Basel

Häbse-Theater zeigt die Dialekt-Komödie "Bitte keini Blueme"

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 21. November 2017

Basel

Das Basler Häbse-Theater zeigt als Eigenproduktion die Dialekt-Komödie "Bitte keini Blueme".

Lachen ist die beste Medizin, heißt es ja so schön. Dass da etwas dran ist, zeigt sich in der Dialektkomödie "Bitte keini Blueme", die als neue hauseigene Produktion im Basler Häbse-Theater jede Menge schwarzen Humor zu bieten hat. Hauptprotagonist dieses Stücks ist ein notorischer Hypochonder namens Frank Angst, der zwar kerngesund ist, aber glaubt, sein letztes Stündchen habe bald geschlagen.

Dieser eingebildete Kranke ist eine Paraderolle für Hans-Jörg Hersberger, der alle Register des gewieften Komödianten zieht. Wehleidig jammernd hockt er auf die Couch, studiert hingebungsvoll die Todesanzeigen und klickt sich am Laptop durch Internetseiten über Krankheits-Symptome. Zwar fehlt ihm nichts, doch er bildet sich ein, an Gastritis oder Angina pectoris zu leiden. Auch Gattin Jenny geht er mit seiner "Simulitis" schwer auf die Nerven. Egal, was sie auftischt, er hat an allem etwas herumzunörgeln.

Die Hausärztin versichert ihm, dass er nur harmlose Verdauungsstörungen hat und ansonsten alles in Ordnung ist. Doch der Hypochonder sieht in einer Alptraum-Szene schon den Chirurgen auf der Notfall-Station. Und weil er ein Telefonat der Ärztin falsch deutet, glaubt er irrtümlich, es am Herz zu haben und nur noch ein paar Wochen zu leben. Und setzt damit eine Kette von Missverständnissen und Verwechslungen in Gang.

Aus dieser verzwickten Situation macht Hans-Jörg Hersberger als Hauptdarsteller und Regisseur mit seinem lustspiel-erprobten und pointensicheren Ensemble ein vergnügliches Verwirrspiel.

Bühnenbildnerin Dietlind Ballmann hat eine elegante Wohnung mit grauen Sofas, gut bestückter Bar und Terrassentür mit Blick auf den Garten auf die Bühne gezaubert. In seiner Inszenierung und Bearbeitung hat Hersberger das Stück von Norman Barasch und Carroll Moore nach Riehen verlegt und mit Lokalkolorit angereichert. Trefflich in Mimik, Gestik und dem weinerlichen Tonfall gibt Hersberger den Hypochonder, der selbstlos und fürsorglich für seine baldige Witwe alles regeln will. Er bestellt heimlich einen Bestatter ins Haus, sucht ein Familiengrab aus und will einen zweiten Mann für seine Frau finden. Jennys ehemaliger Jugendschwarm Benny, der nach Argentinien ausgewandert ist, hat seine einstige Flamme nie vergessen und kommt nun auf Überraschungsbesuch. Heimlichtuer Frank, obwohl rasend eifersüchtig, drängt den Besucher aus Südamerika, mit seiner Ehefrau Jenny auszugehen, zum Tanzen, ins Musicaltheater, zum Essen, und will die beiden verkuppeln. Doch der Verkupplungsversuch geht gründlich schief.

Die Darsteller werfen sich wunderbar die Pointen zu in dieser vor Dialogwitz, Verwicklungen und einfallsreichen Szenen nur so sprühenden Inszenierung. Elegant, attraktiv, liebenswürdig mit sympathischem Charme spielt Susi von Lindenau-Huber die Ehefrau Jenny, die sich von der unbedarft-naiven Hausfrau zur patenten Dame des Hauses wandelt und alles in Bewegung setzt, um ihrem vermeintlich dahinsiechenden Gatten zu helfen und ihn zu verhätscheln.

Dani von Wattenwyl bringt sein komödiantisches Temperament als Nachbar und Scheidungsanwalt Arnold ein, der völlig aufgelöst einen Scotch nach dem anderen kippt und schon an der Grabrede für seinen besten Freund schreibt. Wie die beiden an der Hausbar über die letzten Dinge philosophieren, gehört zu den besten Szenen der Komödie. Ebenfalls starke Bühnenpräsenz hat Carlos Amstutz als Jennys Ex-Schwarm Benny, ein hünenhafter Kerl, der mit Hazienda, Firma, See und Fitness prahlt.

Eine beißend ironische Parodie der Halbgötter im weißen Kittel liefert Nicole Loretan als gestresste Hausärztin Uriella Balsam, die mit ihrem Köfferchen anrückt, den Patienten abhorcht und feststellt: "Sie werden uns alle überleben!". Schwarzhumorig wird es, wenn Michael Eckerle als geschäftstüchtiger Herr vom Bestattungsinstitut "Ewige Ruhe" wort- und gestenreich ein "paradiesisches" Plätzchen auf dem Hörnli-Friedhof anpreist. Bis der eingebildete Kranke von seinen Zipperlein geheilt und das Ehepaar wieder traut vereint ist, erlebt das Publikum zwei amüsante Theaterstunden. Herzhaftes Lachen ist eben doch die beste Therapie.

Weitere Vorstellungen am 24., 25.,26. November, 1.,2.,3.,8., 10. Dezember, 20 Uhr, sonntags 17 Uhr. Tel. 004161/6914446