Gesundheit

Krankenhäuser im Dreiländereck buhlen um Mitarbeiter

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Di, 24. Oktober 2017

Basel

Gemeinsame Gesundheitsregionen sollen Kosten sparen und die Leistungsqualität verbessern. Das geplante neue Zentralklinikum des Landkreises Lörrach und die gebündelte Kliniklandschaft beider Basel wollen dem Rechnung tragen.

BASEL. Gemeinsame Gesundheitsregionen können Kosten sparen und durch Bündelung die Leistungsqualität verbessern. Das geplante neue Zentralklinikum des Landkreises Lörrach und die gebündelte Kliniklandschaft beider Basel wollen dem Rechnung tragen. Kooperationsverträge bestehen in der Gesundheitsversorgung zwar auch grenzüberschreitend. Mehr noch als um Patienten stehen die Einrichtungen entlang der Landsgrenze aber immer noch um Mitarbeiter in Konkurrenz zueinander.

Der Rat des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB) ließ sich bei seiner jüngsten Plenarversammlung über die beiden Projekte und den möglichen Ausbau über die Grenzen informieren. Trotz der seit 2007 zwischen Deutschland und der Schweiz bestehenden "Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitswesen" (Grüz) und der Spitzenmedizin im Basler Unispital sind die Patientenzahlen von jenseits der Grenzen aber immer noch überschaubar. 1191 Südbadener ließen sich laut Basler Gesundheitsdepartements 2016 dort behandeln, 403 kamen aus dem Elsass. Zudem besteht direkt neben dem Lörracher Kreiskrankenhaus seit 2014 die "Onkologie und Endoskopie Dreiländereck", deren Mehrheitseigner das Basler Unispital ist, während Lörrach nur das Grundstück beigetragen hat.

Gesundheitsregion beider Basel
"Ich hätte den Raum gerne größer", sagte der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger, der das Projekt einer gemeinsamen Gesundheitsregion der beiden Basler Kantone vorstellte. Wäre doch ein größerer als der bisher bestehende 120-Grad-Radius auch für seine Gesundheitskooperation wichtig, die neben dem Basler Universitätsspital die Kliniken auf dem Bruderholz sowie in Liestal und Laufen umfassen soll. Das in den beiden Basler Kantonen heftig diskutierte Projekt, soll einerseits durch Synergieeffekte und den Abbau von Doppelspurigkeit Einsparungen von mindestens 70 Millionen Franken jährlich bringen, andererseits aber auch aufgrund von bei den in einem größeren Einzugsgebiet leichter erreichbaren Fallzahlen den Standort Basel in der Hochschulmedizin stärken. Einer echten Öffnung der Grenzen in punkto stehe jedoch, so Engelberger, neben anderen Details ganz erheblich "das Preisniveau der Leistungserbringer" im Weg.
Schulterschluss im Landkreis
In Lörrach steht dem Basler Ansatz mit den Kliniken des Landkreises ein zwar deutlich kleineres, aber im Ganzen vergleichbares Projekt gegenüber. Geschäftsführer Armin Müller erinnerte deshalb an einstige Doppelstrukturen, die zwischen den Krankenhäusern in Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim von 1995 und 2006 die erste Strukturbereinigung auf dem "Lörracher Weg" ausgelöst hatten, aber auch an den im Oktober einstimmig gefassten Kreistagsbeschluss zum Bau des neuen Zentralklinikums mit rund 650 Betten. In Lörrach geht es dabei ebenso nicht zuletzt um Konkurrenz. Allerdings stehen hier Fördermittel des Landes und Mitarbeiter im Fokus. "Wir spüren den Sog nach Basel und müssen uns attraktiv machen", sagte Müller. In geringerem Maß gelte das auch für die Patienten. Allerdings stellte Müller hier klar: "Wir konkurrieren mit Basel nicht bei Dingen, die wir nicht können."
Gemeinnützig private Konkurrenz
Im Wettbewerb steht auch das Kleinbasler St. Claraspital, das derzeit für umgerechnet 225 Millionen Euro modernisiert wird. Die gemeinnützig private Klinik hat Bereiche geschlossen und definiert sich heute als Tumor- und Bauchzentrum. Die Uniklinik hat das bereits zu spüren bekommen, wie die bz basel am Montag berichtete. Zwar richtet Direktor Peter Eichenberger den Blick ebenfalls nach Norden: "Das Klinikum in Lörrach wird eine Herausforderung." Die Hauptkonkurrenz bekommt indes die deutsche Seite zu spüren, wenn Mitarbeiter sich aufgrund der höheren Einkommen und des besseren Pflegeschlüssels Richtung Schweiz orientieren. Für Beschäftigte aus Deutschland sei der Weg zum nahe beim Badischen Bahnhof gelegenen Haus ohnehin oft kürzer als für Mitarbeiter aus der Schweiz.

Frankreich geht eigenen Weg
Für die französische Seite konnte der Eurodistrict keinen Referenten gewinnen. Ein Kooperationsvertrag zwischen der Schweiz und Frankreich, dem Bern bereits zugestimmt hat, wird voraussichtlich erst im November in der Pariser Nationalversammlung behandelt. TEB-Districtsratsvizepräsident Gaston Latscha merkte jedoch an, dass es auch auf französischer Seite Optimierungsüberlegungen gäbe. Gebündelt wird im Südelsass vor allem mit den Kliniken in Mulhouse. Seit September hat die Saint-Louiser "Clinique des trois frontières" deshalb keine Geburtsabteilung mehr.