirosenbrücke eröffnet. Die Führung endete mit einem Besuch im ehemaligen Maschinenhaus des Elektrizitätswerkes, heute dient es zur Fernwärmeversorgung von etwa 45 000 Haushalten und drei Spitälern mit Heizung und Warmwasser. Auch wenn der Rundgang nicht so weit in die Vergangenheit zurückging, gab es viel zum Staunen. Der vom Denkmalamt mit vielen Partnern vorbereitete Tag bot für alle Interessenten auf jeden Fall viel bisher Unbekanntes.

Autor: Rolf Reissmann